Museumsöffnungen RHEINPFALZ Plus Artikel Frühlingserwachen? Welche Ausstellungen in der Region und darüber hinaus jetzt zu sehen sind

Die Server für die Onlineticket-Buchung sind überlastet: Andy-Warhol-Ausstellung im Museum Ludwig in Köln.
Die Server für die Onlineticket-Buchung sind überlastet: Andy-Warhol-Ausstellung im Museum Ludwig in Köln.

Kunstliebhaber sind im Möglichkeitstaumel. Viele Museen haben jetzt wieder auf. Wohin zuerst? Zu Andy Warhol, Rembrandt, Vermeer, Boucher, Beuys, Braque, Sophie Taeuber-Arp ? Wir hätten dafür ein paar Vorschläge. Schnell hin, bevor – wie in Mannheim – alles wieder dicht ist.

Der Titel der Ausstellung, er hätte wunderbar zu dem frühlingshaften Moment der Lockdown-Lockerungen gepasst: „Lichtblicke“. Leider ist die Schau mit Werken von Adolf Luther (1912 bis 1990) und einigen seiner Künstlerfreunden im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern ausgelaufen. So richtig in echt, zum Greifen nah, war sie nie zu erleben.

Licht zauberte jedenfalls Girlanden ins Dunkel von Luthers „Fokussierenden Raum“. Die Arbeit ist das Herzstück seiner musealen Sinnlichkeitsschule gewesen, die seit November vor sich hindämmerte. Hohlspiegel auf dem Boden drehten sich, angestrahlt von Scheinwerfern. Nebel waberte. Faszinierend, wie die Arbeit des Krefelder Ex-Richters aus dem Wendejahr 1968 die jeweilige Gegenwart reflektiert.

Zigarettenrauch im Museum?

Ursprünglich gedacht war die Installation als Erfahrungsraum. Anfangs fungierte Zigarettenrauch statt – wie später – künstlicher Nebel als Lichtträger. Zigarettenrauch. Im Museum, herrlich absurde Vorstellung. Nun war das Werk – wer hätte das denn noch vor einiger Zeit vermutet? – unzugänglich hinter Glas verschlossen. Besucher sollten einzeln oder als Haushalt in eine Art Kabine treten, so war’s vorgesehen.

Wie fast alles hat die Pandemie auch den Blick auf die Kunst verändert, wie jetzt vielerorts wieder mit eigenen Augen zu erleben ist. Dort, wo die Museen sich einem endlich wieder öffnen, nach vorheriger Anmeldung, in einem definierten Zeitraum, mit Maske, desinfizierten Händen etc., versteht sich.

Der Gott der Inzidenzzahlen

Ab 25. März – so der Gott der Inzidenzzahlen das will – zum Beispiel im Museum der bildenden Künste in Leipzig auf den Fotos von Andreas Gursky, dem weltberühmtesten aller Becher-Schüler: monumentale, detailversessene, aus vielen Einzelaufnahmen digital collagierte Bilder. Wochenlang arbeitet der mittlerweile 66-Jährige daran, arrangiert neu, „schießt“ immer mehr Fotos hinein, wie er das nennt. Seine Fabrik- und Börsenbilder, das türkisfarbene Prada-Regal, der erschlagende 99-Cent-Laden, die „Love Parade“, die überbordende Anzeigetafel am Frankfurter Flughafen anno 2007, sie sind Ikonen. Sehr sehr teuer. Aber nun geht einem auf, dass Gursky in seinen inszenierten Bildern die von der Pandemie in die Krise gestürzte Welt dokumentiert hat. Die der grenzenlosen Menschen- und Warenströme, der Massenveranstaltungen, Sportgroßereignisse, der Clubs. Wer davorsteht, dürfte sie erfüllt von Melancholie anschauen.

