Pfälzer Begegnungen RHEINPFALZ Plus Artikel Spaziergang mit Autorin Heike Abidi entlang der Moosalbe

Erfreulicherweise geöffnet: Heike Abidi vorm Café Unterhammer, unserem Ausflugsziel.
Erfreulicherweise geöffnet: Heike Abidi vorm Café Unterhammer, unserem Ausflugsziel.

Ihre unterhaltsamen Sachbücher sind Bestseller, und auch sonst ist die Pfälzer Autorin Heike Abidi rege. Beim Spaziergang plaudert sie aus dem Nähkästchen.

Wer schlagfertige Argumente mag, die passenden Antworten aber oft zu spät oder gar nicht findet, sollte Heike Abidis unterhaltsame Sachbücher kennenlernen. Bei einem gemeinsamen Spaziergang durchs Karlstal nach Unterhammer gibt sich die „Spiegel-Bestseller“-Autorin angenehm unprätentiös.

Treffpunkt Klugsche Mühle.
Treffpunkt Klugsche Mühle.

Die Antwort „Wenn ich dir recht gebe, liegen wir leider beide falsch“ kann Besserwisser entwaffnen, und Klatschmäuler sind schnell gestopft, wenn auf die neugierige Frage nach einer geplanten Weltreise der trockene Konter „Nein, ich flieg nur übers Wochenende zum Mond“ folgt. Die zwei Beispiele aus Heike Abidis Buch „Und Tschüss“ habe ich mir sicherheitshalber gemerkt. Aber ihre Schlagzahl als Autorin ist so hoch, dass die Werke auch als Enzyklopädie taugen. Man kann sich all die nützlichen Strategien darin gar nicht merken. „Gute-Laune-Bücher mit Grips, Charme und Humor“, lautet die Beschreibung der ausgewiesenen „Spiegel-Bestseller“ auf Abidis Homepage. Dabei sind die narrativen Coaching-Bücher nur ein Ausschnitt aus ihrem Schaffen: Die westpfälzische Autorin hat zudem Jugendbücher und zahlreiche Romane verfasst, teils unter Pseudonym, und ist obendrein als Werbetexterin unterwegs.

Auf einer Wellenlänge

Entsprechend groß ist mein Respekt, als ich am Teich vor der Klugschen Mühle bei Trippstadt auf sie warte. Wie auf Bestellung schwimmt majestätisch ein Schwan herbei, die Flügel stolz zur Seite gereckt. Er hat sich auch schon mal aufgeplustert, denke ich für mich. Auf den Gongschlag pünktlich fährt meine Begleiterin vor. Schnell zeigt sich: Die Wellenlänge stimmt. Als wir die ausgetretenen Steinstufen zu dem beliebten Wanderpfad bei Trippstadt hinaufsteigen, ist das Eis gebrochen. Wir überlegen kurz, ob wir am Bachlauf hinauf in die wildromantische Karlstalschlucht oder lieber bachabwärts nach Unterhammer laufen sollen, wo ein hübsches kleines Café lockt. Die Aussicht auf einen Milchkaffee obsiegt.

Begrüßungskomitee: ein Schwan mit aufgeplusterten Flügeln.
Begrüßungskomitee: ein Schwan mit aufgeplusterten Flügeln.

Plaudernd bahnen wir uns unter einem strahlend blauen Himmel den Weg durch Matsch und Pfützen. Wenigstens kann man sich hier nicht verlaufen – die Route führt immer an der Moosalbe entlang, die idyllisch rechts neben uns plätschert. Heike Abidi ist angenehm unaufgeregt und gibt sich völlig entspannt: „Meine Stiefel sind schon alt, das macht denen nichts“, antwortet sie lapidar auf die Frage, ob wir angesichts des schlechten Wegezustands vielleicht lieber umkehren sollten. „Und der Dreck geht ja auch wieder ab.“ Dieser Frau kaufe ich auf Anhieb ab, dass sie so viele Freunde und Freundinnen hat, wie in ihren Büchern zu Wort kommen. Persönliche Erlebnisse und Begebenheiten stehen darin exemplarisch als Aufhänger für unterschiedliche Aspekte eines übergeordneten Themenkomplexes.

