Pfalzbuch RHEINPFALZ Plus Artikel Staatsgefängnis Scharfenberg

Die sanierte Burg Scharfenberg (rechts) im Oktober 2024, im Hintergrund der Trifels.
Die sanierte Burg Scharfenberg (rechts) im Oktober 2024, im Hintergrund der Trifels.

Wer kennt nicht den Krimi um den englischen König Richard I., genannt „Löwenherz“. Es heißt, er war gefangen auf dem Trifels, aber dort hat es wohl nie einen Kerker gegeben.

Für gut zehn Monate soll Kaiser Heinrich VI. ab Frühjahr 1193 den englischen König Richard Löwenherz in der Pfalz gefangen gehalten haben. Die Sagen und die Mythen, die sich um seine Figur ranken, sind von der Geschichtsschreibung früh widerlegt worden. Als gesichert gilt jedoch, dass die prominente Geisel auf dem Trifels zu Annweiler einsaß, seit 1113 Reichsburg der römisch-deutschen Könige. Auf dem Trifels selbst hat die Forschung aber nie einen Kerker ermittelt.

Nun wartet die „Monographie Reichsburg Scharfenberg ,Münz’ – die verkannte kleine Schwester des Trifels“ mit brandneuen Indizien auf, die das Potenzial besitzen, vielleicht das Geheimnis um Richards Gewahrsam zu lüften – im Innern des Turms der Ruine Scharfenberg! Es muss betont werden, dass die Autoren Peter Pohlit, Hans Reither und Helmut Schlieger sich durchaus von voreiligen Schlüssen fernhalten und erst einmal die Fakten darstellen: Im November 2017 ermöglichte ihnen ein Gerüst für Sanierungsarbeiten, in den Turm zu gelangen und das Besondere an ihm erstmals zu beschreiben.

Ein ungewöhnlicher Schacht, der den Einstieg behindert, legt die Vermutung nahe, dass die nur wenige 100 Meter vom Trifels entfernt gelegene Höhenburg, im Volksmund „Münz“, einst ein Staatsgefängnis war. Bei ihren Recherchen wurden die Autoren von namhaften Historikern unterstützt, etwa von Jan Keupp von der Universität Münster und Thomas Biller, einem der bekanntesten Burgenexperten Deutschlands.

Der geschichtliche Abriss beruft sich in weiten Teilen auf Johann Georg Lehmann (1797-1876), der sich als erster Chronist intensiv mit der Burg beschäftigt hat. Lange als „altmodisch“ belächelt, teils widerlegt, erhält die Arbeit dieses Bad Dürkheimer Pfarrers nun eine gewisse Aufwertung. Auf knapp 100 Seiten haben die Verfasser etliche bislang teils unbekannte Quellen und Bildmaterial zusammengetragen und sorgfältig mit Fußnoten und Bibliographie versehen. Obwohl der Band also akademische Ansprüche erfüllt, ist er nicht nur „Eingeweihten“ vorbehalten. Die einzelnen Kapitel halten sich allgemeinverständlich an die nötigsten Fakten, schweifen bei aller Gründlichkeit nicht aus. Mit didaktischem Geschick, ergänzt durch Exkurse, wird das Einmaleins traditioneller Baumethoden mit aufgerollt. So verspricht die Publikation auch Laien, die sich für das Mittelalter begeistern, eine spannende Einführung in die Vergangenheit der pfälzischen Burgen – und eine Einladung, bei der nächsten Wanderung im Pfälzerwald auf Einzelheiten wie etwa Zangenlöcher an staufischen Mauersteinen zu achten.

Die Autoren nähern sich der Burg systematisch über die Genealogie ihrer Besitzer ab dem 12. Jahrhundert. Wer waren die Burgherren von Scharfenberg? Dem schillerndsten von ihnen, Bischof und Kanzler Konrad von Scharfenberg (1165-1224), ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Das Herzstück der Untersuchungen aber bilden Entwicklung und (teils militärische) Nutzung der Burg. Den frühen Niedergang markiert ein Ereignis, das gerade Jubiläum hat: 1525, während der Bauernkriege, wurde die Burg in Brand gesteckt und ist nunmehr seit 500 Jahren Ruine.

Der Turm stürzte bald ein, ursprünglich war er mehrere Meter höher. Das Gelände, das bis heute unter originalem Schutt liegt, birgt noch viele Geheimnisse. So zeigen künstlerische Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert eine mysteriöse Tür, die man erst 1995 durch den Fund eines Bogensteins nachgewiesen hat. Den Weg ins Innere des Turms schildern die Autoren jetzt so, dass man das Gefühl hat, sie Schritt für Schritt bei ihren Erkundungen zu begleiten.

Illustriert wird der Band durch farbige Reproduktionen von Karten, Aquarellen und Skizzen aus dem 19. Jahrhundert und aktuellen Fotografien. Ab März 2021 wurde die Burg Scharfenberg im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz für rund 2,5 Millionen Euro saniert, seit Oktober 2024 ist sie wieder geöffnet.

Termin

Am 17. Mai, 11 Uhr, lädt der Verein Südliche Weinstraße in Annweiler am Trifels zu einer Führung mit Peter Pohlit ein. Informationen unter Telefon 06346-2200 oder Email info@trifelsland.de

Lesezeichen

Peter Pohlit, Hans Reither, Helmut Schlieger: „Reichsburg Scharfenberg ,Münz’ – die verkannte kleine Schwester des Trifels“; herausgegeben vom Freundeskreis für mittelalterliche Geschichte und höfische Kultur auf Burg Trifels Edition Palatina; 100 Seiten; 14,80 Euro; erhältlich über den Verlag Maierdruck Lingenfeld und die Buchhandlung Pyra, Annweiler.

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