Sprache RHEINPFALZ Plus Artikel Impfling auf ewig: Über die Negativ-Symbolik eines Begriffs

Schmerzhafter Anblick – oder ein schmerzlicher? Das Symbolbild des Moments.
Schmerzhafter Anblick – oder ein schmerzlicher? Das Symbolbild des Moments.

Impfling, das klingt fies nach Passivität, reimt sich auf Lemming, beschreibt einen immerwährenden Zustand. Anatomie einer unguten Endung.

An was wir jetzt kaum noch vorbeikommen, ist der anpackerisch hochgekrempelte Ärmel. Das Foto mit der Nadel, die den proximalen Abschnitt des Brachiums penetriert. Sagen wir so, den Oberarm. Es ist das Sinnbild der spitzen Gegenwehr gegen das stachelige Virus. Leicht schmerzhaft beim Anblick. Schmerzlich vielleicht. Keineswegs unerträglich, wie der gelbe Davidstern mit Aufschrift „Ungeimpft“, den sich opferselige Verquerdenker jetzt anheften – zur Demonstration ihrer undurchdringlichen Intelligenz-Immunität. Zur weniger platten, aber bemerkenswerten symbolischen Ebene gehört derweil, wie genannt wird, wer sich impfen lässt. Oder sich impfen hat lassen.

Geht es nur mir so, dass der dabei offiziell verwendete Begriff „Impfling“ eher ungute Assoziationen auslöst? Wie Fiesling, Wüstling, Feigling, Naivling, Primitivling. Zu schweigen von seiner Reimtauglichkeit zu Lemming. Eine Gattung, die unter dem verschwörungstheoretischen Verdacht steht, sich massenhaft der Selbsttötung zu ergeben. Zu schweigen auch von, ja ja, dem kosenden Wort Liebling, dem großen Gegenargument – vielleicht. Wobei, es klingt auch nur dann nicht falsch, wenn die Bezeichnung statt mit emotionaler Fadheit mit Rest-SchmetterLINGsflug bäuchlings beim Bezeichnenden einhergeht.

Der Duden schreibt es im Übrigen auch, dass die Endung „ling“, die „oft“ Personen kennzeichnet, „die durch eine Eigenschaft charakterisiert sind“, häufig einen „stark abwertenden Charakter“ hat. Eben! „Flüchtling“ hört sich ja auch nur im Vergleich zu „Asylant“ okay an. Und im Hinblick darauf, dass Flüchtling auf eine – leider – biblisch lange Geschichte verweist.

Impfling indes klingt gerade in der historischen Situation jetzt nach selbstbestimmungsloser Kleinheit, nach Passivität, ausgeliefert sein. Nicht-Impfling dagegen nach heldenhaftem Verweigerungsgestus. Impfling suggeriert ewige Dauer des Status – zumindest im Vergleich zur Potentialität, als Impfwillige/r in Zukunft eine Geimpfte oder ein Geimpfter zu sein, Vergangenheitsform, abgeleitet vom Partizip Perfekt. Und wenn wir schon bei Feinheiten sind: Für DEN Impfling gibt es natürlich auch keine weibliche Form. Wollte es ja nur mal gesagt haben, so als Schreiberling.

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