Speyer
Ausstellung „Superheroes“ im Historischen Museum
Die Schau ist bunt und spektakulär, aber viel mehr als eine Show zu den Helden aus Comic und Film. Sie deutet das Genre als Zeitdokument und sie will dem jungen Publikum Mut machen, sich seiner eigenen Kräfte bewusst zu werden.
Superhelden, Superheroes, die gibt es im Comic und im Film – und das schon seit weit über 80 Jahren. Es gibt sogar schon die Einteilung in ein goldenes, ein silbernes, ein bronzenes und ein modernes Zeitalter in diesem Genre. In der Wirklichkeit freilich sind die positiven Superhelden mit ihrem Einsatz für das Gute, für Gerechtigkeit und mit ihrer Hilfe für Benachteiligte seltener denn ja, dabei bräuchten wir sie eigentlich dringend.
Es gehört zu den interessantesten Aspekten der den Superhelden gewidmeten neuen Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, dass diese nicht nur die Kunstwelt der Superheroes in einer ausgesprochen anschaulichen Weise präsentiert, sondern eben auch die Verbindung zur Realität anspricht. Die Schau deutet Comics und Filme über die unerschrockenen und über magische Kräfte verfügenden Männer und Frauen als Zeitdokumente. Und in diesem Zusammenhang ist dann auch ein Comic von 1941 zu sehen, bei dem auf dem Titelblatt der Held Captain America NS-Diktator Hitler einen Kinnhaken verpasst. Schon im Jahr zuvor kämpfte Superman gegen die Nazis. Superman wurde von den jüdischen Comicmachern Jerry Siegel und Joe Shuster erfunden.
Ahnung von 9/11
Ein anderer Zeitbezug ist auf einer Wand mit vielen Comics von 1973 bis 2001 aus der Sammlung des Künstlers Sebastian Utzni zu sehen. Hier ist auf unterschiedliche Weise jeweils eine Vorahnung der Terroranschläge des 11. September 2001 zu erkennen.
Dem Thema gemäß ist die Ausstellung, die für Kinder ab fünf Jahren, Familien und Erwachsene gedacht ist, sehr bunt und voll von optischen Attraktionen. Doch sie ist viel mehr als Augenpulver oder die affirmative Beschwörung des Genres. Sie stellt Zusammenhänge her, erklärt Hintergründe und Absichten der Macher von Comics über die Superheroes.
So wird auch gezeigt, welche Wurzeln die ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfundenen Superheroes in der antiken Mythologie oder der germanischen Götterwelt haben.
Zu all dem gibt es viele Exponate, originale Zeichnungen zum Beispiel. Darunter sind solche von Nic Klein aus Düsseldorf, der als freier Illustrator und Zeichner für die großen amerikanischen Comicverlage wie Marvel, Image und DC arbeitet.
Eine besondere Attraktion sind die für die Ausstellung kreierten Superhero-Avatare. Besucher können an den Medienstationen einen eigens für die Ausstellung verfassten Comic spielen und dabei die eigenen Fähigkeiten als Heldin oder Held erproben. „ChronoX-Saga“ heißt der vom Jungen Museum Speyer geschriebene Comic. Er ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern, mit Hilfe von NFC-Armbändern die eigenen Fähigkeiten als Superhero zu testen. Die Avatare wurden mit Hilfe des 2025 gegründeten Kinderbeirates des Historischen Museums der Pfalz entwickelt. Hier kann jede und jeder einen eigenen Charakter kreieren und in einer Folge von Abenteuern die Welt retten und den versteinerten ChronoX wieder zum Leben erwecken.
Auch sonst gibt es – wie immer bei den Familienausstellungen im Historischen Museum – zahlreiche Mitmachstationen. Die Gäste können unter anderem in kleinen Filmsequenzen als Superheroes agieren und sich die Filme per Mail zusenden lassen.
Die Ausstellung überzeugt durch ihre schillernde Präsentation. Sie beginnt mit einem nachgebauten Comic-Laden, der quasi aus der konkreten Lebenswelt in die Universen der Superheroes entführt. Auf über 1000 Quadratmetern sind 303 Objekte zu sehen. Unter der Gesamtleitung von Museumsdirektor Alexander Schubert (es ist seine letzte Schau, im März wird er Bürgermeister in Speyer) zeichnen Lars Börner, Henrike Serfas, Cathérine Biasini, Karin Birk, Heike Externbrink-Becker, Beate Mitko und Hannah Rathschlag für die Ausstellung verantwortlich.
Kinder stark machen
Klar ist bei diesem Thema, dass das Junge Museum hier seinem Anspruch, Kinder stark zu machen, auf besonders deutliche Weise gerecht wird. Dafür gibt es zudem auch viele spannende Begleitveranstaltungen.
Die Ausstellung endet mit einem Raum, in dem Museumsmitarbeiter und die Mitglieder des Kinderbeirats erzählen, wer für sie ein Superhero ist. Man erlaube mir an dieser Stelle, dergleichen zu tun. Wenn ich dabei an (zumindest teilweise) andere Universen und Superkräfte an der Grenzen der Physik denke, können das für mich nur die Astronauten sein, die zum Mond geflogen sind. Genau heute vor 53 Jahren sind die bislang letzten zur Erde zurückgekehrt. Einige von ihnen waren ja auch schon in Speyer zu Besuch. Wenn Artemis II klappt, könnte es zu der Laufzeit der Ausstellung vier neue Mondflieger geben, auch die erste Frau und den ersten Farbigen. Das würde dann sehr gut zu der Ausstellung passen.
Info
Die Ausstellung ist bis 18. Oktober 2026 im Historischen Museum der Pfalz zu sehen Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Heiligabend 10 bis 14 Uhr, Silvester 10 bis 16 Uhr. An Feiertagen und in den Schulferien in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit Ausnahme der Sommerferien ist auch Montag 10 bis 18 Uhr geöffnet. Daten zum umfangreichen Begleitprogramm unter www.museum.speyer.de