Architektur Beste Bauten: Der BDA-Preis Rheinland-Pfalz, die Gewinner

Ausgezeichnet: Die KulturHalle in Schaidt.
Ausgezeichnet: Die KulturHalle in Schaidt.
Auch ein Hauptpreisträger: Hof Wendenius in Hainau.
Auch ein Hauptpreisträger: Hof Wendenius in Hainau.
Haupthaus des Hofes Wendenius.
Haupthaus des Hofes Wendenius.
Das dritte Siegerprojekt: Feuerwehrhaus in Ingelheim.
Das dritte Siegerprojekt: Feuerwehrhaus in Ingelheim.
Vorzeigeobjekt Altes Forsthaus in Hördt:
Vorzeigeobjekt Altes Forsthaus in Hördt:

Beim Wettbewerb um den Preis der Bunds Deutscher Architektinnen und Architekten Rheinland-Pfalz zeigt sich, was das Bauen auf dem Land bewirken kann. Die KulturHalle im Wörther Ortsteil Schaidt ist dabei eines der drei ausgezeichneten Projekte. Das Alte Forsthaus in Hördt und ein Wohnquartier in Speyer bekommen Anerkennungen. Über Architektur, die über sich hinausweist.

Schaidt liegt an einem Rand. Ein Ortsteil von Wörth. Der Rhein ein Stück entfernt. Unweit ist schon Frankreich. Dort, wo der Bienwald beginnt, verströmt seit Oktober 2020 die KulturHalle zwischen Fußballplatzplatz, Schießstand, einem Kiosk und abgestellten Wohnmobilen bodenständige Grandezza, wenn es das gibt. Ein flach gelagerter Holzbau, zwei aneinandergefügte Quader mit überhöhtem Dachrand. Das Fassadenrelief aus lasierter Lärche hat Rhythmus. In der vorgelagerten Kolonnade spielen Schatten. Sie filtert außen und innen, vom Vorplatz über die Flaniermeile des Foyers zum raumbreit verglasten Veranstaltungssaal samt Bühne. Der Blick reicht bis ins Draußen eines sich anschließenden Wäldchens. Ein bis ins Detail schönes, trotzig elegantes Gebäude. Und es funktioniert für Schaidt als Bühne des Vereins- und Gesellschaftslebens und Reverenz an die, die dort wohnen. Vielleicht auch diejenigen, die stadtflüchtig zuziehen wollen – die Bewegung des Moments.

Bauherrin ist die Stadt Wörth. Geplant hat die KulturHalle das Kaiserslauterer Büro AV1 Architekten. Gestern Abend in Mainz sind beide dafür beim alle drei Jahre verliehenen BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz geehrt worden, BDA wie Bund Deutscher Architektinnen und Architekten. Die Schaidter KulturHalle ist eines der drei Projekte, die eine Auszeichnung beim Wettbewerb der Standesorganisation erhalten haben. Als Sieger wie auch der edle Neubau des Feuerwehrhauses in Ingelheim von ww+ (Esch, Luxemburg), von dem aus die Region und der Boehringer Industriepark versorgt werden. Fast sakral erhebt sich die Zweckarchitektur mit einem, na ja, Kirchturm im Industriegebiet. Auffällig die massiven Fassadenelemente mit einer akribisch gestalteten Vorsatzschale aus dünenfarbenem Sichtbeton, dem Sande und Kiese aus dem Rheintal beigemischt worden sind. Innen flutet Tageslicht sinnfällig, das durchfunktionalisierte und -designte Haus beinhaltet –unter anderem –Fitnessräume und Ausruhzimmern in sehr gehobener Jugendherbergsqualität. Wie für einen Feuerwehrwerbefilm erstellt wirkt die Architektur, was kein Wunder ist. Denn ein Nebengrund der High-End-Sorgfalt, ist von den Verantwortlichen der Stadt Ingelheim zu erfahren, sei die Nachwuchswerbung für das ehrenamtliche Engagement gewesen.

Architektur für Hühner

40 Bewerbungen für den Wettbewerb um die besten rheinland-pfälzischen Bauten der vergangenen drei Jahre sind eingereicht worden. Aus Pfälzer Sicht kamen außer der ausgezeichneten Schaidter Kulturhalle und mit Anerkennungen geehrte Projekte in Hördt und Speyer auch noch der Umbau einer ehemaligen Landauer Reithalle von Thorsten Holch und Lamott Architekten und die Sanierung des Gemeindesaals der Kaiserslauterer Lutherkirche von bayer uhrig architekten (Kaiserslautern) in die engere Auswahl. Die meisten Aspiranten, 14, fielen unter dem Rubrum Bauen für die Gemeinschaft. Auch ein publikumspreisverdächtiger Hühnerstall war in der Konkurrenz. Und die von a/sh sander.hofrichter (Ludwigshafen) sehr solide besorgte Sanierung des in einem barocken Palais befindlichen rheinland-pfälzischen Landtags. Für die würdevolle Behutsamkeit, mit der Alt und Neu verbunden sind und mit der der Plenarsaal in die räumlichen Dimensionen des Bestands integriert worden ist, haben das Land als Bauherr und das Büro eine Anerkennung bekommen. In dieselbe Preiskategorie fällt das Wohnquartier Q2 PARK_SIDE am Fluss in Speyer der Firma Deutsche Wohnwerte, geplant vom Karlsruher Büro Kränzle+Fischer-Wasels, das 2010 auch schon den städtebaulichen Wettbewerb für das Areal der Alten Ziegelei gewonnen hat.

