Kaiserslautern
Pfalztheater: Ist Kritik am Bezirksverband eine „Kampagne“?
Wenn dem wirklich so ist, fragt man sich dann schon, wie er das wohl gemeint haben könnte – sofern er sich nicht versprochen hat, und statt „Kampagne“ eigentlich „Journalismus“ sagen wollte. Blickt man auf die Geschichte des Begriffs, so findet man genügend Anhaltspunkte dafür, dass Weichel vielleicht etwas ganz anderes sagen wollte.
Goethe beim Feldzug gegen Frankreich
Beim Weimarer Geheimrat Goethe steht der Begriff „Kampagne“ eindeutig für ein militärisches Unternehmen. Beschreibt er doch in seiner „Kampagne in Frankreich 1792“ seine Teilnahme an dem Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich, der in einer ziemlich krachenden Niederlage für die reaktionären Kräfte der preußisch-österreichischen Allianz endete. Dass nun aber unsere Redaktion einen Feldzug gegen das Pfalztheater führen würde, wird uns selbst Klaus Weichel nicht unterstellen. Im Gegenteil. Wir berichten über alle wichtigen Termine des Theaters, bringen im Regelfall auch einen Vorbericht oder ein Interview vor den Premieren. Sind diese dann jedoch dennoch nicht ausverkauft, so kann das wohl kaum an der RHEINPFALZ und ihrer angeblichen Kampagne liegen.
In den Karnevals- beziehungsweise Fastnachtshochburgen Köln oder Mainz hat der Begriff dagegen noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Er steht für die mit dem 11.11. beginnende und am Aschermittwoch tränenreich zu Grabe getragene närrische Jahreszeit. Aber so wenig uns irgendwelche revanchistische Gedanken umgetrieben haben, so wenig war uns mit Blick auf das Pfalztheater in der jüngeren Vergangenheit auch zum Lachen zu Mute. Auch diese Form der Kampagne müssen wir also ausschließen.
Schaut man dagegen im Duden nach, findet man folgende Begriffsdefinition von Kampagne: „gemeinschaftliche Aktion für oder gegen jemanden, etwas (bei der ideologische, politische oder wirtschaftliche Ziele im Vordergrund stehen).“ Da stutzt man schon bei dem Wort „gemeinschaftlich“. Wer sollte das sein? Unsere gesamte Redaktion? Bei aller Liebe, aber die Kollegen in Sport, Wirtschaft oder Politik haben andere Themen zu bearbeiten als das Pfalztheater. Und welche Ziele sollte eine solche Kampagne eigentlich verfolgen? Dem Theater zu schaden? Seinem künstlerischen Direktor? Was bitte hätten wir denn auch davon?
Das Pfalztheater wird mit Millionen öffentlicher Gelder subventioniert (rund 30 Millionen), und das ist gut so. Denn diese Steuergelder sorgen im ganzen Land dafür, dass wir in Deutschland über eine einzigartige Theaterlandschaft verfügen, um die uns andere Staaten beneiden. Dass eine Stadt von der Größe Kaiserslauterns über ein Drei-, zählt man das Kinder- und Jugendtheater hinzu, über ein Vierspartenhaus verfügt, ist ein Glücksfall für die ganze Region und alles andere als selbstverständlich. Umso größer ist dann aber eben auch die Verantwortung des Theaterträgers, also des Bezirksverbands Pfalz, für Transparenz bei wichtigen Personalentscheidungen zu sorgen. Es gibt ein öffentliches Interesse daran. Nur hatte man zuletzt den Eindruck, die Öffentlichkeit sollte desinformiert werden und Entscheidungen würden eher nach Gutsherrenart getroffen. Darüber haben wir berichtet, aber mit einer Kampagne hat dies nichts zu tun.
