Kultur
Der Fernsehkrimi-Check: Ab in die Hölle mit Adele Neubauer
Es könnte eine Begegnung dreier Fernseh-Ermittler sein, wenn Florian Martens und Stefanie Stappenbeck auf Lina Wendel treffen: das eingespielte Kommissars-Duo aus der ZDF-Krimi-Reihe „Ein starkes Team“ auf „Die Füchsin“ vom Ersten. In „Ein starkes Team: Mörderische Gier“ (16. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) gerät nach der Tötung einer Mitarbeiterin im Hausmeisterservice jedoch Wendel als Mieterin im Wohnblock unter Verdacht, ebenso wie der Bruder der Toten. Der Mannheimer Schauspieler Leonard Kunz („Ein Mann seiner Klasse“), der lange Jahre in der Pfalz zu Hause war, spielt ihn.
Grund genug eigentlich, einzuschalten, aber lohnender ist dann doch noch der deutsch-österreichische Krimi „Mama ist die Best(i)e“. Ein gut unterhaltender Zweiteiler, der komplett am Montag, dem 18. Mai, ab 20.15 Uhr im ZDF, unterbrochen nur vom „heute journal“, fast bis Mitternacht läuft. Stefanie Stappenbeck, wie im „Starken Team“ auch hier mit dabei, einmal als Kommissarin Linett Wachow und einmal als „Mamas“ Schwiegertochter Stella Almeda, verbindet die Krimis gewissermaßen.
Die Heldin des breit angelegten Zweiteilers, Mama und Biest zugleich, Schlossherrin und Rächerin obendrein, ist ihre Schwiegermutter Gloria Almeda, das Oberhaupt einer Familie zum Fürchten. „Rache!“ ist eines der ersten Worte, das sie ausstößt, und genau darum geht es ihr nach einem sehr einsamen Jahrzehnt im Gefängnis. Unschuldig, wie sie selbst sagt, verurteilt wegen eines Brandanschlags im familieneigenen Gartenpavillon und Mordes an ihrem Ehemann sowie versuchten Mordes an seiner Geliebten.
Adele Neuhauser, die die im Herbst scheidende Wiener „Tatort“-Ermittlerin Bibi Fellner spielt, verkörpert gleichsam zwei Titelheldinnen in einer: In zahlreichen Rückblenden, die unnötig immer mit einem sogartigen Geräusch beginnen und enden, mimt sie sowohl die bunt-lebenslustige Gloria vor den Verbrechen als auch die gealterte Haftentlassene, die auf Rache sinnt, doch dafür erst einmal den wahren Täter aufspüren muss. Den vermutet sie im eigenen Haus, dem eigenen Schlösschen vielmehr, einem stattlichen Anwesen, das genauso gut in England stehen könnte wie in Niederösterreich, wo gedreht wurde.
„Ab in die Hölle“, kommentiert Gloria, bevor sie ihr Schloss zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder betritt. Hier findet sie sich tatsächlich von einer Familie umgeben, die nur im Gegeneinander funktioniert und in der Gemeinheiten, Drohungen und die Falschheit regieren. Zur glänzenden Besetzung zählen Krimi-Promis wie Fanny Krausz aus „Die Toten von Salzburg“, Roland Koch aus dem Bodensee-„Tatort“, Lara Mandoki aus dem „Erzgebirgskrimi“ und mit Miriam Fussenegger auch Neuhausers Nachfolgerin im ORF-„Tatort“. Ein starkes Team sozusagen in einem High-Society-Krimi mit Tendenz zur Komödie. Aglaia Szyszkowitz, einst ZDF-Kommissarin Jenny Berlin, ist Kommissarin Regula Fritsch, die von Anfang an einen Verdacht hegt.