Festival RHEINPFALZ Plus Artikel Programm des „Mannheimer Sommers“

Vorboten: Das Nationaltheater kündigt das Festival „Mannheimer Soommer“ an.
Vorboten: Das Nationaltheater kündigt das Festival »Mannheimer Soommer« an.

Hommage an die Fantasie und die Kraft der Musik: Das Nationaltheater Mannheim stellt das Programm seines Festivals im Juni vor.

Die warmen Temperaturen wirken wie Vorboten. Der „Mannheimer Sommer“ verspricht heiß und bunt zu werden. Gemeint ist das Juni-Festival des Nationaltheaters, das 50 Veranstaltungen an 11 Tagen bietet und Genre-Grenzen überwindet.

Charly Hübner singt Nick Cave und Schubert, ein Streichquintett spielt im Fußballstadion. Man begegnet der Musik von Björk, Beyoncé und Justin Bieber und reist vom ersten Chat-Bot der Welt über 400 Jahre zurück bis an die Wiege der Oper.

Im biennalen Rhythmus wechselt sich der „Mannheimer Sommer“ mit den „Schillertagen“ ab. „Lasst euch entgrenzen!“ lautet das Motto der fünften Festival-Ausgabe, die von 18. bis 28. Juni an zehn Spielorten die Oper als Verschmelzung von Musik und Theater in ein neues Licht rückt. Vom großen OPAL, der „schönsten Blechbüxe Mannheimes“, wie Kulturbürgermeister Thorsten Riehle die NTM-Interimsstätte nennt, über den Rosengarten und das Planetarium, der Friedenskirche und dem VfR-Stadion bis zum intimen Wohnzimmerkonzert reichen die Spielstätten.

Aufbruchstimmung trotz Krisenzeiten

Das bei einer Pressekonferenz vorgestellte Programm klingt nach Aufbruchstimmung trotz Krisenzeiten. „Wir wollen bewusst etwas quer stehen zum allgemeinen Lebensgefühl in merkwürdigen Zeiten“, erklärt der Künstlerische Leiter Jan Dvořák. Den Begriff „Grenze“ wolle man auch positiv besetzen. Als Verbindung, als „Randbereiche, in denen man sich tummelt, um neues Kreieren zu können“, so sein Kollege Jakob Kotzerke.

Dabei kann auch Bewährtes im neuen Gewand erscheinen. Mozarts „Zauberflöte“ wird zum Auftakt am 18. Juni im OPAL neu interpretiert. „Pamina, die Tochter der Königin der Nacht, wird im Fokus stehen und sozusagen Tagebuch führen. Auf diese Weise kann sie uns mit in ihre Gedankenwelt nehmen“, erklärt Oper-Chefdramaturgin Cordula Demattio. Ein Bühnenbild mit magischer Burg wird wiederum den Raum öffnen für ein Sitzkissenkonzert am Familientag, 21. Juni. Diana Damrau feiert mit einem Liederabend ihre Rückkehr. Oft mündet im Programm eine Inszenierung in die andere. Nachdem Schauspieler Charly Hübner mit „Mercy Seat – Winterreise“ im Alten Kino Franklin die Einsamkeiten von Nick Cave und Franz Schubert besingt, wartet eine Straßenbahn aus den 1950ern auf die Gäste, um zu einem Maskenball im venezianischen Stil zu fahren. Das internationale Streichquintett Wooden Elephant wird nahezu allgegenwärtig sein. Vom Beyoncé-Konzert im Rhein-Neckar-Stadion bis zu einer Installation, die in Zeiten der Künstlichen Intelligenz dem bereits 1966 entwickelten Chat-Bot „Eilza“ ein Denkmal setzt.

„Garten der Künste“ vor dem Opal

Der Vorplatz des OPAL wird als „Garten der Künste“ zum Festivalzentrum. Mit jungen Bäumen, die ab 2028 am Goetheplatz weiter wachsen sollen. Mit Workshops, Live-Malerei, Künstlergesprächen, Zirkusprobe und Konzerten. Etwa mit Kat Frankie, australische Singer-Songwriterin, die am 23. Juni unter dem Titel „Hunter“ mit einem Vokalensemble auf Björk-Jagd geht und die zwischen Pop, Oper und Elektronik rangierenden Songs der isländischen Künstlerin erkundet.

Was haben Mozart, Schwarzenegger und Hitler gemein? Isabella Sedlak aus Österreich zumindest wird bei Auslandsaufenthalten stets mit Fragen zu diesen drei Austria-Männern konfrontiert. Mit einer tragisch-komischen Musik-Performance verarbeitet sie die Figuren zwischen Freiheitsdrang und Größenwahn, während ein Pariser Kollektiv in der Friedenskirche Verbindungen zwischen Don Giovanni und dem einstigen Mädchenschwarm und nun sehr Jesus-affinen Justin Bieber herstellt.

Monteverdi in Schwetzingen

„Der Mannheimer Sommer wird eine Hommage an die Fantasie und die Kraft der Musik“, verspricht Festivaldramaturgin Julia Warnemünde. Dafür geht es mit Techno „produzierenden“ Robotern im Technoseum in die Zukunft, mit dem „Phantom der Operette“ an die möglichen Wurzeln des Pop, im Schwetzinger Schlosstheater aber auch über 400 Jahre zurück: Monteverdis „L’Orfeo“ gilt als Geburtsstunde der Oper. Und das mystische Stück über Leben und Tod, über die Mächte der Unterwelt und die Liebe als Hoffnungsschimmer kann vielleicht heute noch mehr Fragen zur Menschheit beantworten als jede KI.

Das volle Programm und Karten gibt es auf www.nationaltheater-mannheim.de.

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