Kino
Deftiger Humor: „Monsieur Robert kennt kein Pardon“
Die Story mutet arg albern an: Robert Poutifard, ein Lehrer im Ruhestand (Christian Clavier), rächt sich an einer Gruppe ehemaliger Schülerinnen und Schüler, die ihm einst das Leben zur Hölle gemacht haben. Sonderlich subtil ist das tatsächlich nicht. Aber der krachlederne Humor funktioniert, weil hinter allen groben Scherzen die Pein einer geschundenen Seele zu spüren ist, sichtbar gemacht von Hauptdarsteller Christian Clavier.
Wilde Rache-Fantasien eines Lehrers
Als Zuschauer ist man zunächst fest an der Seite des späten Rächers. Rückblenden zeigen nämlich, welch fiese Streiche die Halbwüchsigen Monsieur Robert einst gespielt haben. Man versteht, dass er im Geiste Rache-Fantasien durchexerziert. Setzt er die dann allerdings in die Tat um, hört das Verständnis auf. Denn was er tut, ist weder klug zu nennen noch gut zu heißen. Man ahnt rasch, dass der pensionierte Pädagoge im Laufe der Ereignisse entweder gehörig auf die Schnauze fliegen oder geläutert werden wird. Wobei ihm letzteres insbesondere seine hochbetagte Frau Mama (Isabelle Nanty) schwer macht. Sie treibt ihren Sprössling nämlich voller Durchtriebenheit zum Bösen. Ihr Einfallsreichtum, was verwerfliche Aktionen gegen andere Menschen angeht, ist weitaus größer als der, den die kindlichen Quälgeister einst gegenüber ihrem Sohn an den Tag gelegt haben …
Romantik und Nostalgie wie in der legendären, immer wieder im deutschen Fernsehen zu sehenden deutschen Schul-Klamotte „Die Feuerzangenbowle“ haben hier keine Chance. Knallhart geht es zu. Lernende sind meist fies, Lehrende überwiegend lächerlich. Regisseur Pierre-François Martin-Laval und seine beiden Drehbuch-Mitautoren setzen überwiegend auf Brutalo-Witze. Da wird zum Beispiel einem widerwärtigen Sternekoch genüsslich Saures gelehrt. Der Einsatz eines Kampfhundes macht’s möglich. In diesen Szenen dominiert bissiger Witz.
Nur noch ein Nervenbündel
In der Folge wird’s lauer. Denn Robert wird mehr und mehr zum überdrehten Nervenbündel in der Tradition von Louis de Funès. Der legendäre Kassenmagnet der 1960er und 70er Jahre folgte in Hits wie „Der Gendarm von St. Tropez“ oder „Balduin, der Ferienschreck“ gern dem Motto „Schadenfreude, schönste Freude“. Das hat damals perfekt funktioniert. Bei einem Mann unserer Tage mutet es auf Dauer recht altbacken an.
Christian Clavier trägt den Film
Der Film bezieht seinen Reiz überwiegend aus der Präsenz von Christian Clavier im Part des ergrauten Ex-Paukers. Er zieht viel komödiantische Kraft aus Pointen, die von körperlichen Großeinsätzen herrühren. Grimassen-Schneiden kann er perfekt. Aber er bietet mehr: In einigen verhaltenen Momenten spiegelt er mit wenig Aufwand und fast wortlos die Verletzungen einer lebenslang gequälten Seele. Da kriegt die überdrehte Farce dann eine verblüffende Tiefe. Doch vor allem kommen Kinofans auf ihre Kosten, die es deftig mögen. Schmunzeln ist selten angesagt. Der Film will lautes Lachen provozieren. Das gelingt.