Kunst / Museen Bürgerbewegung: Die Initiative „Ein Bernhard für die Pfalz“ hat richtig Fahrt aufgenommen

Darum geht es: Franz Bernhards „Aufragende“, noch in Jockgrim vor seinem Atelierhaus
Darum geht es: Franz Bernhards »Aufragende«, noch in Jockgrim vor seinem Atelierhaus

Da geht was. Viele sind entflammt für die zündende Idee. Auch Kunst-Kolleginnen und -kollegen. „Ein Bernhard für die Pfalz“, das Vorhaben einer Bürgerinitiative und des Fördervereins, dem Kaiserslauterer Museum Pfalzgalerie die Skulptur „Aufragende“ des bedeutenden, 2013 verstorbenen Bildhauers Franz Bernhard aus Jockgrim zu schenken – durch Spenden und Kunstverkäufe –, nimmt Formen an. Weit über die Hälfte der notwendigen 55.000 Euro dafür sind schon zusammen.

Ein Stachel schießt in den Himmel. Die Skulptur verharrt scheinbar vorläufig – in einem bewegt-bewegenden Gleichgewicht. Noch steht die „Aufragende“ des Documenta-Teilnehmers Franz Bernhard im Hof des Kunstkabinetts von Wolfgang Thomeczek, dem Galeristen und vifen Kunst-Projektemacher aus Tiefenthal. Unter Hochspannung steht sie. Ein monumentales Hoffnungszeichen, Maße: vier mal sechs mal zwei Meter und 30 Zentimeter. Aber Thomeczek ist frohen Muts, dass es bald schon, statt im Leiningerland, auf dem Platz vor dem Museum Pfalzgalerie Aufbruchswille verbreitet. Ein gut sichtbares Geschenk dann von vielen Pfälzerinnen und Pfälzern.

„Ein Bernhard für die Pfalz“, die Idee ist dem 71-Jährigen, einem Freund des Künstlers, vor einem Jahr gekommen. Inzwischen wächst sich das Vorhaben zur Bürgerbewegung aus. Thomeczek erzählt, dass Menschen Kuverts in seinen Briefkasten stecken: „Wir haben das Werk in ihrem Hof gesehen, von der Aktion gehört. Hier 20 Euro als Spende“. Manfred Geis, der SPD-Politiker, Ex-Landtagsabgeordnete und Kulturausschussvorsitzende des Bezirkstages aus Bad Dürkheim, ein Netzwerker vor dem Herrn, hat ihn von Anfang unterstützt.

Galerist Thomeczek hat auf seine Provision verzichtet, 35.000 Euro, ein Batzen Geld. Statt 55.000 würde die „Aufragende“ eigentlich 90.000 Euro kosten. Es ist die letzte Arbeit des Künstlers aus dem Nachlass, der jetzt der Andreas C.H. Schell Stiftung gehört, die noch verkauft wird. Verkäuferin: seine Witwe Lucia. Jedenfalls hat bald schon der Förderverein des Museums Pfalzgalerie angedockt, über den jetzt die Spendenaktion abgewickelt wird. Museumsdirektorin Britta Buhlmann war selbstredend begeistert. Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur schießt 17.000 Euro zu. Vor allem sind Künstlerkolleginnen und Kollegen, Schüler, Bewunderer, Freunde von Franz Bernhard eingestiegen. Mit Kunst-Spenden.

Zwei Tage hat es so gedauert, nachdem es in der RHEINPFALZ stand, mehr nicht: und die Elfer-Auflage von Robert Schads Skulptur „kleine für Franz“ war weg. Erlös: 9350 Euro. Das letzte der fünf Werke der Reihe „Zeichen für Franz“ des in Ludwigshafen geborenen Bildhauers und Bernhardbewunderers Michael Dekker ist gestern auch verkauft worden. An die neue, grüne rheinland-pfälzische Kulturministerin Katharina Binz im Übrigen, wie Manfred Geis weiß. Heißt: 3500 Euro plus.

