Oster-Wanderrätsel
Geheimnisvolle Waldwunder auf der Ganerben-Tour
Im Ungeheuersee werden Orgien gefeiert. Es ist Paarungszeit – der Kröten. Eine versprengte Nachzüglerin kreuzt sprunghaft unseren Weg, unterwegs zum Biotop. Dieses ist bereits stark frequentiert. Überall im Uferbereich blähen sich zwischen Wasserpflanzen amphibische Backen, es wird gequakt, was das Zeug hält. Krötenschenkel rudern, bräunliche Pickelleiber spielen im flachen Wasser hektisch „Bäumchen wechsel dich“. Monogamie ist in diesem sündigen Sumpf total out. Ungeheuerlich.
Wir sind unterwegs auf dem Ganerbenweg und gewaltig vorgeprescht: Der Ungeheuersee liegt bereits im zweiten Drittel des gut elf Kilometer langen Prädikatswanderwegs bei Leistadt. Dabei geht es doch um eine österliche Schnitzeljagd! Fragen sind zu stellen, Antworten zu finden, Stationen zu beachten. Also zurück auf Los!
Auf dem Wanderparkplatz beim Forsthaus Lindemannsruhe wird gestartet. Eine schwarze Axt auf gelbem Grund weist den Weg. Sowohl die Markierung als auch der Name des Wanderwegs verweisen auf die „Große Ganerbschaft“. Zu dieser Waldgenossenschaft schlossen sich im Mittelalter die Ortschaften Freinsheim, Weisenheim am Sand, Kallstadt, Leistadt und Herxheim am Berg zusammen. Ihr gemeinschaftlich bewirtschafteter Forst grenzte an den Waldbesitz der Grafen von Leiningen und den des Klosters Höningen.
Auf dem Ganerbenweg spazieren wir also nicht nur durch ein besonders schönes Stückchen Wald nördlich von Bad Dürkheim, sondern auch durch die Geschichte hiesiger Waldwirtschaft. Wobei sich mysteriöse zivilisatorische Spuren und kuriose Naturdenkmäler ziemlich schnell in den Vordergrund drängen.
Bereits nach einem Kilometer erreichen wir ein kleines Felsenmeer. Große, stark bemooste Sandsteinblöcke bilden hier einen natürlichen Wall. Dazwischen ragen, schlank und kerzengerade, Kiefernstämme empor. Ein paar solitäre Eichen, die noch nicht ausgetrieben haben, schrauben ihre Äste so theatralisch in den Himmel, als gehörten sie zur Kulisse eines Tim-Burton-Films.
Den Altvorderen war die Stelle nicht geheuer. Das spiegelt sich im Namen wider, den der Volksmund dem geologischen Phänomen gab. Er hat zwölf Buchstaben. Der erste wandert auf Platz 19, der fünfte auf Platz 33 und 39, der achte auf Platz 21 und 22, der neunte auf Platz 4 und der letzte Buchstabe auf die Plätze 27 und 32.
In seinem ersten Drittel deckt sich der Ganerbenweg teilweise mit dem Historischen Rundwanderweg Leistadt, der „Sieben Waldwunder“ erschließt. An vieren davon kommen auch wir vorbei. Ein kurzer Abstecher führt zum „Kanapee“, bestehend aus einer Sandsteinbank und einer Felsentreppe, die an dieser Stelle freilich keinerlei Sinn ergibt. Angeblich soll es sich dabei um die Reste einer Einsiedelei des Spätmittelalters handeln.
Noch so ein ominöses Ding ist die „Suppenschüssel“, ein Sandsteinfindling mit rechteckiger, offensichtlich von Menschenhand geschaffener Eintiefung. Versammelten sich hier die Förster der „Großen Ganerbschaft“ nach Begehung der Gemarkungsgrenzen zum rituellen Schoppen? Denkbar wär’s. Aber halten wir uns lieber an Lesbares! Zwischen „Kanapee“ und „Suppenschüssel“ steht eine alte Grenzstele der Grafen von Leiningen. Sie trägt, neben dem Wappen des Adelsgeschlechts, die Jahreszahl 1595 und markierte, wo der Waldbesitz der Grafen begann.
Über der Jahreszahl prangt eine Inschrift. Wie lautet sie? Die exakte antiquierte Schreibweise ist wichtig. Aber anders als der Steinmetz des ausgehenden 16. Jahrhunderts sollte man daraus zwei Worte machen – die Trennung ist nach dem „K“ zu setzen. Vom ersten Wort nehmen wir den fünften Buchstaben für Platz 7 und 23, den siebten für Platz 3. Vom zweiten Begriff füllt der zweite Buchstabe Platz 9 und Platz 36, der sechste Platz 18, der elfte Platz 31 und der letzte Buchstabe Platz 28.
