Film der Woche
Schrecklich lustig: „How To Make A Killing – Todsicheres Erbe“
„Adel verpflichtet“ aus dem Jahr 1949 gilt noch heute als beste Kriminalgroteske. Der Brite Alec Guinness (1914 bis 2000) brilliert darin. In seine Fußstapfen tritt nun Hollywood-Star Glen Powell. Und das mit einigem Erfolg.
Als erstes fällt auf, dass Glen Powell („Top Gun: Maverick“, „A Killer Romance“) sehr viel mehr Sexappeal ausstrahlen darf als es Alec Guinness („Dr. Schiwago“, „Der kleine Lord“, „Star Wars“) vergönnt war. Darauf baut der Film wesentlich. Der Charme des von Powell mit spürbarem Spaß verkörperten armen Schluckers Becket Redfellow ist flirrend, ohne dass er billig wirkt. Dem Sunnyboy fliegen garantiert die Herzen zu. Denn der Typ hat einfach Klasse. Schade, dass er recht mittellos ist. Dabei könnte er steinreich sein. Blöderweise aber wird ihm das Vermögen, das ihm zusteht, von einer Schar knausriger Verwandter vorenthalten. Sollten die allerdings in die ewigen Jagdgründe eingehen, könnte der junge Mann als lachender Erbe in Saus und Braus leben. Und es dürfte doch gar nicht so schwer sein, mal eben diesen und auch jenen hübschen Todesfall zu arrangieren. Doch gleich sieben auf einen Streich?
Oft krachkomische Klamotte
Die oft krachkomische Klamotte orientiert sich erkennbar an „Adel verpflichtet“. Doch auf den entscheidenden Clou des legendären Kinohits wird verzichtet: Anders als damals Alec Guinness spielt Glen Powell allein die Rolle des Mordbuben, nicht aber auch dessen sämtliche Opfer. Was ob der Klasse der Nebendarsteller, darunter Ed Harris („Apollo 13“) und Topher Grace („Der Moment der Wahrheit“), nicht weiter ins Gewicht fällt. Schwerer wiegt, dass die inzwischen 77 Jahre alte Erstverfilmung des 1907 erschienenen Romans „Israel Rank: Die Autobiografie eines Serienkillers“ des heute kaum mehr bekannten Briten Roy Horniman bei allem grotesken Witz auch eine deutliche sozialkritische Komponente hat. Die aus der Schere zwischen Arm und Reich resultierenden individuellen und gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten werden in dem alten Film deutlich angeprangert. Davon fehlt jetzt nahezu jede Spur. Es wird auf makabren Spaß gesetzt. Der resultiert beispielsweise daraus, dass Glen Powell als Mann (wie vor ihm in der Geschichte des Kinos unzählige Frauen) als Objekt erotischer Begierden vorgeführt wird. Manchmal scheint’s, als solle er mit dieser Rolle als so etwas wie ein Bond-Boy für zukünftige Abenteuer von Geheimagent 007 etabliert werden. Margaret Qualley („Honey, Don’t!“) und Jessica Henwick („Glass Onion: A Knives Out Mystery“) als durchtriebene Charaktere, die ihre Angeln nach dem schnieken Typen auswerfen, zeigen wirkungsvoll, dass es die Frauen sind, die das sprichwörtliche starke Geschlecht repräsentieren. Sehr unterhaltsam.
Einfallsreich und urkomisch
Um die Spannung nicht zu schmälern, sei hier nicht verraten, welche absurden Methoden vorgeführt werden, um einen Menschen ins Jenseits zu befördern. Nur dies: Sie sind durchweg einfallsreich und urkomisch. Vordergründige Gewaltdarstellungen bleiben dabei weitgehend aus. Dank des Augenzwinkerns, mit dem der Hauptdarsteller den von ihm gespielten Tunichtgut ausgestattet hat, amüsiert man sich nicht nur prächtig, sondern ertappt sich auch dabei, einem Gewaltverbrecher, und ein solcher ist Becket zweifelsohne, die Daumen zu drücken. Da mischen sich in alles herzhafte Lachen denn auch Momente des Erschreckens.
Autor und Regisseur John Patton Ford („Emily The Criminal“) hat den alten Stoff geschickt modernisiert. Er setzt dabei vor allem auf das Vergnügen daran, wie schnöde Schmarotzer gewaltig auf die Schnauze fliegen und ihre goldenen Löffel abgeben müssen. Das ist nicht sonderlich subtil. Von einem Meisterwerk kann kaum die Rede sein. Geboten wird eine wirkungsvolle Gag-Parade für alle, die’s schrill mögen – und die ihre Freude am unzweifelhaft schillernden Charisma Glen Powells haben.