Pop RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Schwarzmalerin: Sarah Connor feiert Tourfinale in Mannheim

Sarah Connor trägt in Mannheim geflochtene Strähnchen wie ein Teenie im Côte d’Azur-Urlaub.
Sarah Connor trägt in Mannheim geflochtene Strähnchen wie ein Teenie im Côte d’Azur-Urlaub.

Sie singt über Liebe, Brüche, Krisen und Narben. Und beim Abschlusskonzert ihrer „Freigeistin“-Tour in der SAP-Arena bot Sarah Connor jede Menge Überraschungen.

Sarah Connor ist seit über 25 Jahren Deutschlands Soul-Pop-Stimme. Beim Mannheimer Abschlusskonzert ihrer „Freigeistin“-Tour amüsiert sich die Powerlady über Streiche der Band, schockt ihre 7500 Fans mit einem Aprilscherz und betrauert den gestrandeten Wal an der Ostsee. Überhuapt zeigt sie sich sehr meeresaffin.

Die gigantische Bühne als dunkelblauer Ozean. Walgesänge, Tiefseetöne, U-Boot-Piepsen und eine Sarah Connor, die zunächst auf der meerestrunkenen LED-Leinwand mit einem Orka Richtung Freiheit schwimmt, um dann – eingepackt im Kapuzenparka – auf dem ins Publikum ragenden Laufsteg der Arena aufzutauchen und „Ich liebe Dich“ zu singen. Ein Mix aus Soul und Rap, doch für ihre angedeuteten, roboterhaften Tanzbewegungen wirkt ihr Lächeln einfach zu menschlich. Dafür steht die 45-jährige Künstlerin: für Ehrlichkeit und ansteckende Lebensfreude.

Die beste Freundin zum Pferdestehlen

Die Queen of German Pop ist keine Madonna aus Delmenhorst, sondern immer noch beste Freundin zum Pferdestehlen oder besser gesagt: zum Orkas retten. Ob am Merchandise oder beim Becherpfand: Ihre neue Leidenschaft für Walrettung ist auch beim Mannheimer Konzert allgegenwärtig.

Die „Märchen-Schwester“ trägt geflochtene Strähnchen wie ein Teenie im Côte d’Azur-Urlaub. Tatsächlich lebt sie inzwischen in Südfrankreich. „My French Girlfriend“ wird zum sexy Entkleidungstanz, doch Connor muss kichern, als ihre Kolleginnen mit Baguette unterm Arm angewackelt kommen. Ein „Prank“, ein Streich der Crew und nicht abgesprochener Teil der Show. Immer wieder wird die Frontfrau zum Tourneefinale „reingelegt“. Mal erscheint Saxofonist Jakob Manz mit der Blockflöte hinter ihrem Rücken, ein Tänzer überrascht sie während der langen Show mit 30 Songs in 150 Minuten in Boxershorts. Doch Connor rächt sich, sie habe Wodka ins Wasser der Musiker gemischt, sagt sie.

Die Queen of German Pop ist keine Madonna aus Delmenhorst, sondern immer noch beste Freundin zum Pferdestehlen oder besser gesag
Die Queen of German Pop ist keine Madonna aus Delmenhorst, sondern immer noch beste Freundin zum Pferdestehlen oder besser gesagt: zum Orkas retten.

Sarah Connor versucht, Nähe zu erzeugen, trotz des Überformats: 18 Trucks wurden für die aufwendige Produktion mit über 530 Quadratmetern LED-Fläche benötigt. Sie schaut den Fans in vorderster Front tief in die Augen und möchte auch das Publikum bis in die hintersten Sitzreihen mitnehmen. Und das gelingt ihr auch. Etwa beim Erraten der „Welcher Song bin ich?“-Verkleidung einer Zuschauerin, die sich als „Soldier With A Broken Heart“ getarnt hat. Ein Lied, das nicht auf Connors Setlist steht, das sie dann aber spontan und a capella gerade so zusammengereimt bekommt.

