Klassische Musik RHEINPFALZ Plus Artikel Ganz groß! Das Mannheimer Akademiekonzert mit dem Verdi-Requiem

Behält immer den Überblick: Mannheims Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli..
Behält immer den Überblick: Mannheims Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli..

Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“, die Vertonung der Totenmesse, stand auf dem Programm des 8. Akademiekonzerts in Mannheim. Am Pult: Roberto Rizzi Brignoli. Es wurde zum lange nachhallenden Ereignis.

Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ kann je nach der Perspektive des Betrachters alles mögliche sein. Ein singuläres Werk geistlicher Musik, Verdis schönste Oper, für wieder andere steht es für die italienische Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Und in all diesen Perspektiven steckt ein Stück Wahrheit.

Natürlich ist es Sakralmusik, schon weil dem Werk der Text des Requiems zugrunde liegt. Und natürlich ist es auch ein Stück Opernmusik, weil Verdis Musiksprache keinen Unterschied kennt zwischen den Emotionen, die in seinen Opern verhandelt werden, und den Emotionen, um die es im Requiem geht.

Die Keimzelle des Werkes, der Satz „Libera me“, entstand unterm Eindruck des Todes von Gioacchino Rossini, den Verdi glühend verehrte. Einige Jahre später, nach dem Tod des Dichters Alessandro Manzoni, den Verdi nicht weniger anhimmelte, griff er die Idee einer Totenmesse wieder auf.

Durchblick im Tumult

Die Bühne im Mozartsaal des Rosengartens ist nicht gerade klein, aber jeder Quadratmeter wurde tatsächlich benötigt, denn dieses Requiem ist auch ein monumental besetztes Werk. So schreibt die Partitur unter anderem einen riesigen Chor vor, vier Solisten und ein umfangreiches Orchester einschließlich vier Hörnern, acht Trompeten und drei Ventilposaunen. Aber Roberto Rizzi Brignoli, GMD in Mannheim seit 2023 und ausgewiesener Spezialist für das italienische Opern-Repertoire, brachte das kleine Kunststück fertig, das Klangbild auch im größten Tumult plastisch und durchhörbar zu gestalten.

Das gelang ihm sogar bei besonders heiklen Chor-Passagen wie etwa der Chorfuge „Libera me, domine“, die sicher auch von der exakten und inspirierten Arbeit des Chordirektors Alistair Lilley (auch er arbeitet seit 2023 in Mannheim) profitierte. Überhaupt dieses „Libera me, domine“, der letzte Teil des Werkes: Wenn hier die wunderbar klare und leuchtende Stimme der Sopranistin Zsuzsanna Ádám zusammen mit dem hervorragend textverständlichen Chor musizierte, zählte das zu den anrührenden Höhepunkten dieser Aufführung.

Neuer Klassiker

Von denen gab es aber auch sonst noch einige. Da müssen neben der Sopranistin auch die anderen Solisten hervorgehoben werden: Die Altistin Julia Faylenbogen – auch sie wie alle andere Solisten derzeitiges oder früheres Ensemble-Mitglied am Nationaltheater – überzeugte durch große Ausdruckskraft. Der Tenor Martin Muehle ließ keinen Zweifel an seiner dramatischen und höhensicheren Kompetenz; Sung Ha, der schon seit 2011 in Mannheim verortet und deshalb jedem Mannheimer Opernbesucher bestens bekannt ist, glänzte wieder einmal durch seinen voluminösen und im besten Sinne sonoren Bass. Und wenn er doch mal schleppte, wurde er sofort vom souveränen Dirigenten aufgefangen.

Allen Solisten kam aber auch zugute, dass Roberto Rizzi Brignoli ihnen wie etwa beim „Quid sum miser“ Raum und Zeit ließ zur Entwicklung ihrer Ausdruckskraft. Dafür ist er bei den hochdramatischen Teilen, etwa beim „dies irae“ (Tag des Zorns, also das jüngste Gericht) ein schieres Energiebündel, das aber seine Musiker dennoch sicher durch die wüstesten Materialschlachten führt.

Im Programmheft sind dankenswerterweise frühere Aufführungen dieses Werks vermerkt, unter anderem in den Spielzeiten 1964/65 unter Horst Stein und 1979/80 unter Hans Wallat. Ohne Zweifel sind das künstlerische Höhepunkte in der Geschichte des Nationaltheaters gewesen. Jetzt gibt es in der Mannheimer Aufführungsgeschichte des Verdi-Requiems aber einen neuen Höhepunkt.

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