Comics RHEINPFALZ Plus Artikel Das neue Lucky-Luke-Abenteuer „Fackeln im Baumwollfeld“

Im Reich des weißen Goldes: Lucky Luke und Jolly Jumper.
Im Reich des weißen Goldes: Lucky Luke und Jolly Jumper.

Die unrühmliche Geschichte rassistischer Darstellungen im europäischen Comic reicht weit zurück. Der Belgier Hergé schuf mit „Tim und Struppi“ einen Meilenstein der „Neunten Kunst“. Das frühe Album „Tim im Kongo“ indes muss man inzwischen mit spitzen Fingern anfassen, treten die schwarzen Bewohner des damaligen Belgisch-Kongo doch mit roten wulstigen Lippen auf und werden durchweg als naiv und kindisch charakterisiert. Vor 90 Jahren gelang es Hergé nicht, sich von kolonialistischen Vorurteilen freizumachen.

Rassismus in den Asterix-Bänden

Auch der dunkelhäutige Pirat aus dem Schiffsausguck in den Asterix-Bänden ist samt Sprachfehler ein Beispiel für als nicht mehr zeitgemäß erachtete Figuren. Karikierende Überzeichnungen sind ein Stilmittel des Comics; doch der Spaß hört bei der pauschalen Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen auf. Heute herrscht glücklicherweise mehr Sensibilität, das Bewusstsein für diese Problematik ist gewachsen.

Dass es besser geht und dabei das Lesevergnügen nicht auf der Strecke bleibt, beweist nun auf eindrucksvolle Weise das neue Album mit dem Westernhelden Lucky Luke. Auch in dessen Geschichten tauchten US-Minderheiten vielfach als plumpe Stereotype auf: der faule Mexikaner unter dem Sombrero, der gelbhäutige Chinese mit Zopf, die um den Marterpfahl tanzenden Indianer. Die schwarze Bevölkerung spielte selten eine große Rolle. Der Szenarist Jul und der Zeichner Achdé ändern das in ihrer nun dritten Zusammenarbeit.

Lucky Luke in den Südstaaten

In „Fackeln im Baumwollfeld“ verschlägt es den einsamen Cowboy das erste Mal so richtig in die Südstaaten nach dem Bürgerkrieg. Eine Witwe und große Verehrerin hat ihm ausgedehnte Baumwollfelder in Louisiana vermacht: Ohne es zu wollen, ist Lucky Luke auf einmal Eigentümer einer Plantage. Die will er eigentlich unter seinen schwarzen Arbeitern aufteilen. Entsetzt muss Luke aber feststellen, dass die einstigen Sklaven von den Gutsbesitzern der Umgebung terrorisiert werden. Ein Freund aus dem Westen hilft dem Helden am Ende aus den Fängen des Ku-Klux-Klans: Bass Reeve, der erste Schwarze, der westlich des Mississippi Hilfsmarshall wurde.

Solch historisch verbürgtes Personal gehörte schon immer dazu. Die Bezüge zur US-amerikanischen Geschichte, Parodien und Anspielungen sind ein Markenzeichen der von dem Belgier Maurice de Bevere alias Morris Ende der 1940er erfundenen Comic-Serie. Zeichner Achdé, der seit Morris’ Tod 2001 die Reihe zusammen mit wechselnden Szenaristen verantwortet, behält das mit Autor Jul bei. So machten sie in „Das gelobte Land“ das osteuropäische Judentum in den USA zum Thema.

Was den neuesten Band auszeichnet: Er behandelt ein grausames Kapitel der US-Geschichte, das bis heute nachwirkt – die Sklaverei und den damit verbundenen Rassismus. Donald Trump, die Bewegung „Black Lives Matter“ und der Wahn weißer Vorherrschaft kommen in den Sinn, wobei laut dem Autor die aktuellen Bezüge eher zufällig sind.

Keine klischeehaften Darstellungen

Die Künstler nehmen jedenfalls die schwarzen Figuren ernst, verzichten auf klischeehafte Darstellungen. Mit erstaunlicher Leichtigkeit verbinden sie ernste Töne mit dem humoristischen Charakter der Serie. „Fackeln im Baumwollfeld“ hat keine hohe Gagdichte, ist dafür komplex und spannend erzählt. Klischees vom alten amerikanischen Süden, wie man ihn aus „Vom Winde verweht“ kennt, lassen die ausdrucksstarken Bilder durchaus aufleben. Aber es kommen nie Zweifel auf, was von der vermeintlich ehrenwerten weißen Gesellschaft dort zu halten ist. Da bleibt selbst der einsame Cowboy nicht mehr so cool und gelassen wie sonst und zeigt deutlich seine Verachtung.

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