Restaurant-Tipp
Hämmerle, der Sternekoch: Wo man in Blieskastel richtig gut essen kann
Es war einmal ein Fleischermeister, der betrieb in einem Dorf an der Blies nicht nur eine Metzgerei, sondern auch eine Wirtschaft, in der sich das Dorf traf und in der Frischgeschlachtetes auf den Tisch kam.
Sohn Rudi setzte die Familientradition fort, wechselte aber nach Webenheim und eröffnete dort, an der Einfallstraße kurz vor Blieskastel, „Rudis Bauernstube“, eine Gastwirtschaft mit Imbiss vornedran. Rudi servierte in seiner Gaststube volle Teller mit riesigen Schnitzeln und Pommes. Am Imbiss versorgten sich mittags Arbeiter mit einem schnellen Happen und abends Sportler nach dem Training mit allem, was satt macht.
In diesem Gasthaus wurde Cliff Hämmerle groß. Im Alter von 23 Jahren übernahm er nach und nach die Verantwortung, als der Vater nicht mehr konnte. Aber irgendwie war das nicht sein Leben und nicht seine Vorstellung von Gastronomie. „Wenn’s regnete und die Arbeiter stapften nass und mit dreckigen Stiefeln in die Wirtschaft, das gefiel mir so nicht“, erzählt Hämmerle, „oder wenn nach dem Training im Gastraum überallhin Sporttaschen gepfeffert wurden.“ Cliff Hämmerle wollte ein richtiges Restaurant mit Anspruch führen, der Senior wollte das nicht. Der Sohn beendete den Konflikt, indem er dem Vater die Wirtschaft regelrecht abkaufte. Damit war er der Chef und konnte das Gasthaus nach und nach in ein Sterne-Restaurant verwandeln.
Michelin-Stern als Ziel
Den Michelin-Stern, den wollte er haben. „17 Jahre haben wir darauf hin gearbeitet. 2007 hab’ ich’s intern dann auch als Ziel ausgegeben, 2012 haben wir ihn bekommen.“ Und bis heute gehalten.
Cliff Hämmerle betreibt zwei Restaurants unter einem Dach: Das Landhaus bringt regionale Produkte, meist auf regionale Weise gekocht, einfach gut auf den Tisch. Die Rinderroulade schmeckt so wie eine Rinderroulade schmecken soll. Nur besser. Das Cordon bleu auch. Dazu gibt’s an diesem Donnerstag Geheirade, also saarländische Mehlknepp mit Salzkartoffeln, die einen nostalgisch werden lassen. Sie schmecken wie am Mittagstisch bei der Oma vor 50 Jahren. Das Dreigänge-Menü kostet zwischen 42 und 60 Euro.
Für die Gäste der Sterne-Ecke – sie ist vom Landhaus-Bereich einsehbar – kochen Hämmerle und seine Mannen zeitweise zu acht am „Chef’s table“, wobei der Chef sich nicht nur auf die Finger schauen lässt, sondern auch noch alles erklärt, was da vor sich geht. Mittags verlangt Hämmerle für das Sterne-Menü rund hundert Euro, abends 150.
Derzeit geben viele Restaurants auf, weil sie kein Personal finden. Hämmerle hat damit keine Probleme. „Wir haben die Öffnungszeiten umgestellt. Bei uns haben samstags alle frei. Dadurch finden wir sehr gute Mitarbeiter. Und wer sehr gute Leute hat, kann auch sehr gutes Essen auf den Tisch bringen.“ Hämmerle liebt seinen Beruf, die Familie zieht mit. Im Betrieb arbeiten seine Frau, die Tochter und die Schwägerin. Ist der zweite Stern nun sein Ziel? „Erst, wenn mir jemand erklären kann, was dann besser ist.“ Sein Erfolgsrezept? „Ich habe als einer der ersten voll auf regionale Produkte gesetzt. Meine Lieferanten kommen fast alle aus dem Bliesgau.“ Ob er damit Trend-Setter war? „Vielleicht“, sagt er und grinst ein bisschen.
Das einzige, aber schwerwiegende Manko: Es ist nicht immer leicht, bei Hämmerle einen Tisch zu bekommen. Aber wer flexibel ist und zum Beispiel von heute auf morgen um 11.45 Uhr kommen will, kann Glück haben.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Namen. Wie kommt ein Webenheimer Bub zu dem Vornamen Cliff? „Meine Mutter war ein Fan von Cliff Richard“, sagt Cliff Hämmerle und ergänzt: „Das hat auch Vorteile. Der Name ist nämlich extrem selten. Ich bin mal den New-York-Marathon mitgelaufen. Da stand nur ein einziger anderer Cliff in der Starterliste.“
Warum der Bliesgau einen Tagesausflug oder einen Kurzurlaub wert ist.
Wenn bei Hämmerle kein Tisch mehr zu haben ist: Wo man ein paar Kilometer weiter in Lothringen ebenfalls hervorragend essen kann.