Kultur „Max Slevogt – Impression und Phantasie“ im Museum Pfalzgalerie

Den Orang Utan im Frankfurter Zoo, porträtiert Max Slevogt 1901, kurz nachdem er München in Richtung Berlin verlassen hat.
Den Orang Utan im Frankfurter Zoo, porträtiert Max Slevogt 1901, kurz nachdem er München in Richtung Berlin verlassen hat.

In Kaiserslautern hatte Max Slevogt seine erste Ausstellung in einem Museum. Dort, in der Pfalzgalerie, wird heute Abend auch die erste Rückschau des Ausstellungsreigens eröffnet, mit dem viele Museen in diesem Jahr den 150. Geburtstag des großen deutschen Impressionisten feiern: ein Überblick über das malerische und grafische Schaffen Slevogts, gestaltet aus dem umfangreichen eigenen Bestand.

20 Slevogt-Gemälde besitzt das Museum in Kaiserslautern, das zur Zeit der ersten Ausstellung mit Werken von Max Slevogt 1925 noch Gewerbemuseum hieß: Als Abteilung der Pfälzischen Landesgewerbeanstalt lag der Sammlungsschwerpunkt vor allem auf Kunstgewerbe und -handwerk. Mit der Schenkung der Gemäldesammlung des aus Landstuhl stammenden Münchner Hofrats Benzino gelangten bereits 1903 Werke damals zeitgenössischer Künstler ins Haus. Und mit dem Aufbau einer Grafischen Sammlung ab 1923 war die Entwicklung weg vom Gewerbe- zum Kunstmuseum in vollem Gange. 500 Blätter von Max Slevogt nennt die von Heinz Höfchen betreute hochkarätige Sammlung heute ihr Eigen, 100 davon hat Höfchen als Kurator der Jubiläums-Schau ausgewählt, die Slevogt auch als absoluten Meister der Druckgrafik zeigen: Höhepunkte der deutschen Buchillustration im 20. Jahrhundert, etwa zu James Fenimore Coopers „Lederstrumpf“ oder zur von Goethe übersetzten Autobiografie des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini. Das Museum Pfalzgalerie ist heute in der Lage, aus eigenem Bestand mit herausragenden Beispielen die künstlerische Entwicklung des am 8. Oktober 1868 im niederbayerischen Landshut geborenen Max Slevogt von seinen akademisch geprägten Anfängen in München bis zur künstlerischen Vollendung in Berlin zu dokumentieren. Nicht zu vergessen die Landschaftsbilder aus der Pfalz, die seit seiner Heirat mit Antonie Finkler 1898 aus Godramstein zu seiner zweiten Heimat wurde. Im Ostflügel des Erdgeschosses fällt der Blick sofort auf eine monumentale „Sheherazade“, gemalt 1897, die man eher nicht mit Slevogt in Verbindung bringt. Eine von Brauntönen bestimmte Szene, die wenig vom späteren Meister des Lichts erahnen lässt. Weniger jedenfalls als bei einer kurz darauf entstandenen „Judith“. Ein Schlüsselbild, denn neben die Frauengestalt, die keinen Käufer fand, hat Slevogt 1907 ein Stück Leinwand angefügt und sich selbst porträtiert – als Maler, dem gewissermaßen das Licht aufgeht. Aus der biblischen Szene wurde ein Atelierbild – und aus dem in München nur mäßig erfolgreichen Slevogt war nach seiner Übersiedlung nach Berlin 1900 bereits ein gefragter Porträtmaler geworden. Auch hier kann das Kaiserslauterer Museum mit einer Reihe herausragender Gemälde aufwarten: die Bildnisse des Stadtrats Max Cassirer (1907), des Architekten Georg Roll (1907), des Bankiers Carl Steinbart (1901), vor allem aber das Porträt des 20 Jahre älteren Freundes Max Liebermann (1901), der neben Slevogt auch Lovis Corinth zur Berliner Secession gelockt hatte. Slevogt zeigt Liebermann nicht als Mitglied der besseren Berliner Gesellschaft, sondern eher still, in sich gekehrt, als Freund – eines der besten Liebermann-Porträts überhaupt. Und da wäre dann noch „Seemann“, der Orang-Utan aus dem Frankfurter Zoo (1901), der sich augenzwinkernd in die Porträt-Galerie eingereiht hat – so wie die „Engel, die den Rebsaft treten“ oder die „Versuchung auf dem Felsen bei Neukastel“ in die Illustrationen zu großen klassischen Themen wie Penthesilea oder Ilias. Schon mit den ersten Grafikserien zeigt sich Slevogt, der seine Motive direkt auf den Stein zeichnet, als Meister der Kreidelithographie, einer Technik, mit der sich beim Druck besondere Lichtwirkungen erzielen lassen. Bevor dieses Slevogt-Licht auch auf den Gemälden zu bewundern ist, empfiehlt sich noch ein Blick auf sieben kleine Grotesken rechts neben der Tür, die hinüber in den Westflügel führt. Als Gegenpol zur düsteren Sheherazade straft dort das berühmte Familienbild im Garten von Godramstein (1911) jene Stimmen Lügen, die den Maler Slevogt geringer schätzen als den Grafiker: Hier ist ein Meister auf der Höhe seiner Kunst angelangt. In diesem Teil der Ausstellung sind noch weitere Landschaftsbilder zu sehen, wie der „Trifels im Schnee“ oder die „Hafeneinfahrt von Syrakus“. 21 Bilder hat Slevogt, inspiriert von einem 40-tägigen Ägypten-Aufenthalt 1914 gemalt, bis auf zwei wurden sie nach Dresden verkauft, eines ist verschollen, eines in Kaiserslautern. Man glaubt, die Gischt auf der Haut und den schweren Seegang zu spüren – so wie man die Musik Mozarts zu hören glaubt beim Blick auf die Bühnenbildentwürfe Slevogts für Mozarts „Don Giovanni“ in Dresden. In die Slevogt-Ausstellung hat sich übrigens auch ein höchst originelles Slevogt-Porträt von Emil Orlik hineingeschlichen: Es zeigt den Freund beim Ausmalen von Musikzimmer und Bibliothek von Hofgut Neukastel – mit Szenen aus Opern von Mozart, Weber, Wagner. Slevogt: Das ist auch Musik für die Augen. Und dann gibt es noch einen Raum, in dem nicht nur Kinder „Lederstrumpf“ lesen oder die Märchenwelt in Farbe tauchen können, sondern Erwachsene auch eine kleine Auffrischung ihres Wissens über Impressionismus geliefert bekommen: Museumspädagogische Lounge heißt das neue Angebot. Man wünscht ihm und der Ausstellung viele Besucher. Die Ausstellung „Max Slevogt. Impression und Phantasie“, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, 17. März bis 13. Mai, dienstags 11-20 Uhr, mittwochs bis sonntags 10-17 Uhr; www.mpk.de

Selbstbildnis mit Hut, eine Bleistiftzeichnung von 1899.
Selbstbildnis mit Hut, eine Bleistiftzeichnung von 1899.
„Benvenuto und sein Modell Scorzone“: eine von 300 Illustrationen zur Autobiographie des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini
»Benvenuto und sein Modell Scorzone«: eine von 300 Illustrationen zur Autobiographie des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini.
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