Kunst In Venedig vertritt sie Deutschland: Künstlerin Henrike Naumann mit 41 gestorben

Schlüsselerlebnis Enttarnung der NSU: Naumann.
Schlüsselerlebnis Enttarnung der NSU: Naumann.

Die Künstlerin Henrike Naumann ist tot. Erst vor wenigen Monaten war sie ausgewählt worden, den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale 2026 in Venedig mitzugestalten.

Das für den Deutschen Pavillon zuständige Institut für Auslandsbeziehungen sprach von einer „schmerzhaften Lücke“: „Mit Henrike Naumann verlieren wir nicht nur eine bedeutende Vertreterin der deutschen Gegenwartskunst, sondern auch eine warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit.“ Aber ihr Vermächtnis lebe weiter, heißt es in der Mitteilung – in ihren Werken, in den zahlreichen internationalen Kooperationen, die sie initiiert habe, und in den vielen Menschen, die von ihrem Denken und ihrer Kreativität inspiriert wurden.

Naumann wurde 1984 im sächsischen Zwickau geboren und lebte und arbeitete in Berlin. Sie starb „nach einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung“, teilte ihre Familie mit. Auch nach dem Tod der Künstlerin soll der Deutsche Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig maßgeblich nach ihren Ideen gestaltet werden. „Den Pavillon zu bespielen, war seit langer Zeit ihr großer Traum - wir werden dies für sie umsetzen“, sagte die Kuratorin Kathleen Reinhardt im Namen des Teams Deutscher Pavillon. Die Künstlerin hat das Werk den Angaben zufolge in den vergangenen Monaten konzeptuell entworfen und in den vergangenen Wochen fertiggestellt. Bis zuletzt habe sie Objekte arrangiert, um ihr Herzensprojekt, den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig, umzusetzen, schreibt Naumanns Lebenspartner Clemens Villinger auf ihrer Webseite. „Sie sprühte vor Ideen und hatte noch so viele Pläne, wollte noch so viele Menschen kennenlernen und ihre Tochter aufwachsen sehen.“

Mit Möbeln über Politik sprechen

Bereits im vergangenen Mai war Naumann gemeinsam mit der vietnamesisch-deutschen Künstlerin Sung Tieu ausgewählt worden, den deutschen Beitrag bei der internationalen Kunstausstellung zu übernehmen. Die Arbeiten von Naumann und Sung Tieu sollen wie geplant zur Eröffnung der Kunstbiennale im Mai präsentiert werden. Was genau dort zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt.

Die Ausstellung ist vom 9. Mai bis zum 22. November geplant und gilt neben der Documenta in Kassel als wichtigste Präsentation zeitgenössischer Kunst. Es sei Naumann wichtig gewesen, die Arbeit konzeptionell zu vollenden und fertigzustellen, damit sie gemäß ihrer künstlerischen Vision umgesetzt werden könne, hieß es.

Die Kunst der „Möbilisierung“

„Möbilisierung“ – mit dieser Wortneuschöpfung hat Henrike Naumann selbst einmal ihre Arbeit beschrieben. In ihrer künstlerischen Arbeit hatte Naumann Möbel und Design benutzt, um über Gesellschaft und Politik zu sprechen. Dafür war sie vielfach ausgezeichnet und mit Ausstellungen auf der ganzen Welt geehrt worden. In der Region war zum Beispiel ihre eigens geschaffene Installation für die Schau „Mindbombs“ ausgestellt, die 2021 in der Mannheimer Kunsthalle eröffnet worden ist.

Zu sehen war dabei eines ihrer bekannten Nachwenderesopalmöbel-Stillleben über das Böse und des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Eine verbotene Reichskriegsflagge von 1914 stach hervor, ein Fernseher flimmerte vor sich hin. Die Ereignisse um die Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) nach der Brandstiftung und Festnahme von Beate Zschäpe im November 2011 nannte Henrike Naumann einmal als das Schlüsselerlebnis für ihren künstlerischen Werdegang.

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