Festjahr Ausstellungen, Führungen – und Essen: Jüdisches Festjahr bundesweit und in der Pfalz

In Speyer zeugt unter anderem eine Mikwe – ein Baderaum – vom jüdischen Erbe der Stadt. Voraussichtlich im Juni wird die Unesco
In Speyer zeugt unter anderem eine Mikwe – ein Baderaum – vom jüdischen Erbe der Stadt. Voraussichtlich im Juni wird die Unesco darüber entscheiden, ob Speyer zusammen mit Worms und Mainz als eine Wiege des europäischen Judentums Welterbe-Stadt wird.

„Schalömchen Köln“: Mit dieser Aufschrift grüßt die Straßenbahn, die durch die Domstadt am Rhein rattert. Sie weist auf ein Festjahr hin, das jüdisches Leben in Deutschland sichtbar machen soll. Auch die Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz, die dieses Jahr zudem Welterbe werden wollen, feiern mit.

Anlass für das Festjahr ist der erste urkundliche Nachweis jüdischen Lebens in Mitteleuropa: Am 11. Dezember 321 hatte der römische Kaiser Konstantin die Stadtoberen in Köln per Edikt angewiesen, Juden Bürgerrechte einzuräumen.

„Wenn wir auf diese 1700 Jahre zurückblicken, sehen wir, wie prägend jüdisches Leben für die deutsche Kultur war“, sagt Joachim Gerhardt, zweiter Vorsitzender des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, der die Feiern organisiert. „Das Festjahr soll die Wertschätzung dafür deutlich machen.“ Auch komme das Themenjahr angesichts der Häufung antisemitischer Anschläge und Vorfälle zur passenden Zeit, so der evangelische Pfarrer. Am Programm beteiligen sich bundesweit Synagogen-Gemeinden, Privatinitiativen, Kultureinrichtungen und Schulen. Geplant sind Ausstellungen, Konzerte, Theater- und Tanzaufführungen sowie Vorträge. Bund, Länder und Kommunen fördern das Programm mit 25 Millionen Euro.

Auftakt Ende Februar

Den Auftakt bildet am 21. Februar ein Festakt in Köln mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – ohne Publikum, aber von der ARD live übertragen. Ab Mai soll, so es die Pandemielage zulässt, ein „Bus der Begegnungen“ bundesweit Station in Innenstädten machen und unter anderem jüdische Speisen servieren. Die historische Perspektive nimmt die Ausstellung „Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ein, die im März in Essen eröffnet werden soll.

Die sogenannten Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz planen ebenfalls eine Veranstaltungsreihe. „Laut und bunt und am besten nicht nur akademisch“ soll die Präsenz von Juden in Deutschland gefeiert werden, sagt Susanne Urban, die Geschäftsführerin des Vereins der Schum-Städte. „Es gibt jüdische Rapper und jüdische Künstler, Schriftsteller und Köche. Es gibt Rabbinerinnen und eine schwule und lesbische und queere Jewish Community“, sagte die Historikerin. Die Mehrheitsgesellschaft müsse eine jüdische Zukunft garantieren und sich gegen den Antisemitismus stellen.

Kulturtage auch in Speyer

„Schum-Kulturtage“ sollen in Speyer von 10. Oktober bis 9. November stattfinden, in Worms und Mainz von September bis November. „Schum am Rhein – Vom Mittelalter in die Moderne“ heißt die neue Dauerausstellung im (derzeit pandemiebedingt geschlossenen) Jüdischen Museum Worms („Raschi-Haus“), die sich in Teilen nun online entdecken lässt. Die Unesco entscheidet im Sommer zudem darüber, ob die drei Städte in die Welterbe-Liste aufgenommen werden. Der Name „Schum“ ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen Schpira – Schin, also „Sch“ für Speyer –, Warmaisa – Waw, also „U“ für Worms – und Magenza – Mem, also „M“, für Mainz.

Termine

www.schumstaedte.de; www.2021JLID.de