Zunächst aber ist da wohl bei uns allen dieser Möglichkeitstaumel, der einem bei der Planung des nachholenden Ausstellungsschauens erfasst. Wohin zuerst? Im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern ist ab heute angewandte Kunst aus der Lotte-Reimers-Stiftung ausgestellt. Am 19. März öffnet die Schau „Anthro Polis. Mensch und Stadt im Werk von Klaus Hack“. Im Historischen Museum in Speyer sind die Schauen „Medicus – Die Macht des Wissens“ und „Der Grüffelo“ wieder offen.

Schwelgen in Karlsruhe

Oder soll man zu Andy Warhol ins Museum Ludwig nach Köln? Zu Georges Braque ins Hamburger Bucerius Forum? In die Kunsthalle an der Alster zu Giorgio de Chirico (1888 bis 1979)? Dessen leere, metaphysisch-somnambule Räume wirken plötzlich wie Vorwegnahmen der Aufnahmen von im Lockdown panisch verwaister Städte.

Naheliegender wäre es, nach Karlsruhe zu fahren, um nach der ästhetischen Askese der vergangenen Monate in der Kunsthalle Karlsruhe in der Opulenz des Franzosen Francois Boucher (1703 bis 1770) zu schwelgen – beim Rendezvous mit Madame de Pompadour, sie dahinfließend, das Buch in ihrer Hand aufgeschlagen, voller Delikatesse gemalt. Auch die badische Markgräfin Karoline Luise hat der Hofmaler des französischen Königs, hat Boucher, feinsinnig verewigt.

Ausflug zu den Arps

Dann könnte es weitergehen, bald vielleicht, nach Weil am Rhein, im Vitra Museum west- und ostdeutsches Design aus den Jahren 1949 bis 1989 anschauen. Erst mal dort, noch über die Grenze nach Basel? Hätte der Tag nur 48 Stunden, zu den Arps könnte es hingehen. Zu Jean (1886 bis 1966), der in der Oase der Fondation Beyeler nebst Rodin ausgestellt wird. Zur hinreißend-avantgardistischen, multitalentierten Sophie Taeuber-Arp (1889 bis 1943), der das Kunstmuseum eine umfassende Retrospektive widmet. Oder doch nach Frankfurt? In die andere Richtung also, zu Gilbert & George in die Schirn und über den Holbein Steg zu „Städels Beckmann, Beckmanns Städel“? Oder gar nach Bielefeld, wo das Kunstforum Hermann Steiner 100 Gemälde des Speyerers Hans Purrmann zeigt. Oder lieber Potsdam?

Mit Rembrandt im Orient

Im Museum Barberini dort ist man jedenfalls, wenn schon nicht real, dann immerhin mit Rembrandt im Orient. In Dresden, nicht so weit weg von der Hauptstadt, eine Stunde, sind dann – wenn es denn so kommt – ab 4. Juni im Semperbau am Zwinger die meditativen häuslichen Szenen des brillanten Jan Vermeer (1632 bis 1675) ausgestellt. Einer der Hauptvertreter des Goldenen Zeitalters der holländischen Malerei. Vergessen sind vor Gemälden wie „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ das Homeoffice am Küchentisch und das Schmutzgeschirr in der Spüle, sind Slack, Teams und die unterbrochene Verbindung zur Citrix-App. Und die Sehnsucht wächst. Um sie weiter anzustacheln und vorerst – in Gedanken – zu stillen, bieten sich Schauen wie „Bon Voyage“ im Ludwig Museum in Aachen an. „Gute Reise“, ach.

Zu sehen sind 100 Werke von 60 Künstlerinnen und Künstlern. Marianne Faithfull schickt von irgendwoher Faxe mit Zeichnungen, die sie mit dem Smartphone macht. Von Hiroyuki Masuyama hängt ein 27-Meter-Fries mit Fotos aus, die er vom Flugzeug aus gemacht hat. Dazu läuft das Video von der Aktion „I like America and America likes me“, bei der, abgeschottet von allem in einem Käfig, Joseph Beuys viel Zeit mit einem Kojoten verbrachte. Der große Schamane der Kunst wäre dieses Jahr im Mai 100 Jahre alt geworden. Die Feierlichkeiten beginnen.

