Nachruf Der sanfte Blueser: Zum Tod des Musikers Chris Rea
„Driving Home For Christmas“ ist bereits 1986 erschienen, doch ist der Titel, in dem die rauchige Stimme von Chris Rea tatsächlich so klingt, als säße der Musiker gerade im Auto, besonders auch in Deutschland in der Winterzeit allgegenwärtig. Autos schätzte der Musiker tatsächlich, zumindest nutzte er seine Assoziation damit auch in der Öffentlichkeit: Zu Jahresbeginn ließ er seinen Mini versteigern – für einen guten Zweck, eine Organisation, die sich um Opfer häuslichen Missbrauchs kümmert. Das Auto war extra für ihn gebaut worden, wobei der Text von „Driving Home For Christmas“ im Innern des Wagens eingraviert war. 2024 hatte er bereits einen Ferrari aus seinem Besitz versteigern lassen.
Geboren worden war der Künstler am 4. März 1951 in Middlesbrough, er stammt aus einer italienisch-irischen Arbeiterfamilie. Erst mit knapp 20 Jahren begann er, Gitarre zu spielen, obwohl er lange von einer Karriere als Filmmusiker geträumt hatte. Seinen Durchbruch feierte Rea 1978 in den USA mit der Single „Fool If You Think It’s Over“. In den 80er Jahren machte er sich mit Titeln wie „Josephine“ einen Namen in Deutschland und Europa. In seiner Heimat Großbritannien erklomm er jedoch erst 1989 die Charts mit „The Road To Hell“, dann mit „Auberge“. Nahezu 30 Millionen Platten verkaufte der introvertierte Blues- und Rockstar insgesamt.
Im Frühjahr 2000 war bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt worden. Die Drüse und Teile des Magens wurden operativ entfernt. Seine offizielle Abschiedstour gab Chris Rea daher bereits 2006. Auf der bewegenden „Road To Hell and Back Farewell“-Tour wusste jeder, dass er den „Weg zur Hölle und zurück“ schon hinter sich gebracht hatte. Seither konnte Rea nur mit Medikamenten überleben. Er konzentrierte sich aufs Malen und nahm Bluesmusik im eigenen Studio auf.
Im Dezember 2016 erlitt er einen Schlaganfall. Dennoch tourte er ein Jahr später mit seinem neuen Album „Road Songs For Lovers“, wobei er in Oxford auf der Bühne zusammenbrach. Nun ist Rea „nach kurzer Krankheit“, wie es die Familie schrieb, gestorben. Der Musiker hinterlässt seine Ehefrau Joan und zwei erwachsene Töchter.