Großes Netzwerk

Heike Abidi schmunzelt, denn so aufregend und bunt, wie ich es mir vorstelle, ist ihr Leben wohl doch nicht: Sie sei gar nicht so oft mit Leuten unterwegs, entgegnet sie. Aber sie habe natürlich schon ein großes Netzwerk, auf das sie jederzeit zurückgreifen könne. Sie sei beispielsweise im Vorstand von Delia, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und -Autorinnen, organisiert. „Sechs Jahre lang war ich Vorsitzende. Präsidentin nennen die das“, erzählt sie. Inzwischen fungiere sie als Schriftführerin. Überdies pflegt Abidi „seit gut 20 Jahren“ einen regen Austausch im Online-Netzwerk Texttreff. Mit vielen der Texttreff-Netzwerkerinnen habe sie über die Entfernung hinweg ein enges Verhältnis aufgebaut. „Und wenn ich dann sage, hier brauche ich Input oder darf ich euch mit Vornamen zitieren, sind sie immer gerne dabei. Da kommen massenhaft Antworten.“ Manche Freundin käme aber auch mit unterschiedlichen Namen mehrfach vor, verrät sie. Nicht zuletzt nehme sie sich die dichterische Freiheit, ähnliche Rückmeldungen zu einer Geschichte zusammenzuführen. Nicht zuletzt gibt Heike Abidi eigene Erfahrungen preis, zum Beispiel ihr Kletterpark-Abenteuer, das im Buch „Gönn dir einen Mutausbruch“ nachzulesen ist: Sie überwand für einen Werbetext ihre Höhenangst, wagte sich auf einen Parcours in luftiger Höhe, blieb aber beim Abgang auf halber Höhe hängen und musste gerettet werden. „Ja, das ist wirklich so passiert“, gesteht sie lächelnd.

Der Humor in ihren Büchern ist zweifellos nicht künstlich erzeugt, sondern gehört zu ihrem Wesen. „Das ist sicher so“, bestätigt sie. „Ganz ohne Humor geht es bei mir nicht.“ Man müsse allerdings zwischen Werbetexten und eigenen Büchern unterscheiden: „Bei Werbetexten bin ich nicht Absenderin, sondern Medium“, erklärt Abidi. „Der Text muss zu dem Kunden passen.“ Anders bei den eigenen Werken: „Da bringt man mehr von der eigenen Persönlichkeit ein.“ Schon sind wir mittendrin im Plaudern über Gott, die Welt, das Leben, das schöne Wetter – ihre moderne Schreibe und die aktuellen Themen ihrer Bücher. „Die Begriffe aus den sozialen Medien gehören heute zum normalen Vokabular.“ Da müsse sie als Autorin immer aktiv sein und auch bleiben, den Kontakt zur Leserschaft pflegen ...

Tierische Überraschung

Mitten im Satz bleibt Abidi plötzlich stehen: „Da, ein Frosch“, ruft sie und zückt die Handykamera. Kein Wunder, dass sich Amphibien hier wohl fühlen: Die Riesenpfütze vor uns dürfte für sie ein wahres Paradies darstellen. Durch die Zäsur haben wir den Faden verloren, und ein paar Meter weiter unterbricht ein weiteres Fotomotiv den Redefluss: ein Brunnen, vor dem ich die Pfälzer Erfolgsautorin ablichte.

Fotomotiv: Brunnen.
Fotomotiv: Brunnen.