Feier für Beuys

Am 26. März will die Stuttgarter Staatsgalerie, dort ist gerade die Schau „Mit allen Sinnen. Französischer Impressionismus“ bis 4. Juli verlängert worden, die Beuys-Jubiläumsausstellung „Der Raumkurator“ eröffnen. Hoffentlich klappt es auch.

Kann auch sein, dass das hier ein kurzes Frühlingserwachen der Museen wird. Letzte Meldung: Die Mannheimer Museen, allen voran die Kunsthalle, wo die große, großartige Anselm-Kiefer-Ausstellung über die Bühne geht, ist wegen hoher Inzidenzwerte in der Stadt schon wieder dicht.

Die Ausstellungen

  • „Die Sprache der Dinge – Angewandte Kunst der Lotte Reimers-Stiftung“; Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern; bis 18. April; „Anthro Polis. Mensch und Stadt im Werk von Klaus Hack“; 19. März bis 6. Juni.
  • „Medicus – die Macht des Wissens“; im Historischen Museum der Pfalz in Speyer; bis 13. Juni; www.museum-speyer.de
  • „Andreas Gursky“; im Museum der bildenden Künste Leipzig; 25. März bis 22. August; www.mdbk.de
  • „Andy Warhol Now“; Museum Ludwig, Köln; bis 13. Juni; www.museum-ludwig.de
  • „Georges Braque. Tanz der Formen“; Bucerius Kunst Forum, Hamburg; bis 30. April. www.buceriuskunstforum.de
  • „Giorgio de Chirico. Magische Wirklichkeit“; Hamburger Kunsthalle; bis 25. April. hamburger-kunsthalle.de
  • „Francois Boucher“; in der Kunsthalle Karlsruhe; bis 5. April; www.kunsthalle-karlsruhe.de
  • „Rodin/Arp“; Fondation Beyeler, Basel; bis 16. Mai; www.fondationbeyeler.ch
  • „Sophie Taeuber-Arp. Gelebte Abstraktion“; Kunstmuseum Basel; 20. März bis 20. Juni.
  • „Gilbert & George“; Kunsthalle Schirn, Frankfurt; bis 16. Mai; www.schirn.de
  • „Städels Beckmann, Beckmanns Städel“, Städel, Frankfurt; bis 29. August. www.städelmuseum.de
  • „Rembrandts Orient. Westöstliche Begegnung in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts“; Museum Barberini, Potsdam; bis 27. Juni; www.museum-berberini.de
  • „Johannes Vermeer. Vom Innehalten“; Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden; 4. Juni bis 12. September. https://gemaeldegalerie.skd.museum
  • „Bon Voyage! Reisen in der Kunst der Gegenwart“; Ludwig Museum, Aachen; bis 16. Mai; www.ludwig-forum.de
  • „Joseph Beuys. Der Raumkurator“; Staatsgalerie Stuttgart; 26. März bis 28. Juli; außerdem wurde dort die Schau „Mit allen Sinnen. Französischer Impressionismus“ bis 4. Juli verlängert; www.staatsgalerie.de
Ganz anderer Blick auf die Kunst: Andreas Gursky.
Ganz anderer Blick auf die Kunst: Andreas Gursky.
 Auch sehr begehrt: Francois-Boucher-Schau in Karlsruhe.
Auch sehr begehrt: Francois-Boucher-Schau in Karlsruhe.
Strenge Regeln in der Braque-Schau in Hamburg.
Strenge Regeln in der Braque-Schau in Hamburg.
Schon wieder dicht: Wegen der hohen Inzidenzzahlen in der Stadt ist die Ausstellung mit Werken von Anselm Kiefer nicht live zu s
Schon wieder dicht: Wegen der hohen Inzidenzzahlen in der Stadt ist die Ausstellung mit Werken von Anselm Kiefer nicht live zu sehen.
Der Titel hätte wunderbar gepasst: Tänzer in der abgelaufenen Adolf-Luther-Ausstellung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern.
Der Titel hätte wunderbar gepasst: Tänzer in der abgelaufenen Adolf-Luther-Ausstellung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern.
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