Festival des deutschen Films
Nina Hoss stellt ihren Film „Zikaden“ in Ludwigshafen vor
„Das Herz ist ein dunkler Wald“ wurde anlässlich der Auszeichnung seinerzeit gezeigt, der neue Film heißt „Zikaden“. Er schickt seine mittlerweile 50-jährige Hauptdarstellerin unter anderem auf die Suche nach neuen Pflegekräften für ihre alten Eltern, die nicht mehr alleine zurechtkommen. Isabell (Nina Hoss) trifft dabei auf die junge, alleinerziehende Mutter und Nachbarin Anja (Saskia Rosendahl), die mit eigenen Problemen zu kämpfen hat.
Alle Figuren haben miteinander zu tun
„Ich habe das Gefühl“, sagte Hoss, „alle Figuren, die man spielt, haben irgendwie miteinander zu tun“. Also auch die Marie, ihre Rolle, in „Das Herz ist ein dunkler Wald“ mit der Isabell in „Zikaden“. „Eine speist sich aus der anderen.“ Die Romanverfilmung „Und keiner weint mir nach“, eine Bernd-Eichinger-Produktion, war 1996 Hoss’ Debüt, und noch im selben Jahr bedeutete „Das Mädchen Rosemarie“, eine der wenigen Regiearbeiten Bernd Eichingers, ihren Durchbruch. Es folgten eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Autorenfilmer Christian Petzold, die Meisterliches wie „Yella“ hervorbrachte, kommerzielle Kinoerfolge wie das Afrika-Epos „Die weiße Massai“ und internationale Produktionen wie „A Most Wanted Man“, „Tár“ oder die Serien „Homeland“ und „Shadowplay“.
„Man braucht einen Schutzraum“, fasste Hoss im weiten Nadelstreifenanzug eine Anforderung für gelingendes Filmschauspiel in Worte, „und es gibt eigentlich nur so einen Moment, auf den man hinarbeitet, und den muss man dann auch einfangen“. Zuweilen verpassten Regisseure oder Kameraleute ihn leider, „dann hat man plötzlich die Energie verloren“.
Zusammenarbeit mit Ina Weisse
Ganz anders jedoch gestalte sich die Arbeit mit Ina Weisse, der Autorin und Regisseurin von „Zikaden“. Selbst eine gelernte und erfahrene Schauspielerin, in den 1990er Jahren am Nationaltheater Mannheim engagiert, verfüge sie über ein hohes Maß an Sensibilität dafür, was den Darstellern am Set dienlich und ihrem Schauspiel förderlich sei. „Sie guckt immer darauf.“
Mit der sieben Jahre älteren Filmemacherin, die wie der Heidelberger Produzent Felix von Boehm ebenfalls in Ludwigshafen zu Gast war, hat Hoss so – nach „Das Vorspiel“ (2106) – auch bereits zum zweiten und wohl nicht zum letzten Mal gedreht. „Man kann anders ansetzen, wenn man sich kennt“, berichtete sie auf der Parkinsel. „Die Auseinandersetzung wird auf eine tolle Art und Weise intimer, leichter und intensiver. Das macht so Spaß, weil wir beide so leidenschaftlich gerne Filme sehen und machen.“
Schon früh in den Entstehungsprozess eingebunden
Hoss’ Besetzung in „Zikaden“ stand offensichtlich schon frühzeitig fest, denn die Schauspielerin beschrieb, wie sie das allmähliche Heranwachsen des Drehbuchs und die fortlaufende Entwicklung des Filmprojekts aus der Nähe beobachten konnte. „Dass ich wie ein Mäuschen so horchen konnte, wie das entsteht, und ich immer ahnte, woran Ina gerade arbeitet und worüber sie nachdenkt. Dann haben wir uns mal getroffen, zwei Tage gedreht und was ausprobiert. Es war eine andere Art und Weise, diesen Film zu erarbeiten.“ Eine gemeinsame, die nicht zuletzt dazu führte, dass Weisse mit ihrer Kamerafrau Judith Kaufmann sehr viele unscheinbare und leise Zwischentöne einfangen konnte, die „Zikaden“ so besonders machen. Darüber hinaus wird diese geglückte Zusammenarbeit aller Voraussicht nach zu einem weiteren, bereits gestarteten Langzeitprojekt führen, das, der Zusammenfassung nach vergleichbar mit Richard Linklaters „Boyhood“, über ganze 15 Jahre vom Heranwachsen eines Kindes erzählen wird.
„Wir drehen jedes drei, vier Tage. Die ersten fünf Jahre haben wir schon geschafft“, berichtete auf der Parkinsel Ina Weisse, die zumindest plant, Nina Hoss und auch Saskia Rosendahl in diesem Projekt zu besetzen. „Im nächsten Januar drehen wir die nächsten Szenen.“
Termine
„Zikaden“, 3. und 6. September, jeweils 15 Uhr