Ludwigshafen / Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Staatsphilharmonie wird Konzertveranstalter in der Südpfalz

Die Festhalle in Wörth beseitzt eine ausgezeichnete Akustik. Hier wird die Deutsche Staatsphilharmonie künftig selbst als Konzer
Die Festhalle in Wörth beseitzt eine ausgezeichnete Akustik. Hier wird die Deutsche Staatsphilharmonie künftig selbst als Konzertveranstalter fungieren.

Künftig tritt die Staatsphilharmonie in Wörth selbst als Veranstalter auf. Die Konzerte in der Festhalle organisiert das Orchester in Kooperation mit der Stadt in Eigenregie.

Den Kommunen im Land geht es finanziell nicht gut, das ist eigentlich keine Nachricht. Und das gilt eben auch für Kommunen, in denen richtige wirtschaftliche Schwergewichte angesiedelt sind wie Ludwigshafen mit der BASF oder das südpfälzische Wörth mit Daimler Truck.

150.000 Euro gibt die 19.000-Einwohnerstadt Wörth am Rhein für die Kultur aus, wie Bürgermeister Steffen Weiß auf Nachfrage berichtet. Damit hat man sich in der Festhalle mit großartiger Akustik seit zehn Jahren auch drei Konzerte des rheinland-pfälzischen Vorzeige-Orchesters Deutsche Staatsphilharmonie gegönnt. Initiiert hatte das der damalige Beigeordnete für Kultur Klaus Ritter. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Einsparung. Die Steuereinnahmen von Daimler, mit deren Hilfe einst die Festhalle errichtet werden konnte, sprudeln nicht mehr. Also keine Auftritte der Staatsphilharmonie mehr im südlichsten Zipfel der Pfalz? Nicht mit Weiß. Und auch nicht mit Staatsphilharmonie-Intendant Michael Gassmann. Die beiden haben sich einen Plan, genauer gesagt eine Kooperation, ausgedacht, dank derer es auch künftig große Sinfoniekonzerte in Wörth geben wird.

Wörths Bürgermeister Steffen Weiß. Die Stadt muss - wie alle Kommunen in der Pfalz - sparen.
Wörths Bürgermeister Steffen Weiß. Die Stadt muss - wie alle Kommunen in der Pfalz - sparen.

„Bislang war es ein ganz klassisches Gastspielmodell. Die Stadt Wörth hat uns eingeladen, war der Veranstalter und wir haben ein Gastspielhonorar bekommen. Ab der nächsten Spielzeit wird es ein Kooperationsmodell sein, bei dem wir formal der Veranstalter sind, das Ticketingsystem, auch die Werbung und so weiter über uns abgewickelt wird und die Stadt Wörth uns den Saal mit dem dazugehörigen Personal unentgeltlich zur Verfügung stellt als ihren Kooperationsbeitrag.“

Neudeutsch könnte man von einer Win-Win-Situation sprechen, bei der die Staatsphilharmonie jetzt natürlich das Risiko trägt. Für Bürgermeister Weiß bietet es eben die Möglichkeit, zu sparen, ohne die Kulturangebote zurückfahren zu müssen. „Es geht ja um die Konsolidierung des städtischen Haushalts, geht um freiwillige Leistungen für die Kultur und um Pflichtaufgaben, an denen wir nicht sparen können. Wenn wir von der Kommunalaufsicht unseren Haushalt geprüft bekommen, dann ist es natürlich deutlich einfacher zu sagen, man hat hier drei Mitarbeiter, die man ebenso wie den Saal kostenfrei einem Veranstalter überlässt, als dass man einen fünfstelligen Betrag im Jahr als Gastspielhonorar bezahlen würde. Weil das dann gegebenenfalls infrage gestellt werden würde als klassische freiwillige Leistung in der Kulturförderung, die wir dann zurückfahren müssten.“

Gassmann seinerseits ist überzeugt, dass sich das finanzielle Risiko für sein Orchester in Grenzen hält. Er glaubt sogar, dass man mit einem gewissen Vorlauf Einnahmen generieren kann, die in etwa jener Summe entsprechen, welche die Staatsphilharmonie bisher als Honorar bekommen hat. „Wenn wir Erfolg haben mit unseren Kommunikations- und Marketingkampagnen, dann wird es in ein, zwei Jahren möglich sein, mehr oder weniger auf die finanzielle Situation zu kommen, die wir bislang hatten.“

Michael Gassmann, Intendant der Staatsphilharmonie.
Michael Gassmann, Intendant der Staatsphilharmonie.

Und damit das Modell erfolgreich wird, hat sich die Staatsphilharmonie etwas Besonderes überlegt. Die Festhalle in Wörth – da sind sich Gassmann und Weiß einig – verfüge zwar über eine exzellente Akustik, ihre Lage am Stadtrand eigne sich aber nur bedingt für einen rundum angenehmen Konzertabend.

Es fehle an Gastronomie. Hier will die Staatsphilharmonie nun mit ihrem „Abo-Apéro“ Abhilfe schaffen. Mit der Konzertkarte kaufen die Besucher zugleich freie Getränke und kleine Speisen.

Gassmann und Weiß sind sich bewusst, dass sie da vielleicht ein Pilotprojekt angestoßen haben, das unter Umständen auch in anderen pfälzischen Kommunen umgesetzt werden kann, wobei der Risikofreude des Orchesters natürlich Grenzen gesetzt sind. Zudem müsse man, so Weiß, die jeweilige Situation vor Ort berücksichtigen: „Ich halte das für einen spannenden Ansatz. Mit Sicherheit schauen die Kommunen, vor allem die Kämmerer, ganz genau hin, was wir da machen. Aber es lässt sich vermutlich nicht einfach eins zu eins auf die anderen Spielorte übertragen.“

Aus Gassmanns Sicht kommt noch der Auftrag des Orchesters als Motivation hinzu, die Grundversorgung mit klassischer Musik auch in der Fläche zu garantieren. „Wir müssen unseren Kernauftrag erfüllen und haben uns deshalb entscheiden, als die Stadt Wörth das selbst nicht mehr übernehmen konnte, die Konzerte zu sichern. Und das mit überschaubarem Risiko.“

x