Kaiserslautern
Große Bühne für den musikalischen Nachwuchs: Erstes Podium Palatinum
Was für eine wunderbare Idee hatten da Peter Arnold, Vorsitzender der Pfälzischen Musikgesellschaft, und Beat Fehlmann, ehemaliger Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz: Podium Palatinum heißt ein alle zwei Jahre stattfindendes Konzertformat, das am Sonntag seine Premiere im Studio des SWR in Kaiserslautern erlebte. Herausragende junge Musikerinnen und Musiker sollen die Gelegenheit bekommen, ihr Können mit einem großen Sinfonieorchester vor Publikum zu präsentieren. Zusätzlich bekommen sie auch noch dank Lotto Rheinland-Pfalz ein Preisgeld.
Unter der Leitung von Sebastián Camano Saavedra begleitete das Ludwigshafener Orchester den Fagottisten Karlsson Schick, den Geiger Kenta Nishino und den Tubisten Frederick Punstein. Alle drei Musiker sind gebürtige Pfälzer, kommen aus Freinsheim, Kaiserslautern und Schneckenhausen. Schick und Punstein haben ihr Studium bereits an der Musikhochschule in Köln beziehungsweise am Mozarteum in Salzburg begonnen, Nishino besucht derzeit die 13. Klasse des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern.
Um es vorwegzunehmen: Dass hochbegabte junge Musiker herausragende technische Fähigkeiten mitbringen, um mit durchaus kniffligem Repertoire im Konzert zu bestehen, konnte man vielleicht noch erwarten. Doch die drei Solisten überraschten mit ihrer Musikalität, ihrem Gestaltungswillen, ihrer Phrasierungskunst bei Werken, die man eher selten im Konzert zu hören bekommt. Sicherlich war da eine gewisse Nervosität bemerkbar, die aber völlig ohne Auswirkungen auf den Vortrag blieb. Und eben diese Aufgeregtheit im Livemoment des Konzerts in den Griff zu bekommen, gehört zu den größten Herausforderungen im Laufe einer Solistenkarriere, an deren jeweiligem Anfang hoffentlich dieses Konzert in Kaiserslautern steht.
Karlsson Schick hatte Carl Maria von Webers Konzert für Fagott und Orchester in F-Dur mitgebracht. Ursprünglich aus dem Jahr 1811 stammend, hat Weber es 1822 nochmals überarbeitet. Man hörte im ersten Satz die Wiener Klassik mit, und Schick, dessen Vater Rainer ihn als Solooboist der Staatsphilharmonie an diesem Abend begleitete, gestaltete es auch fast wie ein Werk von Mozart. Das wirkte unbeschwert, auch dann, wenn die technischen Anforderungen höchste Konzentration verlangten. Besonders schön formte er den langsamen zweiten Satz, in dem dann schon der romantische Weber-Ton des „Freischütz“ hineinruft. Das Finale schließlich wurde zum typischen Kehraus, mit schnellen Läufen, extremen Tonumfängen und einem phasenweise fast schon tanzenden Fagott.
Mit dem D-Dur Violinkonzert des Wormser Komponisten Friedrich Gernsheim (1839-1916) hatte sich Kenta Nishino sicherlich den schwersten Brocken des Abends ausgesucht, den er auswendig spielte. Seine Interpretation dieses faszinierenden spätromantischen Werkes war zugleich ein absolut überzeugendes Plädoyer für diesen zu Unrecht vergessenen Komponisten. Sein wunderbar warmer Geigenton begeisterte, die Intensität seines Spiels faszinierte ebenso wie die Leichtigkeit, mit welcher er auch noch die schwierigsten Passagen des Konzerts bewältigte. Und auch Nishino geriet der langsame Mittelsatz zu einem absolut intensiven, packenden Moment.
Und dann hieß es: Festschnallen und Staunen. Über das, was mit der Tuba so alles möglich ist. Das f-Moll-Konzert des Briten Ralph Vaughan Williams (1872-1958) ist ein Heidenspaß – und ein irrwitziger Parforceritt für den Tubisten, den es extrem fordert. Nur etwa zwölf Minuten lang, lernen wir doch dank des Spiels von Frederick Punstein, dass die Tuba weit mehr kann, als nur die Eins in das rhythmische Grundgerüst eines Blasorchesters einzubetonieren. Sie kann swingen und grooven. Kann sich – natürlich – in tiefste Lagen geradezu hinabstürzen. Und – sie kann singen! Wenn man sie so spielen kann wie der junge westpfälzische Musiker.
Ein großartiger Auftakt für ein großartiges Projekt zur Förderung des musikalischen Nachwuchses in der Pfalz, dem man nur jeden Erfolg wünschen kann!