Literatur RHEINPFALZ Plus Artikel Die Welt, ein Horror: Deutscher Buchpreis für Dorothee Elmiger

„ich wollte die Gegenwart einfangen, wie ich sie empfinde“: Preisträgerin Dorothee Elmiger.
»ich wollte die Gegenwart einfangen, wie ich sie empfinde«: Preisträgerin Dorothee Elmiger.

„Die Holländerinnen“ heißt Dorothee Elmigers düster-verzweifelter, in indirekter Rede geschriebener Roman. Eine True-Crime-Story, die keine ist.

Ein „faszinierender Trip ins Herz der Finsternis“, urteilte die Jury über „Die Holländerinnen“. Der Deutsche Buchpreis ist mit 25.000 Euro für die Preisträgerin dotiert. 229 Werke hatten sich für die Auszeichnung beworben.

Es ist kein einfaches Buch, das Dorothee Elmiger geschrieben hat, unfassbar, voller Referenzen, die sehr subtile, verschachtelte, selbstskeptische Verweigerung, eine straighte Geschichte zu erzählen. Elmiger hebt sich mit ihrem intellektuell abstrakten Buch sehr ab von den teils autofiktionalen Werken der fünf anderen final Nominierten.

In der Rahmenhandlung erzählt eine Schriftstellerin in ihrer Poetikvorlesung vor Studierenden die Geschichte voller dunkler Geheimnisse, abgründiger Storys und loser Enden. Ihre Folie ist ein realer Fall.

2014 sind zwei holländische Studentinnen beim Wandern im Dschungel von Panama verschwunden. Später fand man einen Rucksack, ihre Knochen – und auf einer Kamera Bilder, mit rätselhaften Aufnahmen. Äste im Wald, einen Vogelschwarm, den gottverlassenen Himmel im Blitzlichtgewitter.

Die Story läuft so, dass Elmiger den verschollenen Frauen Jahre später eine schräge Gruppe Europäer im Schlepptau eines eitlen Theatermachers hinterherschickt – vorgeblich, um ein dokumentarisches Stück über das Verschwinden der beiden Holländerinnen zu inszenieren. Tatsächlich gerät die Truppe, zu der unter anderem ein Mädchenchor gehört, nur immer tiefer in den unergründlichen Dschungel.

Nichts löst sich auf. Es wird immer dunkler. Es regnet Hunde. Die Ziellosigkeit nimmt zu. Man erzählt sich abgründige, wüste, verstörende Geschichten. Ständig hat man das Gefühl, das etwas lauert. Der blanke, soghaft umkreiste Horror, der, wie es einmal heißt, außerhalb der Sprache liegt.

Sie sei selbst erschrocken, wie dunkel und düster ihr Roman streckenweise sei, sagte die Preisträgerin bei der Preisverleihung am Montagabend im Frankfurter Römer. Aber er fange die Gegenwart ein, „wie ich sie empfinde“. Die Schriftstellerin im Buch fasst das so: Sie habe versucht, das „erratische, grundlose Wesen der Welt“, das „klaftertiefe, abyssische Nichts“ zu beschreiben. Das ist ihr auf eine herausfordernd überwältigende Art gelungen.

Lesezeichen

Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen“; Hanser, München; 160 Seiten; 23 Euro.

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