Das letzte „Waldwunder“ auf unserem Weg ist der „Krummholzer Stuhl“, ein Sandsteinfelsen, ebenfalls vom Menschen bearbeitet. Wenn hier wirklich Römer des 2. und 3. nachchristlichen Jahrhunderts – wie es das Internet wissen will – Material für Steinsärge abbauten, dann haben die spätantiken Bestattungsunternehmer bereits an Waldtouristen gedacht. Denn was von ihrem Steinbruch übrig ist, wirkt wie eine übergroße Sitzbank.
Ab hier geht es bergab – zum Ungeheuersee. Seinen Namen verdankt der moorähnliche, maximal zwei Meter tiefe Teich weder einer heimlichen Nessi noch der massiven Kröteninvasion unseres Prologs. Vielmehr diente er wohl ursprünglich als Viehtränke an einer „Unger“, einer Waldweide. Rund um den Ungeheuersee erläutern Schilder das Biotop. Dass der See nicht nur paarungswillige Amphibien lockt, sondern auch gerne von einer seltenen Libelle angeflogen wird, erfahren wir auf Tafel Nummer 6.
Wie heißt die Libellenart? Vom charmanten zweiten Namensteil (elf Buchstaben) nehmen wir den ersten Buchstaben für Platz 6 und 12, den zweiten für Platz 17, den siebten für die Kästchen 25 und 40.
Wer jetzt schon nach einer Rieslingschorle lechzt, findet dem Ungeheuersee gegenüber die Weisenheimer Hütte des Pfälzerwald-Vereins; sie ist sonntags bewirtschaftet.
Im Anschluss an den See geht das schmale Krumbachtal in eine Feuchtwiese über. Nicht lange danach steigt der Weg – wir hätten es uns denken können – wieder an, und das ziemlich stramm. Da kommt selbst der geübte Wanderer ins Schwitzen. Doch wird man dafür entschädigt, indem der Ganerbenweg hernach zum schmalen Pfad mutiert, der durch eine Waldidylle aus Kiefern und Heidelbeerpolstern führt.
Etwa drei Kilometer nach dem Ungeheuersee überqueren wir die Landstraße, die vom Forsthaus Lindemannsruhe ins Klosterdorf Höningen führt. Noch 500 Meter, dann stehen wir auf dem Plateau des Heidenfelsens. Selbiger bietet nicht nur eine malerische, von windzerzausten Bäumen gerahmte Aussicht: Der Heidenfels, eigentlich eher ein Konglomerat aus vielen Felsen, ist zugleich ein kleiner Abenteuerparcours. Auf beiden Seiten des Plateaus kann man über Wege und Treppen in das zerklüftete Felsgebilde hinabsteigen. Man passiert ein Felsentor aus zwei großen Sandsteinbrocken, gelangt, am Fuß des Felsens, zu einer Grotte mit Steintisch und steigt durch einen höhlenartigen Felsentunnel wieder empor. Das macht den Heidenfels zu einem – wenn nicht zu dem – Höhepunkt der Tour.
Zwei Baumarten prägen die Vegetation am Heidenfels. Die eine ist die Kiefer. Und die andere? Von den fünf Buchstaben setzen wir den ersten auf Platz 13, den zweiten auf Platz 24, den dritten auf Platz 10.
Die letzte Etappe des Ganerbenwegs führt vom Heidenfels zum Bismarckturm. Doch ehe wir sie antreten, machen wir noch einen klitzekleinen Abstecher, um ein weiteres Lösungswort abzuholen. Kurz nach dem Heidenfels zweigt vom Weg ein Pfad nach links ab. Er führt zu einer Grabstätte. Hier ruht ein Oberforstmeister nebst Gattin, in den Grabstein ist das Bronzeporträt des 1930 Verstorbenen eingelassen.
Wie heißt der Förster, der hier begraben liegt? Vom Vornamen (sechs Buchstaben) brauchen wir den zweiten für Platz 20, den vierten für Platz 35. Vom Nachnamen (vier Buchstaben) füllt der erste Buchstabe Platz 16, der zweite Platz 2, der dritte Platz 29.
