Kunst im öffentlichen Raum RHEINPFALZ Plus Artikel Herausragend: Die Aktion „Ein Bernhard für die Pfalz“

Stationen: Bernhards „Aufragende“ – noch in Tiefenthal.
Stationen: Bernhards »Aufragende« – noch in Tiefenthal.

Ziel erreicht: Eine Bürgerinitiative um den Politiker Manfred Geis und den Tiefenthaler Galeristen Wolfgang Thomeczek schenkt der Pfalz und dem Museum Pfalzgalerie die Skulptur „Aufragende“ des bedeutenden Jockgrimer Bildhauers Franz Bernhard. Wie das kam und wie das ging. Anatomie eines Glückfalls.

So was nennt man Punktlandung. Nicht nur die der vier mal sechs mal zwei Meter und 30 Zentimeter großen „Aufragenden“ an einem Promiplatz vor dem Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern. Auch die 55.000 Euro, die für die Skulptur des 2013 gestorbenen Jockgrimer Documenta-Teilnehmers Franz Bernhard gesammelt werden mussten, sind fast Euro- und Cent-genau zusammengekommen, na ja, sogar 436,84 Euro mehr. Über 40.000 Euro privates Geld, Spenden, dazu muss man dann noch die 15.000 Euro quasi institutionelle Förderung durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur zählen.

Am 28. November jedenfalls, einem Sonntag, wird die „Aufragende“ mit Trara und Trommelwirbeln des Klangkünstlers Michael Gärtner enthüllt und dem Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder als Hausherrn und der Museumsdirektorin Britta Buhlmann übergeben. Es ist das Ergebnis einer großen Wir-Aktion der Pfälzerinnen und Pfälzer. Die Ernte bürgerschaftlichen Engagements. Buhlmann, deren letzte Ausstellung „Finale – Director’s Cut“ zwei Tage vor der Skulptur-Übergabe eröffnet wird, war von Anfang an begeistert von dem kollektiven Fingerzeig zum Ende ihrer Amtszeit. Bezirkstagschef Wieder spricht von einer „außergewöhnlichen“, „bemerkenswerten“, „mutigen“ Aktion, einem „sehr guten Zeichen“ für das Museum auch. „Hat schon sehr gut geklappt“, sagt Manfred Geis dagegen fast lapidar.

Der Bad Dürkheimer SPD-Politiker, der Vorsitzende des Kulturausschusses des Bezirkstages, ist einer der beiden Initiatoren der – im Gegenwartssprech: Crowdfunding-Aktion. So viele haben mitgemacht bei dem Projekt „Ein Bernhard für die Pfalz“, dem Vorhaben, aus der Bevölkerung heraus, dem Museum die Skulptur eines der wichtigen Bildhauer der vergangenen Jahrzehnte zu schenken. Künstlerinnen, Mäzene, Leute wie du und ich. Bernhard-Schüler, Kunst-Kompagnons, Verehrerinnen seines Werks, Verehrenswerte wie die bald 82-jährige Fotografin Barbara Klemm, eine der ganz Großen in ihrem Metier, gaben ihre Kunst pro bono her.

Nachholender Dank

Klemm etwa eine Fotografie (Auflage 100), die Bernhard in seinem Atelier zeigt. Madeleine Dietz aus Godramstein, die wohl erfolgreichste in der Pfalz lebende Künstlerin, meinte, sie habe dem Jockgrimer Meister so viel zu verdanken – und steuerte zwei ihrer charakteristischen Arbeiten bei. Darunter das Werk „Ent-Festung“ aus diesem Jahr, eine Arbeit über die Labilität unserer Existenz, es ist für 1800 Euro verkauft worden.

Eine „kleine für Franz“

Gleich weg war die Elfer-Auflage der Plastik „kleine für Franz“ des international präsenten Künstlers Robert Schad. Erlös: 9350 Euro. Das letzte der fünf Werke der Reihe „Zeichen für Franz“ des in Ludwigshafen geborenen Bildhauers, Pfalz-Förderpreisträgers und Bernhardbewunderers Michael Dekker hat die neue Kulturministerin Katharina Binz erworben, ein Plus von gesamt 3500 Euro. Außerdem hat Martin Lilkendey Kunst von sich für die Aktion eingeliefert, die Deidesheimer Plastikerin Friederike Zeit den Betonguss „ohne Titel“, dessen Verkauf 290 Euro brachte. Valentina Jaffé, die aus Bad Dürkheim stammt, 1990 geboren, hat genauso Kunst beigetragen wie der Kuseler Friedrich Weschmitt, der Jahrgang 1947 ist. Und Michael Volkmer, ein Objektkünstler aus Winnweiler, stellte eine elfteilige Serie zur Verfügung, die komplett weg ging: Kacheln aus MDF, auf denen mit leicht nach oben kippender blauer Schrift steht „auf“.