Ein gebautes U am Flussufer, alle Wohnungen mit Rheinblick, Balkone, die zu einer teils gemeinschaftlich nutzbaren Grünfläche kragen. Was auffällt: die Fassadengestaltung mit einer beigefarbenen Klinkervorsatzschale und den scharfkantigen Fensterbänken aus Betonfertigteilen. Eine – bei Investorenprojekten – untypische, feinfühlige Großzügigkeit. Heißt auch, dass auch die Betrachter dieser neuen Speyerer 1A-Lage etwas davon haben. Fast eine Minimalanforderung an Architektur, die über sich hinausweisen will. Das Modellhafte einer Architektur ist schließlich eines der Preiskriterien.

Das Architektenpaar Heike Haack Lauerbach und Mathias Haack und die Gemeinde Hördt in der Südpfalz jedenfalls erfüllen den Anspruch mit der Sanierung des dortigen Alten Forsthaus par excellence. Der BDA-Jury unter dem Vorsitz der Weimarer Architektin Antje Osterwold war die Ertüchtigung des 120 Jahre alten Hauses zum Bürgerzentrum denn auch ebenfalls eine Anerkennung wert.

Das Alte Forsthaus steht in der Nähe des Klingbachs, jetzt ist es – sinnbildlich – gewissermaßen von einer Peripherie ins Zentrum des Ortes gerückt, in dem 2700 Menschen wohnen. Entstanden ist, unter freundlicher Mithilfe der von Anfang an teilhabenden Einwohnerschaft, ein multifunktionales Bürgerzentrum samt sachter Erweiterung des Bestandsbaus durch einen imposant überdachten Veranstaltungssaal. Im Erdgeschoss hat der Ortsbürgermeister temporär seinen Amtssitz. Unter dem Dach ist die Dauerausstellung „Wasser, Aue, Wandel“ eingerichtet, in der sich unter anderem eine Überflutungssituation simulieren lässt. Dabei wurde bei der Sanierung und dem Umbau so viel es geht an Funktionalität und charmanter Substanz erhalten. Und das alles dann achtsam fortgebaut. Ein identitätsstiftender Aufbruch ins Bestehende, der auch beim Hof Wendenius in Hainau im Taunus geprobt wird – aufs Schönste. Das Projekt eines Wiesbadener Ex-Werbers, der Debütbau des Mainzer Architekten Marc Flick ist das dritte, das ausgezeichnet worden ist.

Aufploppende Möglichkeiten

Ursprünglich war es lediglich als Wochenend- und Feriendomizil gedacht. Der neue Hausherr hat den zerfallen Dreiseithof aus dem Ende des 18. Jahrhunderts mit seinem zentralen Hofraum eher zufällig entdeckt. Daraus geworden ist der neue Fixpunkt der 169-Einwohner-Gemeinde.

Eigentlich sollten das Haupthaus und das Werkstattgebäude saniert werden. Dann ploppten immer neue Potenziale auf. Am giebelständigen Haupthaus tauchten ein Originalfenster und eine Fachwerkkonstruktion unter dem Zementputz auf. In einem der Zimmer war ein Wandgemälde mit Tapete zugekleistert. Ein zugeschütteter Brunnen wurde freigelegt und reaktiviert. Inzwischen ist der Hof ein denkmalgeschütztes Ensemble mit kleinem Außenpool, das Haupthaus ein Schlafhaus mit zwölf Betten, die anschließende Scheune ein Festsaal, die Remise ein Kinderhaus mit Boulderwand. Und im ehemaligen Werkstattgebäude residiert jetzt auf zwei Ebenen eine Wohnküchenlounge.

Für Hainauer und Hipster

Graubeige Naturschlämme betont die Reliefs der sanierten Fassaden. Dunkelgraue Wellblechdächer und neue, festverglaste Öffnungen verankern den Hof Wendenius in der Gegenwart. Die Außenräume rundum sind zudem so aktiviert, dass sie den Hof mit dem Ort verflechten. Den immer herzlich willkommenen Hainauern gefällt das genauso wie urlaubenden Hipstern und den zahlreichen Hochzeitsgesellschaften, die hier feiern. Und zwar so sehr, dass sich dort inzwischen eine Außenstelle des Standesamts befindet. 2021 war die für Wohn- und Designzeitschriften vielfotografierte Architektur im Übrigen für den Preis des Frankfurter Architekturmuseums nominiert. Aufgeführt im zugehörigen „Architekturführer Deutschland“ mit 99 ausgewählten Objekten. In der Ausgabe 2022 wird dann auch die KulturHalle in Schaidt stehen.

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