Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Auch in digitalen Zeit en vogue: Die Heiratsanzeige wird 325 Jahre alt

Keine neue Idee, die erste erschien ihn einem Magazin für Landwirtschaft: Heiratsanzeige.
Keine neue Idee, die erste erschien ihn einem Magazin für Landwirtschaft: Heiratsanzeige.

Eigentlich ja ganz schön, Dinge, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen. Wie uns ein Korrespondent übermittelt, wird die gute alte, analoge Heiratsannonce jetzt 325 Jahre alt. Und es gibt sie noch immer, obwohl sich mittlerweile angeblich alle elf Minuten jemand im Internet in ein gepimptes männ./weibl./div. Persönlichkeitsdossier verliebt. Gibt sie, wie auch das für jeden Gärtner erstaunliche „Humofix“ aus der Abtei Fulda bei der Firma Manufactum, das mit Rinden, Milchpulver und Honig seit Jahrzehnten beglaubigt vermag, die Verrottungsmikroben zu aktivieren, was in einer wie auch immer gestifteten Ehe, schmutzige Socken im Eck & Co. erledigen.

1695 ging es vor allem ums Geld

„Ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz sucht eine junge Dame mit einem Vermögen von ca. 3000 Pfund“, jedenfalls lautete der erste Anbahnungsversuch. Veröffentlicht 1695 im Ackerbau- und Viehzucht-Ratgeber „Collection for Improvement of Husbandry and Trade“, aber ähnlich konkret, wie heutige Anforderungsprofile (Metallica-Fan, glutenfrei, BWLer, grünblond) im Netz: „Verbitterter erfolgloser Loser im mittleren Alter, der sich in einem Meer untätiger, fauler Einsamkeit badet, sucht eine 24-jährige Klette, die sich langweiligen Geschichten, müdem Sex und Herb-Alpert-Platten hingibt.“ Diese Anzeige ist tatsächlich erschienen, dokumentiert der 2013 erschienene Sammelband „Suche Frau in anständigem Zustand“ von Birgit Adam. Mit Erfolg? Wissenschaftler behaupten, dass Parameter wie ähnlicher familiärer Hintergrund, Konto- und Bildungsstand mehr wiegen als die Liebe und ähnliche Abstrakta.

„Gerne Unternehmer“

Ganz in dem Sinn und in der Tradition der arrangierten Ehe verhaftet, hat jetzt ein „Echter Münchner mit Familienunternehmen / Immob.“ für seine „Tochter, 24 J., hübsch, 170 m, studiert, sportlich“ annonciert. „Liebe Eltern“, schreibt er, er möchte „dem Glück“ seiner Tochter „auf die Sprünge“ helfen. Ob sie nicht einen Filius zur Verfügung hätten: „junger Mann bis 35 J., ab 178 m“ und so weiter, „charmant, strebsam, aus guter Familie, gerne Unternehmer“. Kann man machen, ist halt patriarchalischer Großmist.

Die Kolumnistin Margarete Stokowski schrieb dazu auf Twitter: „Falls die Tochter das liest, melde dich, wenn du untertauchen willst“.

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