Es sind gerade diese intimeren, ruhigen Momente, die Verbindung schaffen. Wenn die vierfache Mama über das Muttersein spricht, über das Loslassen, über die plötzliche Stille im Haus, über die Tränen, die sie auf die Kissen leerer Kinderzimmer vergießt: „Warum hat mir keiner gesagt?“ wird zur gefühlvollen Akustik-Barhocker-Ballade, „Ich wünsch Dir“ zum zarten Protestsong gegen düstere Zukunftsprognosen.

„Es gibt eine bunte, fantastische Welt da draußen, die es zu entdecken gilt“, wirbt Sarah Connor für mehr Lebensfreude.
»Es gibt eine bunte, fantastische Welt da draußen, die es zu entdecken gilt«, wirbt Sarah Connor für mehr Lebensfreude.

„Auch wenn die Welt Kopf steht und jetzt auch noch ein Wal gestrandet ist. Es gibt eine bunte, fantastische Welt da draußen, die es zu entdecken gilt“, will sie vor allem den Kindern Mut zusprechen, die ständige Schwarzmalerei mit Farben durchbrechen. Sarah Connor, die ihr Pseudonym nicht von der gleichnamigen Terminator-Heldin abgeguckt haben will, setzt sich schon lange zur Wehr. Zeilen wie „Kommt dir jemand dumm, dann hau ich ihn um!“, kauft man der Silberrücken-Mama ab. Mit „FICKA“ zeigt sie Haltung gegen männliche Beleidigungen von Rechts, positioniert sich, spricht den überwiegend weiblichen Fans aus der Seele.

Mit einem Medley ihrer englischsprachigen Hits taucht Connor im grün-gelben College-Look und weiten Baggys auch in die 00er Jahre ab, als sie mit Marc Terenzi ein Pop-Paar bildete, mit Songs wie „From Zero To Hero“ oder „Let’s Get Back to Bed – Boy“ stark auf der J.Lo-, Britney- und Backstreet-Boys-Welle ritt. Die Kehrtwende erfolgte erst 2014, mit der Teilnahme bei „Sing meinen Song“. Plötzlich sang Connor auf Deutsch, dem großen Fauxpas zehn Jahre zuvor zum Trotz, als sie zur Eröffnung der Allianz-Arena in München bei der Nationalhymne die Zeile „Blüh im Glanze“ mit „Brüh im Lichte“ verwechselte.

Ein Seitenhieb auf den Boulevard zum 1. April

„Ihr wisst, dass ich bei deutschen Liedern nicht so textsicher bin“, nimmt sie es über 20 Jahre später mit Humor. Und verwirrt kurz ihre Fans. Erst spricht sie offen über Krisenjahre mit ihrem Ehemann und Manager Florian Fischer, singt bei „Warum sind wir so?“, „Zusammen ist man weniger kaputt“ und „Tief wie das Meer“ über Entfremdung, Zerrissenheit und Verliebtsein 2.0 – und weiht das Publikum in vertrauter Runde ein: „Mein Schwangerschaftstest heute Morgen war positiv, es werden Zwillinge, könnt ihr ruhig rumerzählen“, scherzt sie zum 1. April.

Neben der heiß ersehnten Zugabe „Wie schön Du bist“ warten die Fans vor allem auf „Vincent“, ihren Song über queere Vielfalt, den sie auf dem Boden liegend beginnt, um ihn dann zur Gospel-Hymne aufsteigen zu lassen. Man spürt: Sarah Connor ist mit einem Vierteljahrhundert Pop-Erfahrung gereift. Nun gönnt sie sich nur einen Monat Pause, ehe sie schon zur „Wilde Nächte Open Air Tour“ trotz Scheinschwangerschaft aufbricht.

Nach hrem Auftritt bei „Sing meinen Song“ hat sich Sarah Connor von englischsprachigen Titeln veranbscheidet.
Nach hrem Auftritt bei »Sing meinen Song« hat sich Sarah Connor von englischsprachigen Titeln veranbscheidet.
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