Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Musik der letzten Dinge: Verdis Requiem im Pfalztheater

Daniele Squeo stand am Pult der Pfalzphilharmonie.
Daniele Squeo stand am Pult der Pfalzphilharmonie.

Ein Abend, der aufwühlte: Generalmusikdirektor Daniele Squeo dirigierte am Samstagabend Verdis Requiem im Großen Haus des Pfalztheaters.

Gerade nördlich der Alpen war ein Urteil schnell gefällt über Giuseppe Verdis 1874 uraufgeführte „Messa da Requiem“. In Deutschland, wo man dem großen italienischen Musikdramatiker ohnehin sehr gehässig entgegentrat, wo ihn die Wagner-Anhänger als „Leierkastenmusiker“ schmähten, fand auch seine Totenmesse keine Gnade. Als „Oper im Kirchengewand“ bezeichnete das Werk zum Beispiel der Dirigent Hans von Bülow, wie man auch im Programmheft des Pfalztheaters nachlesen kann. Nun muss man wissen, dass Bülow ein glühender Wagnerianer war, dem es auch gar nichts ausmachte, dass ihm der Meister die Frau – Cosima – ausspannte. Nur, was will er eigentlich damit sagen? Was ist so schlimm daran, wenn Passagen aus Verdis Requiem expressiv, dramatisch, also opernhaft klingen?

Es geht um die letzten Dinge

Eine Totenmesse verhandelt die letzten Dinge. Es geht um Tod und Erlösung, um Höllenfeuer und Vergebung der Sünden. Und um den Tod geht es schließlich auch in mindestens jeder zweiten Oper. Verdi griff auch für sein Requiem auf die ihm eigene hochdramatische Musiksprache zurück, aber er tut dies durchaus im Sinne einer religiös motivierten Textauslegung. Seinem Requiem Opernnähe vorzuwerfen, verrät nur die Angst vor der eigenen Überwältigung, welche diese Musik im Zuhörer auslöst. Auch am Samstag im Pfalztheater.

Daniele Squeo, der Generalmusikdirektor des Hauses, sorgt am Pult einer blendend aufgelegten Pfalzphilharmonie für eine hochexpressive, ebenso energiegeladene wie dann, wenn es der Text verlangt, sich alle Zeit der Welt nehmende Wiedergabe. Das dynamische Spektrum wird in beiden Richtungen ausgereizt, und wenn zum ersten Mal die Paukenschläge des „Dies Irae“ durch das Große Haus donnern, fährt einem der Schreck in die Glieder. Der „Tag der Rache“ ist gleichsam mit Händen zu greifen.

Verstärkung aus Trier

Chor und Extrachor des Pfalztheaters werden verstärkt vom Chor des Theaters Trier (einstudiert von Aymeric Catalano beziehungsweise Martin Folz). Squeo gelingt es, aus den Chorstimmen und dem Orchester eine wuchtige Einheit zu formen, die uns ebenso das Fürchten lehren, wie sie zugleich auch verzweifelt aufschreien und um Gnade bitten kann. Zudem sind Chor und Orchester kongeniale Partner eines absolut überzeugenden Solistenensemble. Da wäre zum Beispiel der stimmgewaltige, mit robuster Stimme ebenso wie mit großer Sensibilität agierende Bass Vittorio De Campo. Und die Mezzosopranistin Judita Nagyová, die ihre Partie dramatisch – aber nie theatralisch – auslegt, zugleich aber in der Lage ist, ihre Stimme ganz zurückzunehmen und den Text eindeutig in den Vordergrund zu stellen. Oder der ukrainische Tenor Vasyl Solodkyy, ein Spinto-Tenor auf dem Weg ins heldische Fach, der über genau die Durchschlagskraft – gepaart mit musikalischem Gestaltungswillen – verfügt, die es für Verdis Requiem braucht. Schließlich die Sopranistin Arminia Friebe, die das abschließende „Libera Me“ („Errette mich“) zusammen mit Chor und Orchester so eindringlich gestaltet, dass es einem direkt ins Herz schießt.

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