E-Mail aus Palatina Barock und mehr: Der fünfte Neustadter Herbst
Sich zum 750. Stadtjubiläum unter anderem mit einem mittlerweile angesehenen Festival für Alte Musik zu schmücken, ist wohlfeil. Zumal im Falle von Neustadt der Schulterschluss zwischen Stadtspitze und Protestantischer Kirchengemeinde geradezu symbiotische Qualität besitzt. Bezirkskantor Simon Reichert, Kurator des fünften Neustadter Herbstes vom 2. bis 13. September, wird jedenfalls nicht müde, das konstruktive Engagement der politischen Gemeinde zu loben.
Mit acht Veranstaltungen lockt das Festival in unterschiedliche Spielstätten rund um den Angelpunkt Stiftskirche. Dort ist zum Beispiel das Abschlusskonzert mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach in rein solistischer Ausführung durch das europäisch besetzten Ensemble „Delectus Cantorum“ um den Bassbariton Wolf Matthias Friedrich und begleitet vom Leipziger Collegium Lipsiensis.
Geburtstag der „Kurrende“
Im Zentrum des Zyklus, am 6. September, feiert ein weltweit aktives regionales Eigengewächs seinen 40. Geburtstag: Der Frauenchor „Pfälzische Kurrende“, mehrfacher Preisträger nationaler wie internationaler Wettbewerbe und zwischen Island, Amerika, China, Russland oder Spanien unterwegs, wird mit Antonio Vivaldi und anderen Meistern aufwarten.
Natürlich gibt es viel Alte Musik. So bringt die steil aufstrebende Sopranistin Johanna Pommranz zusammen mit dem Capricornus Ensemble Stuttgart mit „Furioso Barocco“ virtuose Vokalkunst des 17. Jahrhunderts, lädt das Ensemble Chameleon mit der Starfagottistin Jennifer Harris höfische Musik aus dem Frankreich des Sonnenkönigs. Und das mit aller gebotenen Brillanz.
Stilistische Abwechslung
Für stilistische Abwechslung sorgen Beethovens frühe Klaviersonaten, gespielt vom ungarischen Pianisten Tastenkünstler Miklós Spányi auf dem Hammerflügel und nicht zuletzt die Crossover-Performance der schon einmal frenetisch in Neustadt gefeierten Truppe „Il Giratempo“ mit improvisatorischem Dialog zwischen Barock und jazzigen Saxofon-Klängen.
Selbst Chopin kommt zu Ton und nicht zuletzt Werke von Clara und Robert Schumann, wenn die belgische Starpianistin Els Biesemans ihren Hammerflügel im intimen Ambiente der Haardter Kirche bespielt. Da sollen nach Reicherts Worten auch ein wenig die Saiten damaliger gesellschaftlicher Zeitumbrüche mitschwingen mit Blick Richtung Hambacher Schloss.
Schubert zum Schluss
Els Biesemans ist obendrein Solistin des Eröffnungskonzerts am 2. September, mit dem gleichzeitig die Städtische Konzertsaison im Saalbau beginnt. Und auch da steht Robert Schumann im Mittelpunkt, mit seinem Klavierkonzert a-Moll. Dazu gibt es von Franz Schubert die große C-Dur-Sinfonie D944. Am Pult des ausschließlich auf Instrumenten der Epoche spielenden Ensemble 1800 steht Fritz Burkhardt.