Das fängt mit der Begründung an, die der Bezirksverband für die Freistellung des künstlerischen Direktors Johannes Beckmann angeführt hat. Wenn es die ominösen „unüberbrückbaren Differenzen“ in Fragen der „künstlerischen Ausrichtung“ des Pfalztheaters denn wirklich gegeben hätte, dann dürfte man sich jetzt bei den Entscheidungsträgern nicht schulterklopfend über einen gelungenen Saisonstart freuen. Es ist ein Spielplan von Johannes Beckmann, den das Pfalztheater umsetzt, nicht von dessen zunächst kommissarischen, dann tatsächlichen Nachfolger Daniel Böhm. Und es setzt sich fort mit Falschinformationen, als es um die Beckmann-Nachfolge ging. Auf unsere Nachfrage hatte der Bezirksverband mitgeteilt, der Kulturausschuss habe eine Empfehlung abgegeben, wie es mit Daniel Böhm am Pfalztheater weitergehen sollte. Eine solche Empfehlung aber hat es nie gegeben, wie der Bezirksverband später zugeben musste.
Man fragt sich als Außenstehender: Was macht eigentlich die Opposition im Bezirkstag der Pfalz? Wird da alles nur durchgewinkt, was man ihr vorsetzt? Selbst die AfD, die ja noch die Trennung von Beckmann gefeiert hat, weil ihr dessen Theater wahrscheinlich zu queer und woke war, schweigt. Böhm ist im Amt, Weichel fordert das Ende der „Kampagne“ und Ruhe für das Pfalztheater; das Dreier-Direktorium besteht nur noch aus zwei Personen, nämlich aus dem bereits erwähnten Daniel Böhm und der Kaufmännischen Direktorin Simone Grub. Die Dritte im Bunde, Betriebsdirektorin Marlies Kink, hat das Pfalztheater zum Ende der vergangenen Spielzeit verlassen. Die Position wird in der laufenden Saison nicht besetzt werden. Und dann wäre da ja noch die Position des Generalmusikdirektors. Daniele Squeo hat in Kaiserslautern ganz hervorragende Arbeit geleistet, doch auch er wird das Haus zum Ende der Spielzeit 2026/27 verlassen. Ruhe sieht jedenfalls anders aus, und so kommen ziemlich wichtige Personalentscheidungen auf den Bezirksverband zu. Der hat denn auch seine Referatsleiterin Tanja Hermann zur Unterstützung an das Haus entsandt. Den Rest erledigt dann bestimmt der ausgewiesene Theaterspezialist Klaus Weichel.
Während sich im Bezirkstag kein Widerspruch über die Vorgehensweise der Entscheidungsträger im Bezirksverband äußert, erfahren diese wenigstens in der Stadt Kaiserslautern etwas Gegenwind. Es steht ja unter anderem eine Option auf Verlängerung von Daniel Böhm über die Spielzeit 2027/2028 hinaus im Raum, geklärt werden muss laut Aussage von Bezirkstagsvorsitzendem Hans-Ulrich Ihlenfeld auch die Vertragssituation von Böhm, der ja als Opernsänger am Haus längst den Status der Unkündbarkeit erreicht hat. Völlig zurecht fordern die Grünen im Kaiserslauterer Stadtrat nun mehr Transparenz und, was noch viel wichtiger ist, die Ausschreibung dieser für das Pfalztheater so wichtigen Position.
Die Grünen fordern eine Ausschreibung der Stelle
In einer Pressemitteilung heißt es: „Uns ist wichtig, dass solche Personalentscheidungen nachvollziehbar und in geordneten Verfahren getroffen werden“, wird Morphy Burkhart, der für die Grünen im Kulturausschuss der Stadt Kaiserslautern sitzt, zitiert. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Demnach sollte die kommende Besetzung der Direktion wieder öffentlich ausgeschrieben werden und im Auswahlprozess neben den demokratischen Gremien des Bezirksverbands und der Stadt insbesondere eine unabhängige Findungskommission aus Expert*innen zentral beteiligt werden. Dieses Vorgehen entspricht der Empfehlung des deutschen Städtetags für die Intendanzfindung.“
Der hier beschriebene Weg ist absolut Usus an deutschen Theatern. Er war es auch jahrelang am Pfalztheater. Zuletzt allerdings nicht mehr. Dies zu kritisieren und zu hinterfragen, hat jedoch nichts mit einer Kampagne zu tun.