Kaiserslautern Die neue Spielzeit am Pfalztheater: Daniele Squeo auf Abschiedstour
Die Spielzeit 2026/27 am Pfalztheater in Kaiserslautern ist ja nicht nur die erste für Daniel Böhm als „ordentlicher“ künstlerischer Direktor – nachdem er diese Funktion zuvor kommissarisch und in der Interimsspielzeit ausgefüllt hatte. Es ist auch die letzte von Generalmusikdirektor Daniele Squeo.
Der hat in den sieben Jahren an dem einzigen Dreispartenhaus der Pfalz nicht nur eine Erfolgsgeschichte zusammen mit der Pfalzharmonie geschrieben, mit herausragenden Wagner-, Verdi-, Puccini- oder Strauss-Dirigaten. Er hat auch einiges erlebt, wie er bei der Vorstellung des neuen Spielplans im Pfalztheater erzählt. „Ich bin sehr dankbar darüber, wie diese sieben Jahre verlaufen sind. Ich habe in dieser Zeit alles erlebt, was man an einem Theater erleben kann: Corona, Interimsdirektion, Wasserschaden, Leitungswechsel. Es waren sehr herausfordernde Jahre, aber ich habe mich immer sehr wohl gefühlt.“
Die Suche nach dem Squeo-Nachfolger läuft
Die Suche nach einem Nachfolger hat bereits begonnen. So wurden „Don-Giovanni“-Vorstellungen von Bewerbern dirigiert. Und im Oktober soll es dann richtig ernst werden, wie Daniel Böhm berichtet. Ein Pfalztheaterkonzert und ein Sinfoniekonzert werden dann von jenen beiden Kandidaten übernommen, zwischen denen letztlich die Entscheidung fallen soll.
Noch aber darf sich das Kaiserslauterer Publikum auf eine Spielzeit mit Squeo freuen. Und dem erfüllt das Theater mit dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss und „Aida“ von Giuseppe Verdi auch zwei besondere Wünsche. Wie Andreas Bronkalla auf Nachfrage berichtet, gab es die beiden Opern zuletzt 1995 in der Eröffnungsspielzeit des neuen Hauses beziehungsweise im Jahr 2000. Es wurde also tatsächlich wieder Zeit. Mit Cole Porters „Kiss me, Kate“, mit dem die Spielzeit am 19. September eröffnet wird, und Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ wird es sowohl ein Musical als auch eine Operette geben. Die vermeintliche leichte Muse ist also im Musiktheater stark vertreten. Böhm erklärt dies so: „Wir haben uns dafür entschieden, pro Spielzeit ein Musical und eine Operette zu machen, und zwar auf dringenden Wunsch des Publikums.“
Die Publikumszahlen steigen wieder
Das ist sicherlich auch im Sinne von Hans-Ulrich Ihlenfeld, der als Bezirkstagsvorsitzender ja dem Träger des Hauses vorsteht: „Wir haben im Moment einen Lauf. Die Publikumszahlen steigen wieder und haben mittlerweile das Niveau aus der Vor-Corona-Zeit erreicht“, verkündet er stolz zum Abschied der Programmvorstellung. So nachvollziehbar und wichtig es auch ist, auf den Willen des Publikums einzugehen. Ein mit öffentlichen Geldern subventioniertes Theater darf sich natürlich nicht in die völlige Abhängigkeit vom Publikumsgeschmack begeben. Es muss auch selbst Akzente und Themen setzen. Das sieht auch Böhm so: „Wir wollen fordern und herausfordern, aber wir wollen auch gute Unterhaltung bieten. Es ist für jeden etwas dabei, aber wir haben bei der Planung auch die aktuellen Probleme und Krisen im Blick behalten.“
Bei Henry Purcells Semi-Oper „King Arthur“ aus dem 17. Jahrhundert werden – wie in dieser Spielzeit bei „Frankenstein“ – wieder alle Sparten des Pfalztheaters zusammenarbeiten, wobei das Junge Pfalztheater (JUP) mit „King A“ eine „Ode an jedes Ritterherz“ zu dem Thema beisteuern wird. Ebenfalls aus dem JUP kommt die Kammeroper mit Musik von Georg Friedrich Händel mit dem Titel „Fliegen die Raben noch“, mit welcher das Theater der Stadt zum 750. Geburtstag gratuliert. Neben Klassikern des Kindertheaters wie „O wie schön ist Panama“ und „Der Räuber Hotzenplotz“ hofft die Kinder- und Jugendtheatersparte auch auf den Besuch von Fußballweltmeister Christoph Kramer, dessen Roman „Das Leben fing im Sommer an“ man auf die Bühne bringen wird.
Viel Gegenwartsdramatik
Im Schauspiel setzt man vor allem auf der Werkstattbühne auf die Gegenwartsdramatik. „Kein Stück ist älter als fünf Jahre“, betont Schauspieldirektor Stephan Beer. Mit „Drei Schwestern“ nach dem gleichnamigen Roman des Kaiserslauterer Autors Christian Baron und dem Gewinnerstück des Else-Lasker-Schüler-Preises, „Herz-Emoji, Bizeps“ von Fayer Koch, wird es auch zwei Uraufführungen geben. Im Großen Haus kommen unter anderem eine Dramatisierung des Romans „Der große Gatsby“ des amerikanischen Autos F. Scott Fitzgerald und die Theaterversion des Krimis „Tod auf dem Nil“ von Agatha Christie auf die Bühne. Drei neue Produktionen wird es auch in der Ballettsparte geben, darunter „Der Tod und das Mädchen“ mit Musik von Franz Schubert des international erfolgreichen Choreographen Iván Pérez.