Festival des deutschen Films „Darf sich nicht zu ernst nehmen“: Ein Abend mit Uwe Ochsenknecht

Wortgewandter Schlagabtausch: Uwe Ochsenknecht mit Filmkritiker Josef Schnelle und Festivalleiter Michael Kötz.
Wortgewandter Schlagabtausch: Uwe Ochsenknecht mit Filmkritiker Josef Schnelle und Festivalleiter Michael Kötz.

Kurpfälzisch kann er noch. Und Comedy auch: Der in Mannheim aufgewachsene Uwe Ochsenknecht hat sich auf der rappelvollen Parkinsel einen Preis für Schauspielkunst abgeholt.

Das Gedränge ist fast schlimmer als auf dem Wurstmarkt, an diesem späteren Parkinsel-Abend zwischen Kinos und Gesprächszelt, in dem Ochsenknecht nach der Verleihung des Preises und der Vorführung der Tragikomödie „Die Ironie des Lebens“ schlagfertig Rede und Antwort steht. Geduldig warten die Fans, teils auf dem Boden sitzend, auf den nahbaren Star, der mit Bonmots unterhält wie „Ich wollte immer berühmt werden, aber mit Qualität“. Das könnte sehr großspurig klingen, doch Uwe Ochsenknecht beherrscht die Kunst, solche Sätze gleich wieder einzufangen: mit Verweisen auf Demut, die er mit dem Alter gelernt habe. Und darauf, dass ein Schauspieler ohnehin nie auslerne. Außerdem: „Man darf sich nicht zu ernst nehmen, sonst wird es manchmal kompliziert im Leben.“

Es macht Spaß, dem 69-Jährigen zuzuhören, der wie seine Figur in „Die Ironie des Lebens“, ein erfolgreicher, aber einsam gewordener Comedian, mit dem Altern etwas hadert. Als „Lebenswerkpreis“ möchte er die Ludwigshafener Ehrung für Schauspielkunst jedenfalls nicht verstanden wissen. „Dann hätte ich den Preis nicht angenommen“, sagt er fast empört. Das Wort „Kunst“ im Preistitel aber gefällt ihm. Schließlich ist für ihn der Beruf in seinem Leben weiter die Nummer Eins, komme vor allem anderen, verrät er noch und zeichnet sich als Getriebenen, wenn er gefragt wird, warum er diesen Beruf gewählt hat: „Es ging um das Bedürfnis, das machen zu wollen – oder auch zu müssen. Das ist ja nicht etwas, das man sich aussucht, sondern es verlangt nach einem.“

Empfang am roten Teppich: Uwe Ochsenknecht mit den Festivalleitern Daniela und Michael Kötz.
Empfang am roten Teppich: Uwe Ochsenknecht mit den Festivalleitern Daniela und Michael Kötz.

Über sein Aufwachsen in Mannheim-Walldorf plaudert er aber auch – natürlich gibt es da beim Publikum auch patriotische Empörung. Ochsenknecht braucht ein wenig, um zu verstehen, dass es nicht nur um die Rivalität der Städte Ludwigshafen und Mannheim geht, sondern dass wohl auch Fußballfans aus Kaiserslautern unter den Kinofreunden sind. Schließlich ist er, wenn es um Zuschauersport geht, dem Tennis verfallen, wie sein Regisseur Markus Goller bestätigt, der mit „25 km/h“ mit Bjarne Mädel und Lars Eidinger sein gutes Händchen für kluge Komödien gezeigt hat.

Gefragter Interviewpartner: Uwe Ochsenknecht auf der Ludwigshafener Parkinsel.
Gefragter Interviewpartner: Uwe Ochsenknecht auf der Ludwigshafener Parkinsel.

„Die Ironie des Lebens“ ist weniger vielschichtig, da reihen sich so manche Klischees aneinander – es geht um die Läuterung eines abwesenden Vaters und treulosen Ex-Ehemanns im Angesicht des nahenden Todes seiner früheren Frau. Dennoch zeigt der Film, den Ochsenknecht gerade wegen der großen Emotionalität zu seinen wichtigen zählt, tatsächlich, wie vielfältig er spielen kann. Das Herz des Films jedoch ist Corinna Harfouch als Ex-Frau des schwerreichen Comedians. Gerade in den Szenen mit ihr, vor allem, wenn beide miteinander Verse von Ton, Steine, Scherben singen, werden da schöne Zwischentöne spürbar. „Er hat das gut gemacht“, sagt Goller dazu schmunzelnd.

Eine verhängnisvolle Affäre? Sam Riley und Stacy Martin in „Islands!.
Eine verhängnisvolle Affäre? Sam Riley und Stacy Martin in "Islands!.

Einen Mann in der Sinnkrise spielt auch Sam Riley in Jan Ole Gersters Wettbewerbsfilm „Islands“. Als Tennislehrer (ein Thema, das auch Uwe Ochsenknecht interessieren dürfte) in einer Ferienanlage auf Fuerteventura arbeitet Tom dort, wo andere urlauben. Ein Traumjob aber ist das längst nicht. Flüchtiger Sex und Alkohol prägen seine Freizeit, Freunde und Familie hat er nicht. Als eine britische Urlauberin, verheiratet mit einem Tennisspieler, ihren Sohn zum Training anmeldet, ändert sich jedoch schlagartig Toms Leben: Er fühlt sich zu Anne hingezogen, kümmert sich liebevoll um den siebenjährigen Anton, vor allem als Annes Ehemann Dave nach einem Streifzug durch die Clubs der Insel verschwunden ist.

Und so entwickelt sich „Islands“ zum Thriller: Ist Dave tot? Hat Tom mit seinem Verschwinden zu tun, weil er sich an seiner Stelle in diese Kleinfamilie schleichen möchte? Jan Ole Gerster hält dies geschickt in der Schwebe, lässt das Publikum rätseln über das Innenleben dieses anfangs doch so frei von Emotionen und Antrieb wirkenden Tennislehrers. Auch wie Gerster die flirrende Hitze der Insel einfängt, zieht in den Bann, bisweilen fühlt man sich an „Nur die Sonne war Zeuge“ um Tom Ripley erinnert, oder auch an Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“ über verschwundene Schülerinnen im australischen Busch. Ein atmosphärisch dichtes Sommerdrama, das sich dann doch unerwartet auflöst.

Termine

„Die Ironie des Lebens“ läuft noch am 2. und 4. September, „Islands“ am 1., 2., 3. und 5. September, Details: www.fflu.de

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