Festival des deutschen Films
Interview mit Uwe Ochsenknecht
Wo sind Sie im Moment?
Ich bin auf Mallorca. In Deutschland war es mir gerade zu feucht.
Ist Mallorca jetzt Ihre Heimat?
Nein, das kann man so nicht sagen, aber ich verbringe hier so viel Zeit wie möglich. Ich arbeite ja immer viel in Deutschland und bin oft und gerne in Hotels. Insofern ist meine Heimat immer da, wo ich gerade bin.
Waren Sie schon einmal auf dem Ludwigshafener Filmfestival?
Nein, das hat terminlich nie hingehauen. Deswegen bin ich sehr froh, dass es jetzt klappt.
Kommen Sie noch regelmäßig in Ihre alte Heimat, nach Mannheim?
Selten. Aber wenn ich mal in der Nähe bin, besuche ich meine Schwester, die noch dort wohnt, und ich habe auch noch ein paar Freunde in der Gegend.
Anlässlich der Verleihung des Preises für Schauspielkunst ist Ihr neuer Film „Die Ironie des Lebens“ zu sehen. Denken Sie, Sie hätten auch Karriere als Comedian machen können, wie der Edgar, den Sie da spielen
Das weiß ich nicht. Man darf diesen Beruf nicht unterschätzen. Man steht allein auf einer Bühne und muss die Leute unterhalten. Das ist nicht einfach, noch dazu, wenn es nicht mit irgendwelchen blöden und platten Witzen ist. Die muss man erst einmal schreiben, dann muss man sich da hinstellen und es schaffen, dass die Leute einem zuhören. Dazu gehört Ausstrahlung, Überzeugungskraft und Improvisationstalent, um auf die Reaktionen des Publikums eingehen zu können.
Haben Sie Gemeinsamkeiten entdeckt?
Ich glaube, als Schauspieler bringt man immer ein bisschen was in seine Figuren mit ein. Mal mehr und mal weniger. Wie viel das dann ist, kann ich aber selbst schlecht beurteilen. Und natürlich kenne ich das Gefühl, wenn man alleine da oben auf der Bühne steht und schaut in 800 Augenpaare, die von dir unterhalten werden wollen im weitesten Sinne. Das ist nicht jedermanns Sache, da oben zu stehen, das muss man wollen und auch eine gewisse Portion Rampensau in sich drin haben. Nur dieses Egomanische, das der Edgar hat, das trifft auf mich nicht zu. Er lebt schon länger alleine mit seiner Haushälterin in seiner Bubble und hat eigentlich gar keinen richtigen Kontakt mehr zu anderen Menschen und zur Außenwelt. Erst durch die Konfrontation mit seiner Frau, die wieder auftaucht und ihm mitteilt, dass sie schwer krebskrank ist und nicht mehr lange leben wird, entsteht wieder so eine neue Liebe zwischen den beiden. Wie die ausgeht, muss man dann sehen. Ich will nicht zu viel verraten, aber eines kann ich sagen, es geht nicht so aus, wie man denkt.
Werden in Ihrem Alter die Rollen häufiger, in denen Sie mit dem Tod konfrontiert werden?
Was soll das heißen, in meinem Alter!? Irgendwann fängt es an, dass man die Väterrollen angeboten bekommt und später die Oparollen. Das bringt es fast automatisch mit sich, dass man natürlich jetzt öfters mal als mit 20, Rollen angeboten bekommt, in denen das Sterben und der Tod eine Rolle spielen. Da merkt man, dass man ein bisschen älter wird.
Edgar sagt, er möchte am liebsten an Alkoholismus sterben. Ich nehme an, das trifft auf Sie nicht zu?
Nein, im Gegenteil. Ich möchte eigentlich überhaupt nicht sterben.
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe mir ein paar Comedians angeguckt. Da gibt es in Deutschland ein paar wenige, die mir gefallen, aber ich habe auch in England und natürlich in Amerika recherchiert. Und ich hatte einen Coach, den Hannes Ringlstetter, der mich sehr fachlich und liebevoll begleitet hat. Der war am Ende ganz zufrieden mit meiner Performance.
Sie waren selbst auch zufrieden, hoffe ich.
Ach, man findet immer was, das man hätte besser oder anders machen können. Aber das werde ich natürlich jetzt nicht verraten. Unterm Strich muss ich sagen, bin ich zufrieden, auch mit dem ganzen Film und allen anderen Darstellern: Emilia Schüle, Robert Gwisdek und besonders meiner wundervollen Partnerin Corinna Harfouch. Das ist schon einer meiner besonderen Filme, weil er so emotional ist und so ans Eingemachte geht. Da geht es oft um ganz private und intime Szenen, wo man ganz kleine Dinge spielt. Das geht nicht mit jedem Schauspielkollegen. Da muss schon die Chemie stimmen, und das war bei uns der Fall.
Wie haben Sie früher Ludwigshafen wahrgenommen, als Sie noch in Mannheim gelebt haben?
