Filmfestival Cannes Mit 72 Jahren wird John Travolta zum Autorenfilmer

Hatte Zeit für Selfies mit den Fans im Kinosaal: John Travolta (mit weißer Baskenmütze).
Hatte Zeit für Selfies mit den Fans im Kinosaal: John Travolta (mit weißer Baskenmütze).

„Propeller One-Way Night Coach“ heißt das einstündige Spielfilmdebüt, mit dem sich der Schauspieler John Travolta in Cannes mit 72 Jahren als Regisseur vorstellte.

John Travolta war sogar noch mehr als Regisseur: auch Drehbuchautor, Produzent, Finanzier, der Mann, der die Songs zum Film aussuchte und am Ende eine kleine Rolle hat: als Pilot, der in Ruhestand geht (Travolta hat den Pilotenschein). Er drehte sein Spielfilmdebüt nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman, den er vor 35 Jahren geschrieben hat.

John Travolta bekam überraschend eine Goldene Ehrenpalme, als er sein Spielfilmdebüt vorstellte.
John Travolta bekam überraschend eine Goldene Ehrenpalme, als er sein Spielfilmdebüt vorstellte.

Darin beschreibt er, wie er als Achtjähriger erstmals von seiner Mutter auf einen langen Flug nach Los Angeles mit mehreren Zwischenstationen mitgenommen wird. Der kleine Junge ist ganz fasziniert von Flugzeugen und vom Fliegen. Das war 1962, als nur wenige Leute geflogen sind und es die Fluggesellschaft TWA (Trans World Airlines) noch gab, mit der er geflogen ist. „Propeller“ wird aus der Perspektive des neugierigen Jungen erzählt – und in einem bonbonbunten 60er-Jahre Setting mit wenigen Personen: der Junge, die 49-jährige alleinerziehende Mutter, die nette Stewardess, ein paar Piloten, die der Junge im Cockpit besucht – damals ging das wohl noch –, andere Mitfliegende mit einem sechsjährigen Jungen, mit dem er sich anfreundet. Dazu gibt es Musik aus der Zeit, „Take Five“, „Fly With Me“, die Musik von Francis Lai aus „Ein Mann und eine Frau“ aus „Frühstück bei Tiffany“.

John Travolta überlebensgroß und ganz klein unter der Leinwand.
John Travolta überlebensgroß und ganz klein unter der Leinwand.

Man erkennt schon, dass das 60er-Jahre-Ambiente mit Werbung, Kleidung, Flugzeugen und Flughäfen generiert wurde, aber es stört eigentlich nicht weiter, denn das Ganze ist eine charmante Hommage von Travolta an seine Kindheit und an eine Zeit, in der man keine Sorgen hatte oder sie besser verdrängte. Kurzum: „Propeller“ ist ein unterhaltsames Feel-Good-Movie – aber auch ein Kinderfilm und ein Musikfilm.

Travolta zeigte den Film im November Festivalleiter Thierry Frémaux, der sofort zugriff, „so früh wie noch nie“, wie er bekannte: „Ich wollte nicht, dass Berlin ihn mir wegschnappt“. Nun lief er mit minutenlangem Beifall in der Reihe Cannes Premiere – und Travolta freute sich wie ein kleines Kind. Er kam mit weißer Baskenmütze auf die Bühne und erzählte: „Es ist das Persönlichste, was ich je gemacht habe. Es war ein ergreifender Moment, als ich Thierry im November traf, ich hatte keine Erwartungen – und dann nahm er ihn sofort, und ich weinte wie ein Baby.“

Travolta als kleiner Junge (Carl Shotwell) und als scheidender Pilot (er selbst).
Travolta als kleiner Junge (Carl Shotwell) und als scheidender Pilot (er selbst).

Frémaux war auch gerühmt und überraschte Travolta mit einer Goldenen Ehrenpalme. Wieder minutenlanger Beifall und stehende Ovationen: „Die ist mehr wert als der Oscar“, sagte Travolta, der zwei Oscars hat. Denn die Autorenfilme, wie sie in Cannes laufen, seien seine Welt. „1966 sah ich ,Ein Mann und eine Frau’ im Kino mit meiner Schwester, es ist die schönste Liebesgeschichte, die ich kenne“. Die Musik aus dem Film von Francis Lai hat er auch für seinen Film übernommen. „Die Filmfigur meiner Mutter ist eine Mischung aus meiner Mutter und meiner Schwester, sie haben sich beide sehr beeinflusst, was meine Hoffnungen und Träume angeht“, erklärte er.

Mutter und Sohn im Flieger (Kelly Evistom-Quinett und Clark Shotwell).
Mutter und Sohn im Flieger (Kelly Evistom-Quinett und Clark Shotwell).

Er wollte sein Buch selbst verfilmen, gerade weil es so persönlich ist – auch wenn andere vorher schon angefragt hätten. „Ich erinnere mich gerne an diese Zeit, in der Architektur, Kleidung und Stil, die Lust auf Abenteuer und der Blick auf das, was als Nächstes kommt, wichtig waren. In gewisser Weise fehlt das heute – auch das Hoffnung haben.“ Darum ist wohl auch der letzte Satz des Films: „Das Leben ist wunderbar.“ Den Film hat Apple TV gekauft, da wird er wohl bald zu sehen sein.

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