Wie Wolfgang Thomeczek erzählt, sind auch schon etliche Abzüge der Fotografie von Barbara Klemm, Auflage 100, vergriffen, à 250 Euro. Die Grand Dame der Schwarz-Weiß-Fotografie, gerade mit dem Internationalen Folkwang- und dem Fritz-Schwegler-Preis ausgezeichnet, hat ihren guten Freund Bernhard dafür in seinem Atelier aufgenommen. Dazu kommen einige der elf Zeichnungen von Bernhard selbst (für je 700 Euro), die die Andreas C. H. Schell Stiftung beigesteuert hat. Und das Beste ist, jetzt melden sich immer mehr Menschen, die helfen wollen.

Eine Dame aus Wachenheim hat Wolfgang Thomeczek zwei Papierarbeiten von Franz Bernhard zum Verkaufen vorbeigebracht. Die Godramsteiner Künstlerin Madeleine Dietz, mittlerweile selbst eine Größe in der Kunstszene, erzählte ihm, sie habe dem Jockgrimer Meister so viel zu verdanken – und ließ zwei ihrer charakteristischen Arbeiten aus Erde und Stahl zurück: pro der Bernhard-Aktion. „Tresor“ aus dem Jahr 2011, Verkaufspreis 2000 Euro. Und das Werk „Ent-Festung“ (1800 Euro) aus diesem Jahr, ein metaphorisches Werk über die Labilität unserer Existenz. Manfred Geis indes hat sichere Zusagen. Friederike Zeit, die Keramikerin aus Deidesheim, und Michael Volkmer, ein Objektkünstler aus Winnweiler, werden Arbeiten für die Bernhard-Benefiz-Aktion beisteuern. Derweil hat der Kaiserslauterer Volker Tinti seine Arbeitsspende schon bei der Vorsitzenden des Pfalzgalerie-Fördervereins, Bettina Bachem, hinterlegt: „Kreuzfeld“ (Latex/Acryl auf Holz). „Hallo Bettina, heute ist eine Spende über 1000 Euro von „Obermeyer Infrastruk“ eingegangen!! Liebe Grüße“, heißt es in einer Mail an sie, die sie uns weitergeleitet hat. Ihre Antwort: „Dann haben wir jetzt 5700 Euro.“ Allerdings ist das schon ein paar Tage her.

DIE SPENDENAKTION

Morgen, 30. Mai gibt es ein „Online-Kunststück“ des Museums Pfalzgalerie mit Vize-Direktorin Annette Reich zum Projekt. Eine Reihe mit Künstler-Gesprächen folgt. Die angegebenen Werke kaufen kann man beim Verein Freunde des Museums Pfalzgalerie, E-Mail: freunde@mpk. Kontakt: 01707667643.

Die „Aufragende“ ist nach Vereinbarung im Kunstkabinett in Tiefenthal zu sehen, Tel. 06351 124021. Die Spenden-Kontonummer lautet: Volksbank Kaiserslautern, DE 59 5409 0000 0001 1649 02.

Barbara Klemms Aufmahme von Franz Bernhard in seiner Werkstatt wird zugunsten der Aktion „Ein Bernhard für die Pfalz“ verkauft.
Barbara Klemms Aufmahme von Franz Bernhard in seiner Werkstatt wird zugunsten der Aktion »Ein Bernhard für die Pfalz« verkauft.
Kommt auch der Aktion zu Gute: Die Künstlerin Madeleine Dietz aus Godramstein hat zwei Arbeiten gespendet Hier das Werk „Tresor“
Kommt auch der Aktion zu Gute: Die Künstlerin Madeleine Dietz aus Godramstein hat zwei Arbeiten gespendet Hier das Werk »Tresor«.
Die Initiatoren: Bettina Bachem, Britta Buhlmann, Wolfgang Thomeczek und Manfred Geis.
Die Initiatoren: Bettina Bachem, Britta Buhlmann, Wolfgang Thomeczek und Manfred Geis.
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