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Backmischung für Kuppelkeks und Demokratie: Julia Klöckner beim Backen. Und den Text bitte nicht missverstehen: Sie spricht gera
Backmischung für Kuppelkeks und Demokratie: Julia Klöckner beim Backen. Und den Text bitte nicht missverstehen: Sie spricht gerade über Hund Hella, der ihr unter anderen »Kraft und Stärke« vermittelt.

Um- trifft heiße Luft: Pünktlich zu Weihnachten, ein demokratietheoretisches Back-Video von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.

Patisserie und Politik, schwierig. Der Klassiker, der Marie-Antoinette symbolkräftig angedichtete Weltfremdheits- und Sarkasmussatz: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“. Dabei kommt der Spruch ursprünglich schon bei Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778) zur Geltung – mit Brioche statt Kuchen als Referenzteilchen. Die französische Königin derweil wurde 1793 guillotiniert.

Unvergessen auch die oft als rätselhafte Anspielung auf Schmalzgebäck fehlinterpretierte Sentenz von John F. Kennedy 1963 vor dem Rathaus Schöneberg: „Ich bin ein Berliner“. Oder wie die frühere Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) durch einen Werbeclip mit Nestlé, dem Hersteller von – unter anderem – Backmischungen, in Verruf geriet. Jetzt wagt die mittlerweile als Bundestagspräsidentin protokollarische Nummer zwei im Staat und Königin der konservativen Herzen einen neuen Anlauf.

Außen goldbraun, innen weich

Ihr mutmaßlich in der Bundestagskantinenküche entstandenes Back-Video steht auf bundestag.de. Weihnachtsbäckerin Klöckner ist mit einer gestreiften Schürze angetan, den Schopf hat sie adrett zum Zopf gebändigt. Keine Spur von Smörrebröd. Ihr „Kuppelkeks“ hat die Form des Berliner Reichstags von Stararchitekt Sir Norman Foster.

Außen golden, innen weich. Der Bräunungsgrad bleibt jedem selbst überlassen. Klöckner scheint eher beiläufig mit dem Schneebesen in einer Schüssel tätig, während sie die Dinge zusammenrührt. Vanilleschote mit Menschenwürde, wenn wir das richtig verstanden haben, Kompromisse mit einer Prise Salz – die Hefe christlicher Werte soll demnach im Kühlschrank aufgehen, die lieben Wählerinnen und Wähler werden geschmeidig geknetet. Um- und heiße Luft sind in einem relativen Mischungsverhältnis zugeführt. Und Hund Hella und eine womöglich grünverirrte Verbotstante verzieren das Ganze mit bodenständigem Schmelz.

Zum Schluss, Zuckerguss

„Nicht nur die Liebe“, verrät die frisch mit Moderator Jörg Pilawa Liierte, „sondern auch die Demokratie geht durch den Magen.“ Dann kommt ihre backdemokratische Analogie allerdings schnell an ihre Grenzen. Fazit: Ohne viele verschiedene Meinungen bleibt alles „fad“, irgendwie „geschmacksneutral“. Und Hauptsache, „am Ende können alle gemeinsam an einem Tisch sitzen und sagen: So schmeckt unsere Demokratie“. Nach Zuckerguss, fragt sich alsdann unsereins? Und apropos: Mit welchem demokratietheoretischen Bratwurst-Vlog uns Markus Söder wohl gerade auf den Keks geht.

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