Das war ja schon immer die Feindesstadt der Mannheimer. Wobei ich das nie so gesehen habe. Ich hatte mit der Stadt selbst wenig zu tun. Ich bin ab und zu mal in die Gegend gefahren, wenn man in die Pfalz fährt oder wenn wir im Sommer zum Baden an den Waldsee nach Altrip gefahren sind. Und die Abgase der BASF hat man manchmal in Mannheim auch wahrgenommen.
Haben Sie in der Region um Mannheim eigentlich mal gedreht?
Eher so in der Frankfurter Ecke, aber in Mannheim noch nie. Aber das kann ja vielleicht noch kommen. Ich habe immer mal den Vorschlag gemacht, man könnte doch auch mal einen Mannheimer „Tatort“ machen. Dafür würde ich mich gerne zur Verfügung stellen, weil ich auch den Dialekt noch sehr gut kann. Ich glaube aber, solange es den Ludwigshafener „Tatort“ gibt, haben wir da keine Chance.
Sie waren auf dem Ludwig-Frank-Gymnasium, auf dem später auch Nina Kunzendorf war, die ebenfalls eine bekannte Schauspielerin geworden ist. Hat die Schule Sie gefördert oder da etwas besonders richtig gemacht?
Nein, Schulen generell machen selten was richtig und schon gar nicht irgendein Talent fördern. Die Nina ist eine gute Freundin von mir. Sie ist in Mannheim-Vogelstang aufgewachsen und ich einen Steinwurf weg, und wir haben uns damals nie gesehen. Also, wir lieben uns und versuchen schon seit Jahrzehnten etwas zusammen zu spielen. Das hat bis jetzt nicht geklappt, aber da sind und bleiben wir dran.
Wenn es die Schule nicht war, was war es dann, das Sie zum Theater gebracht hat?
Ich habe in Mannheim im Gymnasium, und das war nicht das Ludwig-Frank-, das war das Moll-Gymnasium, wie es ja vorher hieß, im Kinderchor gesungen. Und von diesem Gymnasium wurden immer Kinder für den Kinderchor am Nationaltheater ausgesucht. Da war ich dabei. So war ich dann schon einmal am Theater, dann habe ich dort Komparserie gemacht und in Kinderstücken und später auch in Abendstücken, englischen Königsdramen, mitgespielt. Da habe ich Spaß daran gefunden und der hat bis heute angehalten. So einfach. Ich habe immer nur das gemacht, was mir Spaß macht, und die Schauspielerei hat mir extrem Spaß gemacht. Wie lange das anhalten würde, konnte man junger Mensch natürlich nicht voraussehen. Bei mir hat der Spaß bis heute angehalten. Das ist ein Geschenk!
Waren Sie in Ludwigshafen schon einmal auf der Parkinsel?
Nein, was ist dort?
Dort, am Rheinufer, findet das Filmfestival statt. Welche Orte in Mannheim und der Region sind für Sie heute besonders bedeutend?
Wir haben als junge Leute damals am Wasserturm die ersten Joints geraucht, als das noch alles verboten war, aber noch der Hippie-Spirit in Mannheim umging. Natürlich war und ist die Musik immer wichtig in Mannheim. Daher kommen ja viele erfolgreiche Musiker. Nicht zu vergessen, die weit über Mannheims hinaus bekannte und sehr renommierte Popakademie. Die Stadt Heidelberg mit ihrer wunderschönen Altstadt, den Studentenkneipen und Jazzclubs. Frankfurt war nicht so weit weg, wenn man mal wirklich dort nachts in die Clubszene eintauchen wollte. Die schöne Pfalz, genannt die Toskana von Deutschland, und man ist auch schnell im Schwarzwald. Mannheim ist schon ein ganz schöner, zentraler Fleck.
Aber Sie sind früh weggezogen.
Ja, ich wollte über den Tellerrand schauen, und ich wollte unbedingt auf eine staatliche Schauspielschule. In Bochum war damals eine der besten. Da bin ich mit 17 hin und dann bin ich in die Welt hinaus.
Am 29. August kommen Sie einmal wieder zurück.
Das ist wirklich das Besondere und Schöne für mich, dass sich, sagen wir mal, in meinem letzten Lebensdrittel der Kreis schließt. Ich habe einen Steinwurf weiter mit der Schauspielerei angefangen, und jetzt bekomme ich um die Ecke so einen schönen, tollen Preis. Da Mannheim keine Preise der Art vergibt, hole ich mir den halt in Ludwigshafen. Einen herzlichen Dank dafür.
Zur Person
Uwe Ochsenknecht wurde 1956 in Biblis geboren und ist in Mannheim aufgewachsen. Ab 1974 besuchte er die Westfälische Schauspielschule Bochum und hatte danach Engagements unter anderem an den Schauspielhäusern Wuppertal und Hamburg. Zu seinen bekanntesten Filmen und TV-Serien zählen „Das Boot“, „Männer“, „Schtonk!“, „Der Bulle und das Landei“ . Als Musiker hat Ochsenknecht mehrere Alben veröffentlicht.