Wie sie sich denn gefühlt habe, als ihre Bücher erstmals mit dem Aufkleber „Spiegel-Bestseller-Autorin“ markiert worden seien, wechsele ich das Thema, als wir weiterspazieren. Die sympathische Wortakrobatin nickt: „Da habe ich die Korken knallen lassen“, erinnert sie sich. Ob sich ihr Leben durch den Status Bestseller-Autorin irgendwie geändert habe, will ich noch wissen, denke mir aber schon, dass sie kein großes Aufhebens darum machen wird: „In meinem Bekanntenkreis ist das nicht weltbewegend“, sagt sie und greift über den kleinen Umweg den roten Faden von eben wieder auf: „Früher waren Autoren eine Art höhere Wesen. Sie waren nicht erreichbar, die hat man auf der Straße gar nicht erkannt.“ Sie erinnert sich an ihren großen Moment als junge Leseratte: Die Jugendbuchautorin Berte Bratt, mit deren Büchern sie sich im Teenageralter wunderbar habe identifizieren können, wie sie betont, habe ihr auf einen Fanbrief mit einem langen Schreiben geantwortet. Was für ein Erlebnis! Heute seien Rückmeldungen und Rezensionen über die sozialen Medien nicht nur alltäglich, sondern überaus wichtig, um den Buchverkauf anzukurbeln.

Am Unterhammer im Moosalbtal: Autorin Heike Abidi.
Am Unterhammer im Moosalbtal: Autorin Heike Abidi.

Unser Weg wird jetzt breiter. Der Bach weicht einem Weiher, der Wald einer Lichtung, was den Blick auf das Herrenhaus des ehemaligen Gienanthschen Eisenhammerwerks freigibt. Die fünf Gebäude in Unterhammer bilden ein Industriedenkmal aus den Anfängen der pfälzischen Industriegeschichte. Heute sind sie in Privatbesitz, und die renovierten Bauwerke aus dem frühen 19. Jahrhundert beherbergen unter anderem eine Brauerei, ein Gesundheitszentrum und das von uns anvisierte Café.

Milchkaffee ohne Kuchen

Unser Ausflugsziel ist erfreulicherweise geöffnet – und einen großen Milchkaffee gibt es ebenfalls. Den Kuchen verkneife ich mir mit Blick auf die Waage. Heike Abidi lacht. „Warum gehst du denn überhaupt da drauf? Ich mache das nicht. Ich merke ja von selbst, dass der Knopf an der Hose nicht mehr zugeht. Ich lasse mir von einem Haushaltsgerät doch nicht die Laune verderben.“ Wir lachen. Heiter schlürfen wir unser Heißgetränk, plaudern mit etwas gesenkter Stimme weiter – unterbrochen von fröhlichem Hundegebell und interessiert beäugt von Gästen am Nachbartisch. Vielleicht ist Heike Abidis Gesicht ja doch weithin bekannt und sie als Pfälzer Prominente vielen ein Begriff? „Ich mache einen ganz normalen Bürojob“, winkt sie ab. Den Wecker stelle sie sich allerdings nicht. Sie stehe auf, wenn sie wach werde und starte dann zügig in den Arbeitstag.

Pause im Café.
Pause im Café.

Wir unterhalten uns übers Essen, über Schokolade, dann über Schrauben, die gewisse Anforderungen erfüllen müssen, um in einem Atomkraftwerk nördlich des Polarkreises eingesetzt werden zu können, ein Thema, das Heike Abidi als Werbetexterin beschäftigt hat. „Eigentlich sind alle Themen spannend“, findet sie. Hinter jedem kleinen Detail, ob es das Tischdecken oder das Kuchenbacken sei, offenbare sich bei näherer Betrachtung ein eigenes Universum. Langweilig zu werden droht ihr „ganz normaler Bürojob“ also vermutlich nicht. Ob sie sich vorstellen könne, bald in Rente zu gehen? Eher nicht, meint sie. „Ich habe nicht so einen Schreibzwang, aber Beruf und Privatleben kann ich nicht so ganz trennen“, gesteht die 60-Jährige. Zwei Wochen im Jahr gönne sie sich eine komplette Pause, „um selbst mal Bücher zu lesen, die mir Spaß machen“, aber in manchen Urlaub nehme sie auch ihren Laptop mit.

