Kultur Aufbruch im Steinbruch: Das Bildhauersyposium im Schweinstal kann stattfinden

Ein magischer Ort: der Steinbruch Picard, hier bei einer Performance.
Ein magischer Ort: der Steinbruch Picard, hier bei einer Performance.

Steinbrüche haben etwas Faszinierendes: Die Urgewalt des Steins und ihre Aura des Unvergänglichen, schwere Maschinen die sich an dieser Natur abarbeiten, sie zu verwunden scheinen und dabei doch nicht viel mehr als an der Oberfläche schürfen. Der Sandsteinbruch im Schweinstal bei Kaiserslautern ist so ein mystischer Ort. Eine Kulisse, die nicht nur Wanderer und Mountainbiker immer wieder magisch anzieht. Sondern auch Künstler diverser Sparten.

Vom Konzert über die Performance bis zum Bildhauersymposium reicht der Bogen der Veranstaltungen, mit denen die Steinbruchbesitzer Jürgen und Martin Picard seit Jahrzehnten Kultur in ihre archaische Welt aus Stein und Staub holen. Ersterer ist dazu noch Kopf des Vereins Skulpturen Rheinland-Pfalz, der seit rund 30 Jahren den Skulpturenweg des Landes prägt. Die vergangenen Monate bedeuteten für den ruhigen, kunstsinnigen Mann jedoch eine nervliche Anspannung. Denn auf der Kippe stand ob der Corona-Maßnahmen auch die zwölfte Ausgabe seiner Symposiumsreihe im Schweinstal. Doch nun kann er aufatmen.

Die Chance auf Ewigkeit

Denn es findet statt, vom 24. Juli bis zum 23. August in eben jener faszinierenden Kulisse und damit vor Steinen, die unglaubliche 240 Millionen Jahre Reifezeit benötigen. Sechs internationale Künstler rücken an, vier von ihnen bearbeiten das Urmaterial Sandstein zu Skulpturen, die Ewigkeitswert bekommen könnten. Vorausgesetzt, Mensch belässt sie an den vorgesehenen Aufstellungsorten in Stadt und Landkreis Kaiserslautern. Ob die Werke auch eine Qualität vergleichbar mit der des Materials aufweisen – der Picardsche Sandstein hat einen immerhin 95-prozentigen Quarzanteil und damit Topqualität – davon kann sich das Publikum während der Entstehungszeit, bei der Finissage und dann natürlich später am Aufstellungsort ein Bild machen.

Ausbruch und Aufbruch

Symposium wie Begleitveranstaltungen folgen natürlich den gängigen Sicherheitsstandards wie Mindestabstand und Hygienevorschriften, was gar nicht so leicht umzusetzen ist, wie Jürgen Picard einräumt. Denn immerhin bedeutet ein Symposium zuallererst einmal ein enges Zusammentreffen von Künstlern. Und so hat er sie räumlich fein säuberlich getrennt: Jeder wohnt in seinem Wohnwagen, man isst, trinkt und lacht zusammen, aber mit gebotenem Abstand. Und stößt Publikum dazu, was es naturgemäß in rauen Mengen soll und erfahrungsgemäß tut, dann muss es sich diesmal an die neuen Spielregeln halten.

Dass alles besser ist als der quälende Stillstand, der auch die Kulturschaffenden lähmt, liegt auf der Hand. Ebenso dass das Symposium wenigstens für diese sechs Künstler einen Ausbruch aus der Isolation und einen Aufbruch auch in finanzieller Hinsicht bedeutet. Es geht also weiter im Schweinstal, im Kulturleben der Westpfalz – und das ist auch bitter nötig.

Termine

Vernissage am 24. Juli, 18 Uhr, Halbzeitwerkschau am 9. August, 10 Uhr, Finissage am 23. August, 10 Uhr.