Meinung Die Generation Z und das Do-it-Yourself: Papa macht das schon

Wie geht das? Symbolbild.
Wie geht das? Symbolbild.

Die Generation Z hat Probleme, eine Glühbirne zu wechseln, eigentlich clever. Aber die Baumarktbranche bangt.

Die Gen Z, süß, die zwischen 1995 bis 2010 Geborenen, sind die Lieblinge unserer altherrenhaften Selbstvergewisserung. Das heißt für unsereins ist die von ihnen angeblich angestrebte 25-Stundenwoche (bei vollem Lohnausgleich) ja schon an einem Arbeitstag längstens erreicht, mindestens. An Homeoffice im Maurerhandwerk war unseres Wissens früher auch nicht zu denken. Die Anrechnung eines Fehlers in der Mathearbeit haben wir jedenfalls nicht als Mobbing verbucht. Diese Zahlen hier aber wärmen einem beidseitig linkshändigen Talent wie mir, obwohl alt, dann doch das sanfte, zugeneigte Herz.

So gaben bei einer Studie 22 Prozent der Nachkommenschaft an, keine Glühbirne wechseln zu können und lieber einen Profireparateur, vulgo Elektriker dafür zu bestellen. Weitere 22 Prozent bitten ihre Eltern. Begründung: Ihnen sei das zu gefährlich. Gut jeder Zehnte kann kein Bild aufhängen, jeder Fünfte vermag es nicht, einen Schraubenschlüssel zu identifizieren. Und immerhin 30 Prozent stehen dem Begriff Schlitzschraubendreher ratlos gegenüber wie der Rest der Welt Ludwig Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus. Ein Baumarkt muss den, na ja, Jungspunden womöglich wie ein E-Book mit sieben mal sieben Siegeln vorkommen. Die Branche macht sich, wie zu hören ist, Sorgen. Um Fachkräftenachwuchs, Kundschaft.

Schon sieht man Rentner das übrig gebliebene Fachpersonal mit dem Rollator vor Nachfragen nach Doppelmuffen durch museale Gänge flüchten, während Gen-Z-Baumarkt-Azubis vergeblich die Holzabteilung suchen, in der sie gerade praktizieren, wenn sie die Zeit dafür erübrigen können. Armes Deutschland, oder wie das sonst im Volksmund heißt: Die Entfremdung der buchstäblich letzten Generation vom Eigentlichen, einer ansonsten transzendental obdachlosen Heimwerkerexistenz, ist selbstverständlich Demokratie-gefährdend.

Letzte Agora: der Baumarkt.
Letzte Agora: der Baumarkt.

Also eingedenk, dass der Baumarkt, samstags, die letzte verbleibende Bastion und Agora einer gespaltenen Gesellschaft darstellt, in der Mann über Dispersionsfarbe und Akku-Schrauber-Aufsatz zu sich selbst und einer Gemeinschaft seinesgleichen findet. Und SIE erst einmal für ein paar Stunden ihre Ruhe hat, um über die multipolare Weltordnung nachzudenken. Soll es denn wirklich vorbei sein das, wie Reinhard Mey es besang, „unbänd’ge Verlangen“, das „Männer im Baumarkt“ gierig mit glühenden Wangen zu Kneif-, Flach- und zu Rohrzangen treibt? Ach! Es wäre ein böser Rückfall in den Vormärz der „Do-it-yourself“-Bewegung, zurück in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als der Herr Papa noch angelegentlich eines kaputten Rohrs in der Spüle den Klempner rief. Die Branche jedenfalls hat unbändig reagiert. Und so bieten die großen Baumarktketten speziell für neun bis 16-Jährige gemachte Apps und Online-Kurse an, oder betreiben eigene Youtube-Kanäle, auf denen GenZs im Vorlauf ihrer Karriere dort im Baumarkt „Verstecken extrem“ spielen und „Horror“-Videos zu Renovierungsarbeiten laufen. Schauerlich. Derweil tun sich schon an anderer Stelle neue Abgründe auf. In Sachen Auto, einem anderen, darbenden deutschen Kerngeschäft. So weiß die Hälfte der Gen-Z-Befragten in der besagten Studie nicht, wie man einen Autoreifen aufpumpt und lässt sich an der Tankstelle jedes Mal helfen. Und für ein Fünftel ist unklar, wie man ein Auto sauber macht. Sie bezahlen dafür. Oder betteln ihre Eltern an. Clever eigentlich, eine Win-Win-Win Situation, Auto wird sauber, die Gen Z chillt, und uns Alten bleibt unser stolzes, überlegendes, selbstgewisses Kopfschütteln.

x