Andere haben 20 Euro in eine Spendenbox gesteckt – plus Anschreiben („Dafür gerne“), 1000 Euro gegen Quittung überwiesen, eine ältere Dame brachte spontan zwei Zeichnungen des 1934 in Neuhäuser in der damaligen Tschechoslowakei geborenen Bildhauers Bernhard aus ihrem Privatbesitz. Zum Verkaufen für den sehr guten Zweck. Die Freunde des Museums Pfalzgalerie, die vorab eine Art Ausfallbürgschaft für eventuell fehlendes Geld übernommen hatten, sammelten über 9000 Euro. Auch die Andreas C. H. Schell-Stiftung brachte sich ein, die Franz Bernhards bedeutenden Nachlass verwaltet und vor kurzem in Karlsruhe ein ihm gewidmetes Museum eröffnet hat. Die ganze Gemeinschaftsaktion ein Hoffnungszeichen wie die Skulptur selbst, die trotzig Richtung Himmel stachelt. Sehr viele Fäden der Aktion liefen bei dem beinahe schon legendären Kunst-Anstoßer und Netzwerk-Virtuosen Wolfgang Thomeczek und dessen Frau Veronika zusammen.

Der Kunstanstoßer

Der sehbehinderte Galerist Thomeczek, der seine Galerie in dem 851-Seelen-Ort Tiefenthal im Leiningerland mehr wie einen gemeinnützigen, großstädtischen Kunstverein führt, ist neben Manfred Geis Ausgangspunkt und forcierende Kraft des „Ein Bernhard für die Pfalz“-Projekts gewesen. Ein Galerist und Freund von Franz Bernhard zu dessen Lebzeiten. Ein Freund von dessen Witwe Lucia immer noch, der Verkäuferin der „Aufragenden“.

Trommeln mit Hut

Thomeczek hat auf die ihm als Vermittler zustehende, handelsübliche Provision von 35.000 Euro verzichtet. Die „Aufragende“ hätte eigentlich 90.000 Euro gekostet. Auch zu einigen der Kunstspender wie Barbara Klemm, Robert Schad und Michael Dekker pflegt der Kunst-Enthusiast und ehemalige Messebau-Designer beste Beziehungen. Nicht zuletzt hat er alle schon ausgestellt.

Von dem 68-jährigen Ravensburger Schad, der in Frankreich und Portugal lebt, steht zudem die Plastik „Malog“ dauerhaft in Tiefenthal vor dem Rathaus, auch so eine von Thomeczeks Benefizaktionen. Für Bernhards „Aufragende“ indes war dessen – in Sichtweite liegendes – „Kunstkabinett“ nur eine Transitstation. Thomeczek ließ sie von ihrem früheren Standort, dem Alten Rathaus in Jockgrim, in den Hof seiner Galerie im ehemaligen Pfarrhaus transportieren – als Anlaufpunkt zur Anschauung für potenzielle Mäzene und Spender. Am 6. September ging’s von dort Richtung Kaiserslautern zur Endstation. Zwei Tage zuvor noch war die Skulptur von einer Thomeczek-typischen Festgesellschaft umringt. Die Sonne schien, la tout Pfalz war hergepilgert zur Vernissage einer hochkarätigen Schau, die Werke des syrisch-deutschen Venedig-Biennale-Teilnehmers Marwan zusammen mit Arbeiten von Franz Bernhard zeigte. Das Galeristenpaar erschien dandyhaft und mit Hut. Barbara Klemm saß auf einem Hocker im Garten, Jutta Glaser sang und Erwin Ditzner spielte Schlagzeug. Klar, dass Wolfgang Thomeczek noch einmal für das „Ein Bernhard für die Pfalz“-Projekt getrommelt hat. Am Ende kamen allein fast 1000 Euro an Spenden zusammen. Herausragend wie das gesamt Projekt.

Termin

Am 28. November, 11.30 Uhr, wird die „Aufragende“ vor dem Museum Pfalzgalerie von Lucia Bernhard, Manfred Geis und Wolfgang Thomeczek enthüllt und an Theo Wieder übergeben. Teil der Feier ist auch eine Klangperformance von Michael Gärtner.

Ankunft in Kaiserslautern vor der Pfalzgalerie.
Ankunft in Kaiserslautern vor der Pfalzgalerie.
Warten auf die „Aufragende“: Der endgültige Standort gestern.
Warten auf die »Aufragende«: Der endgültige Standort gestern.
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