Ein gutes halbes Stündchen später sind wir auf dem Rückweg. Die Karlstalschlucht weiter oben kenne sie gut, erzählt Heike Abidi, im Café Unterhammer sei sie aber noch nie gewesen. Eine Weile spazieren wir schweigend nebeneinander her, lassen den kleinen Plausch nachwirken. Mir fällt noch ein älteres Buch von ihr ein: „Scheißegal, ich mach’ das jetzt“ über das neue Durchstarten in der Lebensmitte. Kann sie sich vorstellen, irgendwann die Brücken abzubrechen und was ganz anderes zu machen? „Mehr zu reisen, das wäre ganz okay.“ Wegziehen nicht: „Wir sind der Pfalz zu sehr verbunden.“

Der Rückweg erscheint kürzer als der Hinweg. Flugs sind wir wieder an der Klugschen Mühle. Als wir uns verabschieden, fühlt es sich vertraut an. Der Schwan schwimmt wieder herbei – die Flügel entspannt am Körper.

Heike Abidi und ihre neusten Sachbücher

Heike Abidi ist Buchautorin und Werbetexterin. Sie studierte an der Justus-Liebig-Universität in Gießen Sprachwissenschaften, neuere Geschichte und Mediendidaktik. Die 60-Jährige ist in Birkenfeld geboren, verbrachte ihre Kindheit in Hoppstädten-Weiersbach und lebt heute mit ihrer Familie in Otterbach. Zuletzt sind folgende Sachbücher von ihr erschienen:

„Achtsam jammern“: Zu meckern gibt es dieser Tage scheinbar mehr als genug. Wenn das Gejammer aber die schönen Dinge des Lebens übertöne, müsse man gegensteuern, finden Heike Abidi und Daniela Nagel. Wie das funktioniert, erklären sie in dem „Buch für zwischendurch, zum Lachen, Loslassen und Liebhaben“. Ein Test gibt Aufschluss über den Jammer-Status-Quo, fünf Kapitel gehen dann den Fragen auf den Grund, was Jammern mit uns macht und wie wir raus kommen aus der „Jammerschleife“ (Goldegg-Verlag, 2026, 19 Euro)

„Gönn dir einen Mutausbruch“: Angst kann viele Gesichter haben. Und darum dreht sich das Buch von Heike Abidi und Ursi Breidenbach denn auch im engeren Sinne. Aber der Begriff Angst ist natürlich viel zu negativ besetzt, wenn es um ein Mutmacher-Buch geht. Pfiffig und fundiert tarieren die Autorinnen das Thema aus, lassen Menschen zu Wort kommen, die Ängste überwunden haben, sparen Krankheit und Tod nicht aus und bieten doch ausreichend Gelegenheit zum Schmunzeln. Es geht um Liebe, Ahnungslosigkeit, Haltung sowie Angst und Mut in anderen Kulturen. (Penguin Verlag, 2025, 13 Euro)

„Ab heute mach ich’s mir selber recht“: Wer schon mal den Satz gehört hat: „Du bist zu gut für diese Welt“, der kann in diesem Buch aufschlussreiche Erkenntnisse gewinnen. Warum gerade nette Menschen allzu oft ausgenutzt werden, macht Heike Abidi beispielsweise deutlich. People Pleaser, die anderen unbedingt gefallen möchten, haben die Chance, das Problem als solches zu erkennen und gegenzusteuern – ohne gleich zum unerbittlichen Egoisten zu mutieren. „Selbstfürsorge statt Selbstaufgabe“ lautet das Motto. (GU-Verlag, 2024, 16,99 Euro)

„Und Tschüss!“: Labertaschen, Dauernörgler, Wichtigtuer, Dramaqueens, Trolle, Lästermäuler und sonstige nervige Zeitgenossen können sich warm anziehen: Heike Abidi hat nämlich ziemlich viele Ideen, wie man sie los wird oder zumindest passend reagiert. Aber Vorsicht: In ihrer „Anleitung zur emotionalen Selbstverteidigung“ bekommen auch anstrengende Familienmitglieder und Freunde ihr Fett weg – weniger mit erhobenem Zeigefinger als vielmehr mit einem heiteren Grinsen. Die Beispiele sind mitten aus dem Leben gegriffen. (GU-Verlag, 2025, 18 Euro)

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