Nach dieser Station laufen wir über Serpentinen bergab, dann, nach einer kleinen Senke, steigt der Weg wieder an, aber dieses Mal kommod. Entlang des Wegs hat ein Verschönerungsverein in den frühen Tagen der Wanderlust Rastplätze geschaffen. Der erste gruppiert sich um den Gayersbrunnen. Der zweite, an einem Felsgebilde angelegt und offensichtlich ziemlich in Vergessenheit geraten, ist einem Poeten geweiht, der die Schaubühne gerne als eine moralische Anstalt betrachtete.
Wie heißt der Dichter? Von den acht Buchstaben des Nachnamens brauchen wir den vierten auf Platz 14, den fünften auf Platz 37, den sechsten auf Platz 38 und den siebten auf Platz 26.
Letzte Station: der Bismarckturm auf dem Peterskopf. Kolossale Aussichts- und Huldigungsarchitektur, 36 Meter hoch, in den Jahren 1902/03 errichtet, in einem Mix aus trutziger Neoromanik und monumentalem Jugendstil. Ein Rapunzelturm für den Walrossbartträger. Den Eingang zur Vorhalle, in der an Wochenenden ein Kiosk Kaffee, Kuchen und andere Speisen offeriert, säumt ein breites Schmuckband aus Wikinger-Ornamentik. Im Scheitel widmen steinerne Lettern das Bauwerk „dem großen Deutschen“. Unter den Bismarcktürmen der Pfalz ist dieser der imposanteste.
Friedrich Kunst hieß sein Architekt. Doch welcher Verschönerungsverein gab den Turm in Auftrag? Vom zweigliedrigen Namen brauchen wir nur den ersten Teil mit elf Buchstaben. Davon füllt der erste Buchstabe Platz 8, der zweite Platz 5, der fünfte Platz 11, der sechste Platz 1 und Platz 30 und der siebte die Plätze 15 und 34.
Das war’s! Mit diesem Buchstabensalat im Gepäck geht es zurück zur Lindemannsruhe, der dritten Einkehrmöglichkeit am Ganerbenweg. Im Juni, wenn die Edelkastanien blühen, ist es übrigens besonders schön am Bismarckturm. Denn dort stehen zwei große Exemplare der Gattung „Castanea sativa“. Ihre weißlichen Blüten regnen dann wie Raketenschweife üppig aus den grünen Blätterkronen.
Noch ein kleiner Hinweis: Obwohl manches auf dieser Rätselwanderung den düsteren Nimbus des Ungeheuerlichen trägt, hat des Rätsels Lösung viel mit dem christlichen Osterfest zu tun.
Wegweiser
Ganerbenweg: 11 Kilometer, Dauer etwa drei Stunden (reine Gehzeit)
Einkehrmöglichkeiten: Weisenheimer Hütte, So 11-17 Uhr, von Mai bis Oktober auch mittwochs. Kiosk im Bismarckturm, Mi/Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr. Forsthaus Lindemannsruhe, Mi-So 11-18 Uhr, Küche bis 17 Uhr, www.lindemannsruhe.de
Anfahrt: Von Grünstadt oder Bad Dürkheim auf der L 517 bis Leistadt, dann abbiegen auf die K 31. Aus Richtung Kaiserslautern kommend über Altleiningen und Höningen oder über B37. Start- und Zielpunkt der Tour ist der Wanderparkplatz am Forsthaus Lindemannsruhe an der K 31.
Den Lösungsspruch senden Sie auf einer Postkarte an:
DIE RHEINPFALZ,
Redaktion Kultur und Gesellschaft,
Stichwort Oster-Wanderrätsel,
Amtsstr. 5-11, 67059 Ludwigshafen
oder mit Angabe der vollständigen Postadresse per Mail an:
redkult@rheinpfalz.de
Einsendeschluss ist der 15. Mai.
Hinweis für Raetselloeser: Umlaute gelten als zwei Buchstaben.
Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir:
1. Preis: ein Gutschein im Wert von 180 Euro für das Restaurant Weinhaus Henninger in Kallstadt
2./3. Preis: je ein Gutschein im Wert von 60 Euro für den Landgasthof Klosterschänke in Höningen
4. bis 10. Preis: je ein Bildband „Wo die Pfalz am schönsten ist“ von Michael Landgraf und Jochen Heim
11. bis 20. Preis: je ein Buch „Mythen & Legenden der Pfalz“ von Peter Kauert und Ulrich Magin
21. bis 30. Preis: je ein RHEINPFALZ-Badetuch „Uffbasse“
31. bis 40. Preis: je eine RHEINPFALZ-Edelstahl-Lunchbox „Wir leben Pfalz“
41. bis 50. Preis: je eine RHEINPFALZ-Dubbetasse
