Kultur Kommentar: Gießkanne und Rasenmäher

So positiv die Erhöhung des Kultur-Etats auch zu bewerten ist, man hätte sich etwas mehr Mut zur Gestaltung gewünscht.

Natürlich ist das ein positives Zeichen, das Minister Konrad Wolf da an die Kulturschaffenden im Land aussendet, wenn im nächsten Doppelhaushalt des Landes die Ausgaben für die Kultur um zehn Prozent erhöht werden. Das Geld wird dringend benötigt, etwa an den Theatern im Land, wo bevorstehende Tariferhöhungen dazu führen können, dass der künstlerische Gestaltungsspielraum noch kleiner werden könnte. Und besonders groß ist er schon lange nicht mehr. Aber etwas mehr Mut zur Gestaltung hätte man sich schon gewünscht, etwa in dem man auch eigene Schwerpunkte gesetzt beziehungsweise neue Projekte angestoßen hätte. Der Kulturminister aber verteilt, statt zu gestalten. Konrad Wolf wendet einfach das Gegenteil des Rasenmäherprinzips an: das Gießkannenprinzip. Er versucht, das zusätzliche Geld möglichst gerecht an alle Beteiligten zu verteilen. Den Kommunen, die so sehr unter dem von der Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion vorgegebenen Spardiktat ächzen, hilft das allerdings nur bedingt. Dies zeigt das Beispiel Ludwigshafen. Hier soll laut Aussage des Ministeriums nur eine „geringfügige Erhöhung“ des Zuschusses für die Festspiele erfolgen. Die Rede ist von 20.000 Euro – obwohl doch insgesamt 600.000 Euro mehr für kommunale Kulturprojekte vorgesehen sind. Die qualitativ hochkarätigen Festspiele im Ludwigshafener Pfalzbau hätten durchaus mehr Unterstützung aus Mainz verdient.
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