Kultur Neuer Film von Regisseur Ceylan: «Auf trockenen Gräsern»

Szene aus  «Auf trockenen Gräsern»
Nuray (Merve Dizdar) ist in »Auf trockenen Gräsern« eine politische Lehrerin, die Opfer eines Anschlags wurde.

Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan gibt in «Auf trockenen Gräsern» Einblicke in das Landleben in Ostanatolien. Vergangenes Jahr lief das Werk im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes.

Berlin (dpa) - Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan hat mit seinen bildgewaltigen Filmen eine große Fangemeinde gewonnen. Schon acht Mal liefen seine Werke im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes. So auch im vergangenen Jahr, wo Ceylan sein Drama «Auf trockenen Gräsern» zeigte. Für seinen Film «Winterschlaf» hatte der 65-Jährige 2014 die Goldene Palme gewonnen.

Ceylan gilt als Chronist der Türkei und untersucht in seinen Filmen oft Gegensätze seines Heimatlands wie Säkularismus versus Glaube oder Tradition versus Fortschritt. Lange Einstellungen mit sorgfältig komponierten Bildern kennzeichnen seine Werke, so auch in seinem jüngsten Werk. 

Film über pessimistischen Lehrer

«Auf trockenen Gräsern» erzählt von einem Lehrer, der mehrere Jahre Pflichtdienst an einer Schule in einer abgelegenen Region in Anatolien leisten muss. Samet (Deniz Celiloğlu) ist unzufrieden, philosophiert über das Leben und wartet darauf, die Trostlosigkeit des Landlebens so schnell wie möglich verlassen zu können. Überraschend werfen ihm eines Tages Schülerinnen unangemessenes Verhalten vor. Sein Menschenbild wird darüber immer pessimistischer.

Nebenher lernt er Nuray (Merve Dizdar) kennen, eine politische Lehrerin, die Opfer eines Anschlags wurde. Zu ihr fühlt sich Samet hingezogen und gerät gleichzeitig mit ihr in Konflikt über seine passive, misanthropische Haltung. Dizdar gewann für ihre Rolle in Cannes 2023 den Preis als beste Schauspielerin. 

Eindrückliches Bild von Ostanatolien

Abwechslung bietet Samet die Fotografie. Auf Samets Bildern sind die Dorfbewohner inmitten der kargen, winterlichen Landschaft Ostanatoliens zu sehen. Kinder mit humpelnden Hunden vor schneebedeckten Bergen, Bauern oder Schäfer mit Gewehren über der Schulter. Im über drei Stunden langen Film lässt Ceylan ein eindrückliches Bild der Region entstehen. Dafür braucht man mitunter einen langen Atem.

Welche Absicht hatte der Regisseur mit dem Film? «Wir wollten den allmählichen Verfall der persönlichen Willenskraft von Beamten und Lehrern zeigen, die in jungen Jahren in den Osten geschickt wurden», sagte Ceylan in einem Statement. «Sie starten ihr Leben dort oft mit idealistischer Vitalität. Wir wollten die Diskrepanzen zwischen Reden und Realität zeigen, wie Ideale im Laufe der Zeit zu Enttäuschungen werden können.»

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