Schwetzingen RHEINPFALZ Plus Artikel Purcells „King Arthur“ bei den Festspielen

Der finale Zweikampf zwischen King Arthur (Elias Arens, rechts) und Oswald, dem Sachsen (Katrin Wichmann, links).
Der finale Zweikampf zwischen King Arthur (Elias Arens, rechts) und Oswald, dem Sachsen (Katrin Wichmann, links).

Henry Purcells „King Arthur“ mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin begeisterte bei den Schwetzinger Festspielen im Rokokotheater.

Traditionell gibt es bei den Schwetzinger Festspielen neben einer zeitgenössischen Oper eine solche des 17. oder 18. Jahrhunderts. Diese Position übernahm diesmal Henry Purcells und John Drydens „King Arthur“, fulminant musiziert vom RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin unter Leitung von Justin Doyle.

Große Musik des 17. Jahrhunderts setzte in diesem Jahr Zeichen bei den Schwetzinger SWR Festspielen. Anfang Mai gab es zuerst einen kleinen Monteverdi-Schwerpunkt. Dabei wurde dessen Marienvesper im Dom zu Worms musiziert (ist auf Arte Concert nachzuschauen). Das ausführende Ensemble La Fonte Musica war vor zwei Jahren noch im Speyerer Dom bei den Festspielen aufgetreten. Es ist zu hoffen, dass Speyer und der Dom wieder in den Kreis der Festspielstätten zurückkehren. Das Ensemble Capella della Torre unter Katharina Bäuml, das vor einem Jahr ein grandioses Festspielkonzert in Speyer gegeben hatte, war heuer mit seinem im doppelten Sinne ausgezeichneten Monteverdi-Memories-Programm in Schwetzingen.

Keine halbe Sache

In der Schlussphase der Festspiele, die noch bis Samstag gehen, nun also Musik des späten 17. Jahrhunderts – und zwar aus England. Die zweite sozusagen szenische Produktion im Rokokotheater galt Henry Purcells Semi-Opera „King Arthur“. Okay, der Gag ist alt, passt aber immer wieder: Dieses Werk ist nun wahrlich keine halbe Sache. Es ist aber eben doch keine eigentliche Oper. Purcells Musikstücke sind eingebunden in das patriotische Schauspiel von John Dryden. Es singen ein Chor und einige Nebenfiguren der Handlung. King Arthur, also der legendäre Artus, sein Zauberer Merlin oder der sächsische Widersacher Oswald und Hexerich Osmond sind reine Sprechrollen. Purcells Partitur enthält gleichwohl einige der größten Hits der Barockmusik, zum Beispiel die eiskalte Arie des Geistes der Kälte, das Loblied der Venus auf England „Fairest Isle“ oder das rustikale Trinklied mit der Schlussstrophe „We’ll toss off our ale till we cannot stand;/And heigh for the honour of old England;/Old England, Old England,/And heigh for the honour of old England.“ Das heißt so etwa: „Wir schütten das Bier in uns rein, bis wir nicht mehr stehen können. Ein Hoch auf den Ruhm des alten England!“

„King Arthur“ wird denn auch mit Recht gerne und oft gespielt. In Salzburg war es just vor 20 Jahren gar die Eröffnungspremiere der Festspiele. Freilich ist jede szenische Produktion eine dramaturgische Herausforderung, denn das ganze Schauspiel von Dryden und Purcells Musik ergäben einen Abend von Wagner’scher Länge. Purcells Musik allein ergibt aber (außer konzertant) keinen rechten Sinn. Also ist theatralischer Erfindungsgeist gefragt.

Von Shakespeare bis Wagner

Für die jetzt ein Mal in Berlin und zwei Mal in Schwetzingen gezeigte Produktion erstellte Stefanie Twiehaus das dramaturgische Konzept. Sie reduzierte das Personal auf zwei Schauspieler, die jeweils in mehreren Rollen agieren. Der Text verwendet neben Passagen aus Drydens Vorlage auch Verse von Shakespeare und aus anderen Quellen, darunter (sehr witzig) solche aus Wagners „Ring“.

Auf großen szenischen Aufwand wird verzichtet. Dafür aber hat das Spiel viel Spannung und Leben – und es regt aufs Schönste die Vorstellungskraft des Publikums an. Die Inszenierung von Christoph von Bernuth geht hier ebenso originell wie humorvoll mit dem Stoff um. Auch ohne knallige Show und schrille Optik gelingt ein mitreißendes Spektakel.

Locker und pfiffig

Noch kurz ist Christoph von Bernuth in Oldenburg am Theater tätig. Ab Herbst arbeitet er dann ganz in der Nähe als Operndirektor am Badischen Staatstheater in Karlsruhe und als neuer Leiter der dortigen Händel-Festspiele. Man darf auf sein dortiges Wirken gespannt sein, die Zeichen stehen jedenfalls nicht schlecht.

Überaus eindrucksvoll bei „King Arthur“ war der Einsatz des RIAS Kammerchors Berlin, der 75 Jahre nach seiner Gründung einmal ganz ungewohnt als szenisch hinreißend locker und pfiffig agierendes Ensemble auftrat. Der Chor sang dabei natürlich auswendig – und seine Mitglieder übernahmen die meisten der solistischen Aufgaben. Und dieses immer sehr kunstvoll und bezaubernd.

Die beiden einzigen Figuren des Stücks, die auch größere Gesangspartien haben, sind die Geister Philidel und Grimbald. Die Sopranistin Marie Sophie Pollak stattete den Luftgeist mit sehr erlesenen und anmutigen Tönen aus. Als Grimbald (der Name ist Programm) kehrte der Bariton Florian Götz wieder nach Schwetzingen zurück, wo er zur Jahreswende Nebukadnezar in Reinhard Keisers Oper war. Auch bei Purcell überzeugte er durch Präsenz sowie großes sängerisches und darstellerisches Profil.

Elan und ansteckender Spielfreude

Wichmann und Elias Arens agierten als Schauspieler in ihren verschiedenen Rollen mit viel Elan und ansteckender Spielfreude.

Justin Doyle hatte nicht nur seinen Chor prachtvoll einstudiert, am Pult der abermals famos musizierenden Akademie für Alte Musik Berlin entfaltete er ebenso erlesen klangschön wie delikat im Detail den ganzen Zauber der Musik von Henry Purcell und blieb sowohl deren Kunst als auch deren Sinnlichkeit nichts schuldig.

Dieser Purcell in Schwetzingen war auf diese Weise rundum ein großes Vergnügen – und das Publikum im Rokokotheater verlieh seiner Begeisterung spürbaren Ausdruck.

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