USA-Kultur Geschichte wird gemacht: Donald Trump führt die Gesinnungsprüfung für Museen ein

Das Donald W. Reynolds Center for American Art and Portraiture in Washington, Sitz der betroffenen National Portrait Gallery.
Das Donald W. Reynolds Center for American Art and Portraiture in Washington, Sitz der betroffenen National Portrait Gallery.

Dem US-Präsidenten ist das Geschichtsbild vieler Museen zu negativ. Jetzt soll wieder purer Nationalstolz einziehen.

Donald Trump eskaliert weiter mit seinen autokratischen Herrschergesten. Nun lässt er mehrere renommierte Museen im Stil von Diktatoren daraufhin überprüfen, ob ihre Inhalte seiner Interpretation der amerikanischen Geschichte als, nun ja, „reinrassiger“ Erfolgsstory widersprechen.

Vor allem die Smithsonian Institution, der weltgrößte Museumskomplex, zu dem Museen wie die National Portrait Gallery oder das National Museum of the American Indian in Washington gehören, ist von dieser Gesinnungsprüfung betroffen. In einem Brief aus dem Weißen Haus wurde der Institution mitgeteilt, man wolle sämtliche Ausstellungstexte, Wandbeschriftungen, Webseiten und Bildungsunterlagen daraufhin untersuchen, ob sie mit „amerikanischen Idealen“ übereinstimmen. Auch, ob sie „spaltende oder parteiische“ Narrative verbreiten, sei Prüfgegenstand. Wobei Letzteres in etwa dem entspricht, was Trump mit seiner Geschichtsrevision mutmaßlich selbst unternimmt.

Es ist einer der Selbstwidersprüche, die Amerikas oberstem Kulturkämpfer bekanntermaßen so egal sind, wie wenn in Kallstadt ein Hahn mit Hitzeschock von der Stange fällt. Dazu gehört im Übrigen auch, dass eine Internetrecherche „vor und nach seiner Präsidentschaft“ keinerlei Museumsbesuche von Trump verzeichnet, der sich aber dennoch für umfassend informiert hält. So war er während seiner Amtszeit nachweislich im Yad Vashem Holocaust-Museum in Israel und in den Londoner Churchill War Rooms. In den USA sind lediglich im Mississippi Civil Rights Museum und tatsächlich 2017 im gerade frisch eröffneten Smithsonian National Museum of African American History and Culture dokumentiert.

„Wirklich unglaublich“

Damals sagte er in seiner Rede, das Haus sei „wirklich unglaublich“ und versprach, zur weiteren Besichtigung zurückzukehren. Nun, in seiner zweiten Amtszeit, erließ er stattdessen Ende März ein Dekret, in dem er indirekt auch diesem Museum vorwirft, „das unvergleichliche Erbe unserer Nation, das Freiheit, Rechte des Einzelnen und das Glück der Menschen vorantreibt, (…) als rassistisch, sexistisch, unterdrückerisch oder anderweitig unrettbar mit Makeln behaftet“ darzustellen.

„Restoring Truth and Sanity to America“ nannte Trump die Executive Order – die Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft, was die amerikanische Geschichte betrifft. Wobei sich „Sanity“ auch als geistige Gesundheit oder Zurechnungsfähigkeit übersetzen lässt, ganz im Sinne der in Autokratien üblichen Pathologisierung des Andersdenkens. Er, Trump, heißt es darin, wolle die Wirkung einer „revisionistischen Bewegung“ (!) rückgängig machen. Die Regierung Biden habe eine „zersetzende Ideologie“ protegiert, die Nationalstolz in Nationalscham verwandeln wolle. Es ist ein Duktus, mit dem etwa auch der AfD-Politiker Björn Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ diffamiert.

Im Juni jedenfalls verkündete Trump – dazu gar nicht befugt – auf seinem Netzwerk Truth Social, er habe die Direktorin der zum Smithsonian Institute gehörenden National Portrait Gallery entlassen. Unter anderem, weil in einer der Ausstellungen ihres Instituts Rasse nicht als „biologische Realität“, sondern als Konstrukt, als „eine menschliche Erfindung“, dargestellt worden sei. Vier Tage später trat die nigerianisch-niederländische Kunsthistorikerin von ihrem Amt zurück.

Wie hätte sie sich auch wehren können? Der britische Mineraloge und Chemiker James Smithson (1765–1829) hatte das Institut 1826 zur „Vermehrung und Verbreitung des Wissens“ gestiftet und in die treuen Hände der amerikanischen Regierung übergeben. Es wird von einem Regent Board repräsentiert, dem qua Amt der Trump-ergebene Vizepräsident J. D. Vance angehört. Sicher auch kein Problem für den Ex-Schriftsteller, dass zu den 18 Gründen, die gegen die entlassene Direktorin Sajet angeführt wurden, zählte, dass sie 2016 die Leihgabe eines Trump-Porträts des besonders exzentrischen Präsidentenanhängers Julian Raven abgelehnt hatte.

„Unafraid & Unashamed“, ohne Angst und Scham, lautet der Titel des kitschigen Gemäldes von Raven, das die heldenhaft schauende jugendliche Version des Präsidenten, den US-Wappenadler und die amerikanische Fahne in einen allegorischen Zusammenhang bringt. Der Künstler hatte der National-Gallery-Direktorin vorgeschlagen, das Bild, das zuvor beim Wahlparteitag der Republikaner ausgestellt war, in der traditionellen Sonderausstellung zur Amtseinführung des Präsidenten aufzuhängen. Direktorin Kim Sajet sagte ihm telefonisch ab. Jetzt, nachdem der US-Präsident offensichtlich auch über die Erinnerung an die Geschichte verfügt, könnte es triumphal doch noch einziehen. Und wenn nicht in die National Gallery, dann vielleicht in den National Zoological Park in Washington, der ebenfalls zum Smithsonian Institut gehört. Wo dort genau? Wir zum Beispiel hätten da schon ein paar Vorschläge.

x