Kaiserslautern / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Aus für die Radiophilharmonie: „Andere Orchester können nicht einspringen“

Wird das Sinfonieorchester zum Kammerorchester geschrumpft? Die Deutsche Radio Philharmonie bei einem Konzert in der Fruchthalle
Wird das Sinfonieorchester zum Kammerorchester geschrumpft? Die Deutsche Radio Philharmonie bei einem Konzert in der Fruchthalle in Kaiserslautern.

Der SWR plant aus Spargründen, aus der Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern ein Kammerorchester zu machen. Was würde das für die Stadt Kaiserslautern bedeuten?

Frank Pommer sprach mit Christoph Dammann, dem Direktor des Referats Kultur der Stadt Kaiserslautern.

Wie viele Konzerte gibt die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (DRP) im Kulturprogramm der Stadt Kaiserslautern?
Die DRP steht hier auch in der großen Tradition von Emmerich Smola und ist das Sinfonieorchester mit den meisten Konzerten in unserem Programm. Das sind etwa 15 pro Saison in großer sinfonischer Besetzung, angefangen bei den Sinfoniekonzerten über die ebenfalls sehr beliebten Formate „Sonntags um 5“ und „À la Carte“, diverse Kinder-, Familien- und Schulkonzerte bis hin zum traditionellen Silvesterkonzert.

Was würde es für dieses Angebot bedeuten, wenn die DRP zu einem Kammerorchester zusammengestrichen würde?
Sämtliche dieser sinfonischen Konzerte könnten mit einem Kammerorchester nicht mehr durchgeführt werden. Das wäre im Bereich der klassischen Musik ein nicht hinnehmbarer Verlust, auch für die Urbanität unserer Stadt, wo das Angebot seit Jahrzehnten gut angenommen wird.

Könnten andere Klangkörper das auffangen?
Nein, das wäre schon aus dispositionellen Gründen nicht möglich. Sowohl die Pfalzphilharmonie als auch die Deutsche Staatsphilharmonie haben viele andere Aufgaben zu erfüllen, auch in der ganzen Region, und könnten nicht einspringen.

Der SWR spricht ja auch davon, zu versuchen, externe Geldgeber zu finden. Halten Sie das für realistisch?
Das klingt eher nach Wunschdenken. Die Kommunen sind noch unter einem ganz anderen Spardruck als der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Ob es gelingt, etwa das Land oder Deutschlandradio wie in Berlin mit an Bord zu holen, ist auch eher unrealistisch.

Sollte es tatsächlich so kommen, dann hätten zwei Bundesländer, also das Saarland und Rheinland-Pfalz, nur noch ein Kammerorchester als Rundfunkklangkörper. Wie lässt sich das mit dem Kulturauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders vereinbaren?
Das wäre im Vergleich mit den anderen Bundesländern nicht nur sehr peinlich, sondern auch noch unsolidarisch. Kai Gniffke, Intendant des SWR, formuliert das im Vorwort zur aktuellen Programmbroschüre der DRP sehr deutlich: „Kultur ist keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft und ein wichtiger Bestandteil unseres Auftrags.“ Orchester sind dabei Einrichtungen, die den im Staatsvertrag verankerten Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in beträchtlichem Maße umsetzen, auch durch die vielen Schul- und Familienprojekte.

Hatte die Stadt Kaiserslautern in dieser Angelegenheit schon offiziell Kontakt mit den beiden Sendern?
Wir haben am 7. November ein Schreiben der Landessenderdirektorin des SWR in Manz, Ulla Fiebig, bekommen, mit der Anfrage, ob wir über „ein weitergehendes Engagement der Stadt bei der DRP“ sprechen könnten. In seiner Antwort verweist unser Bürgermeister und Kulturdezernent Manfred Schulz auf die Bedeutung der DRP für die Region und auch für unser Bundesland, als herausragendes, auch international präsentes Orchester, nun mit einem der profiliertesten Chefdirigenten unserer Zeit, Josep Pons. Er sehe die Notwendigkeit, Konsolidierungen nicht gerade dort durchzuführen, wo nur Bruchteile der Etats ausgegeben werden, dafür aber direkte, unmittelbare und schöne Kontakte zu den Menschen bestehen, die für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und unsere Urbanität von großer Bedeutung seien. Darüber hinaus möchte er klar zum Ausdruck bringen, dass die kommunale Verwaltung mindestens dem gleichen Konsolidierungsdruck ausgesetzt sei wie der SWR, eine Chance liege da sicher auch in zunehmender Kooperation mit den anderen Landessendern der ARD. Die DRP sei mit 87 Stellen im Zielstellenplan bereits an der Untergrenze eines A-Orchesters angelangt, dies gelte nach Informationen der Stadt für das andere Sinfonieorchester des SWR in Baden-Württemberg bei Weitem nicht.

Termin

Das nächste Konzert der Deutschen Radiophilharmonie in Kaiserslautern gibt es an Silvester: Der neue Chefdirigent Josep Pons lädt am 31. Dezember um 17 Uhr in die Fruchthalle ein, geboten wird ein Programm zum Thema „Die Kunst des Tanzes“. Auf dem Programm stehen Werke von Brahms, Dvořák, Kodály, Borodin, Tschaikowski, Verdi, de Falla und Ginastera. Karten gibt es unter fruchthalle.de, in der Tourist-Info oder bei Thalia.

Christoph Dammann leitet das Referat Kultur der Stadt Kaiserslautern und verantwortet die Programmreihe „Konzerte der Stadt Kais
Christoph Dammann leitet das Referat Kultur der Stadt Kaiserslautern und verantwortet die Programmreihe »Konzerte der Stadt Kaiserslautern«, in der die DRP fest verankert ist.
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