Worms
Nibelungen-Festspiele 2026: Erste Einblicke ins neue Stück
Verkörpert wird Kriemhild von der vielfach ausgezeichneten Schauspielerin Maria Dragus, die damit ihr Debüt bei den Festspielen gibt. An ihrer Seite steht Aram Tafreshian als Hunnenkönig Etzel. Komplettiert wird das prominente Ensemble unter anderem von Jeanette Hain als Kriemhilds Mutter Ute sowie Heiko Raulin als Hagen – eine Rolle, mit der er 2022 schon einmal bei den Nibelungen-Festspielen gastierte. Siegfried wird verkörpert von Vinzenz Wagner, der unter anderem durch die ARD-Serie „Charite“ Bekanntheit erlangte. In den Reihen der Hunnen treten die englische Theater- und Filmschauspielerin Anna Martine Freeman als Kämpfer Irnfried sowie der kolumbianische Schauspieler Miguel Torres Umba als Hawart auf.
Eigene Songs für die Produktion
Eine tragende Rolle an der Inszenierung wird auch die international erfolgreiche Sängerin Alice Merton übernehmen, die mit ihrem Hit „No Roots“ 2016 weltweit bekannt wurde. Gemeinsam mit dem Komponisten Alexander Wolfe übernimmt sie nicht nur die musikalische Gestaltung, sondern schreibt eigens neue Songs für die Produktion. Diese werden die beiden im Rahmen der Festspiele jeden Abend live auf der Bühne präsentieren. Die Lieder sollen die Handlung nicht nur begleiten, sondern emotional vertiefen und spiegeln. Einen ersten Eindruck davon gab es bereits im Wormser Theater: Zwei Songs stellten Merton und Wolfe dort vor. „Suffocation“ (zu Deutsch: „Erstickung“) schildert laut Merton die Situation, in der Kriemhild bei den Hunnen ankommt und sich für sie alles fremd und überwältigend anfühlt. Der zweite Song „Smoke Signals“ erzählt von der Liebe zwischen Kriemhild und Siegfried, die über den Tod hinaus Bestand hat.
Macht- und Liebesgeschichte
Im Zentrum der diesjährigen Festspiele steht eine vielschichtige Macht- und Liebesgeschichte, die den bekannten Nibelungenstoff neu interpretiert. „Kriemhilds Geschichte wurde bislang erstaunlich selten konsequent auserzählt“, betonte der Künstlerische Leiter Thomas Laue. Gerade deshalb verspreche die diesjährige Inszenierung neue inhaltliche Perspektiven. Für frischen Wind sorgt dabei vor allem die enge Zusammenarbeit mit der Londoner Theatercompagnie „Les Enfants Terribles“. Deren Arbeiten verbinden Schauspiel, Musik, Tanz und Puppenspiel mit Zirkuselementen und Magie und begeistern international ein breites Publikum. In Worms setzen sie zudem auf ein besonderes Inszenierungskonzept, das sich am klassischen Shakespeare-Theater orientiert: Das Publikum soll unmittelbar ins Geschehen einbezogen werden.
Zusätzliche Tribünen
Dafür werden links und rechts von der Hauptbühne zwei zusätzliche Tribünen errichtet, die ein ungewöhnlich nahes Theatererlebnis ermöglichen. Ganz im Sinne einer shakespeareschen Bühnenanordnung verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Darstellern und Zuschauern. Bühnenbildner Sean Turner präsentierte dazu im Wormser Theater erste, KI-generierte Entwürfe, die diese immersive Situation veranschaulichen sollten. Dabei wurde klar, auch die vier Elemente und die Jahreszeiten werden eine Rolle beim Bühnenbild spielen.
Die beiden zusätzlichen Tribünen sollen jeweils über vier Zuschauerreihen verfügen. Besucher können hier das Geschehen auf der Bühne aus nächster Nähe erleben. Diese besondere Nähe hat allerdings auch ihren Preis: Die Sicht kann durch die seitliche Perspektive eingeschränkt sein, da sie sich direkt an der Bühne befinden. Die Tickets für die Bühnenplätze gehen am 4. Mai in den Vorverkauf und sind der Preiskategorie 3 zugeordnet, wie Thomas Laue informierte. Doch Interessierte müssen wohl schnell sein, laut Geschäftsführerin Petra Simon sind bereits über 80 Prozent der regulären Tickets verkauft worden. Die Nibelungen-Festspiele steuern damit – wie im Vorjahr – auf einen vorzeitigen Ausverkauf zu.
Sprachbarrieren als Teil der Handlung
Auch inhaltlich wird die Internationalität der Produktion bewusst aufgegriffen. So werden Sprachbarrieren selbst Teil der Inszenierung: Die Hunnen sprechen zunächst Englisch und nähern sich der deutschen Sprache erst im Verlauf der Handlung an – vermittelt durch Kriemhild. Auch hinter den Kulissen prägt die Mehrsprachigkeit die Arbeit: Da die Regisseure James Seager und Oliver Lansley kein Deutsch sprechen, finden die Proben größtenteils auf Englisch statt, wie Thomas Laue erläuterte. Dennoch wird das Stück am Ende zum größten Teil auf Deutsch zu sehen sein.
Termine
„Die Hunnenkönigin“ wird vom 17. Juli bis 2. August vor dem Wormser Dom gezeigt. Karten unter www.nibelungenfestspiele.de.