Speyer
Ausstellung in Landesbibliothek: „Making of Pfalz“
Wer an die Pfalz denkt, hat meist vertraute Bilder vor Augen: das sanfte Rebenmeer, die ausgedehnten Wanderwege im Pfälzerwald, wildromantische Burgruinen, malerische Winzerdörfer, die sprichwörtlich heitere Lebensart der Pfälzer und ihr ausgeprägter politischer Eigensinn.
Bekannte Monumente und Denkmäler
Markante Wegmarken und Monumente wie der Trifels, der Speyerer Dom, das Hambacher Schloss, die Villa Ludwigshöhe oder die Klosterruine Limburg gelten längst als Wahrzeichen und sind untrennbar mit der Region verbunden. Bis hinein in das Marketing der Gegenwart wird die Pfalz – durchaus erfolgreich – als Genussregion inszeniert, die den Pfälzer en passant zum notorisch gut gelaunten Schorle-Trinker stilisiert.
Doch wie wurde die Pfalz – jenseits dieser oft klischeehaften Darstellungen – zu dem, was sie heute ist? Antworten auf diese Frage sucht die Ausstellung „Making of Pfalz“ im Landesbibliothekszentrum Speyer. Sie zeichnet nach, wie sich im 19. Jahrhundert aus einem bayerischen Regierungsbezirk schrittweise eine Region mit starkem kulturellem Selbstverständnis entwickelte – heute Sehnsuchtsort und Touristenmagnet gleichermaßen.
Die Quellen
Anhand historischer Dokumente, Druckwerke, Bildpostkarten und Fotografien lässt sich verfolgen, wie vermeintlich „typisch pfälzische“ Eigenschaften textlich und visuell erzeugt, verbreitet und verfestigt wurden – und wie sie bis in die Gegenwart fortwirken. Ausstellung und begleitende Vorträge machen deutlich, welch entscheidende Rolle Bilder, Texte, Drucke und Fotografien dabei spielten, die Wahrnehmung der Pfalz zu formen.
Im Zentrum steht dabei der interdisziplinäre Blick auf den Prozess einer regionalen Selbstformung: Rund 100 historische Exponate – darunter seltene Skizzen, Stadtansichten, volkskundliche Publikationen, Drucke, Fotografien und erstmals öffentlich präsentierte Stahlstichplatten – veranschaulichen, wie sich im populären Gedächtnis des 19. und 20. Jahrhunderts jene „typisch pfälzischen Eigenschaften“ herausbildeten, die bis heute in romantisierenden Darstellungen des Landstrichs und seiner als bodenständig geltenden Menschen nachwirken.
Die Ausstellungsmacher
Entstanden ist die Ausstellung aus einem Forschungs- und Projektseminar, das Studierende der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg gemeinsam erarbeitet haben. Wissenschaftlich geleitet wurde das Projekt von Maria Männig und Bernd Carqué (RPTU) sowie Andreas Böhn (KIT). Eine Buchpublikation zur Ausstellung ist geplant.
Die begleitende Vortragsreihe startet am 21. Januar. Sie widmet sich medienhistorischen Aspekten des Pfalz-Bildes und seiner Verbreitung, der Geschichte der volkskundlichen Erforschung der Region sowie Fragen der Erinnerungskultur, insbesondere im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg.
Termine
Jeweils mittwochs, Beginn 18.15 Uhr, Landesbibliothekszentrum, Otto-Mayer-Str. 9, 67346 Speyer.
21. Januar 2026: Bernd Carqué (RPTU in Landau): Aggregatzustände des Bildwissens. Von den Skizzenbüchern der Maler zu den Bilderfabriken der Fotografen
28. Januar 2026: Maria Männig (RPTU in Landau): Pfalz total. Von Versuchen, die Region panoramatisch zu fassen
4. Februar 2026: Ludger Tekampe (Speyer): Volkskunden der Pfalz 1857-1867. Erwandert und erdacht
15. April 2026: Ekaterini Kepetzis (RPTU in Landau): Erinnerungsorte in Stein und Bronze. Der Deutsch-Französische Krieg und die Pfalz
Öffnungszeiten der Ausstellung: montags bis freitags 9-18 Uhr, samstags 9-12 Uhr.
