Kunst / Zweibrücken Berühmtes Kunst-Duo: Eva von Eva & Adele tot

Gelandet in Mörsbach, Zweibrücken: Eva (rechts) und Adele beim Spatenstich für eine Installation .
Gelandet in Mörsbach, Zweibrücken: Eva (rechts) und Adele beim Spatenstich für eine Installation .

2003 stellte das Einzigartigduo in der Zweibrücken-Mörsbacher Formart-Galerie KU/Hof aus – samt Riesenherz im Garten.

Eva ist tot, die andere Hälfte des Lebenskunst- und selbsternannten Zwillingspaars Eva & Adele. Das heißt: „EVA ist heute zurück in die Zukunft gegangen“, wie Adele auf Instagram schreibt: „Sie hat die Welt verlassen und die ewige Bühne betreten. Ihr Glaube an die Kraft der Kunst war unendlich. FUTURING“. Wie alt Eva wurde, wer weiß? Sie, mit Männerhintergrund womöglich, sprach mit österreichischem Akzent. Adele soll irgendwann als Adele Haas eine Keramikwerkstatt in Saarbrücken betrieben haben. Alles egal, für das Gesamtkunstwerk auf vier Pumps hat das Dasein sowieso erst mit dem Einswerden in ihrer eigenen Welt begonnen. Seit ihrer „Wedding Performance“ 1991 im Berliner Gropius Bau traten die beiden nur noch gemeinsam auf. In New York, Venedig, Kassel, Berlin sowieso, kann sein, dass ihr Erscheinen jedes schnöde Event erst zum Eigentlich-Ereignis nobilitierte. Ansonsten erwies sich die Gegenwart der für ihre Berühmtheit Berühmten fast schon als beredt genug.

Zeitreisende in Zweibrücken

Zu ihrer geschlechtsüberwindenden, Privatheit verweigernden Biografie indes haben die beiden mit dem Wohnmobil Zeitmaschinenreisenden sowieso immer nur ihre Körpergröße, Oberweite, Taille und den Hüftumfang angegeben. Eva zum Beispiel 176/101/81/96 beim Auftritt 2003 in der Formart-Galerie KU/Hof (heute QHof) in Zweibrücken-Mörsbach. Die Schädel kahl rasiert, kein Schimmer Haarflaum, Kajal-umrandete Augen, Lidschatten mit Glow, alles gleich, sogar das durable Lächeln auf den Lippen, ein identisches pinkfarbenes Kostümchen mit silberfarbenem Haifischflossenkragen an.

Ein Herz für die Künstlerinnen: Installation im Garten der Galerie KU/Hof, heute QHof.
Ein Herz für die Künstlerinnen: Installation im Garten der Galerie KU/Hof, heute QHof.

Eine Zeitlang lehnte dann im Mörsbacher Garten des Galeristen-Paars Petra Stricker und Gilbert Baier der riesengroße, herzförmige, pinkfarbene Aluminium-Scherenschnitt ihrer beider Gesichter auf einer Armada von Eisenstangen. Einige Werke von damals hütet Petra Stricker immer noch. Wie sie gestern tief betrübt sagte, kannte sie Adele schon als Einzelmensch, bevor diese als Zwillingswesen reüssierte – mit Aufnahmen zuerst, die andere von ihnen gemacht hatten. Dann auf dem Gebiet der Performancekunst, mit Installationen, Zeichnungen, anderen Medien, alles drehte sich um die unique Herangehensweise des Einzigartigpaars an Kunst und Leben.

Ihr erster großer Auftritt war 1997 im Sprengel-Museum in Hannover. Viele folgten, in Krakau, Lublin, Savannah in den USA, bei der Daegu Photo Biennale in Südkorea. Zuletzt war 2023 ihre Ausstellung „THE PRESENT OF THE FUTURE“ im OK Linz zu sehen. Institutionen hatten sie sowieso nicht nötig. Ihr Motto, eine Umdefinition von Marcel Diktums, dass der Umraum den Kunststatus von Objekten bestimmt. Bei ihnen hieß das: „Wo wir sind, ist Museum.“ Wie Adele gestern angekündigt hat, will sie alleine weitermachen.

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