Gesunder genuss: tEM-diätetik Ausgewogene Küche für die persönliche Balance

Im Einklang mit der Tageszeit, den Jahreszeiten und dem eigenen Temperament: Ernährung nach der Traditionellen Europäischen Medi
Im Einklang mit der Tageszeit, den Jahreszeiten und dem eigenen Temperament: Ernährung nach der Traditionellen Europäischen Medizin.
Wirken nährend, nervenstärkend und fördern die Gehirnleistung: Nüsse.
Wirken nährend, nervenstärkend und fördern die Gehirnleistung: Nüsse.
Gehören laut Traditioneller Europäischer Medizin immer dazu: Kräuter.
Gehören laut Traditioneller Europäischer Medizin immer dazu: Kräuter.
Frühlingsfrisch: Kräuteromelett.
Frühlingsfrisch: Kräuteromelett.

Geschmackvoll und gut verdaulich zu sein, das ist oberstes Ziel der „Vier-Temperamente-Küche“ nach der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM). Wie es funktioniert, nach diesem Prinzip Genuss mit Gesundheit zu verbinden, erklärt Vital- und Ernährungstrainerin Michaela Hauptmann in ihrem Buch „Temperamentvoll essen“. Lebensmittel werden auf die jeweilige Konstitution (der einer der vier Körpersäfte zugeordnet wird, die die Antike dem Menschen zuschrieb) ausgerichtet und so zusammengestellt, dass sie zum jeweiligen Kontext passen.

Kaiser, König, Bettelmann

Zunächst gilt nach der TEM die altbekannte Regel, morgens zu essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann. Zum Frühstück darf es also ein reichhaltiges Porridge ebenso sein wie das Eiergericht Shakshuka, während abends ein Süppchen genügen sollte. Auch die Jahreszeiten finden Berücksichtigung: Im Sommer passen kühlende Speisen – das sind etwa Quark, Rindfleisch oder Salate mit Essig, im Winter beispielsweise wärmende Schmorgerichte.

Die Würze macht’s

In der TEM-Diätetik spielt zudem die ausgewogene Würze eine Rolle, worauf Profi-Köche sowieso schwören: Die Geschmacksrichtungen süß, scharf, sauer und salzig sollten in keinem Gericht fehlen. Für Ausgewogenheit sorgt etwa die Prise Zucker an der Tomatensuppe, die Spur Salz im Schokodessert, Zimt im Milchreis oder der Schuss Essig im deftigen Linseneintopf.

Ausgleich schaffen

Hinzu kommt die Zubereitungsart: Beim Ziehenlassen von Krautsalat in Salz ist etwa von „kaltem Kochen“ die Rede; die Speise kühle, während gegrillte Speisen wärmten. Wer also im Sommer gerne grillt, sollte Hauptmann zufolge für einen kühlenden, befeuchtenden Ausgleich sorgen – etwa ausreichend Wasser zum Essen trinken.

Alles ist erlaubt

Grundsätzliche Verbote oder Einschränkungen gibt es bei der „Temperamente-Küche“ übrigens nicht. Auch Fleisch und Alkohol können sich nach dieser Ernährungslehre je nach Temperament und Situation positiv aufs Wohlbefinden auswirken. Wein etwa erfreue, stärke, erwärme, sei harntreibend und belebe die Lebenskraft bei mäßigem Konsum. Schaffleisch wiederum sei nährend, leicht verdaulich, stresswidrig, befeuchtend und kühlend: „Bei Kälte, übersteigertem Phlegma und für ältere Menschen ist junges, gekochtes Lammfleisch hingegen weniger empfehlenswert. Abhilfe schaffen das Braten und kräftige Würzen mit wärmenden Kräutern – Rosmarin, Salbei und Knoblauch – und etwas Räucherspeck.“

Ganzheitlicher Ansatz

Zugegeben, es ist eine Wissenschaft für sich, aber das temperamentvolle Essen verspricht auch viel Genuss. Die Lehren sollen auf Hippokrates zurückgehen und in den Klosterküchen des Mittelalters, bei Kneipp und Hildegard von Bingen, weiterentwickelt worden sein. Heute ist es laut Hauptmann Ziel der TEM-Diätetik, die individuelle Konstitution zu stärken, Dysbalancen auszugleichen und die Selbstregeneration des Körpers zu aktivieren: „Die TEM betrachtet dich mit deinem ureigenen Grundtemperament, deiner Konstitution und Gedankenwelt niemals isoliert, sondern immer in Zusammenschau mit deinen Lebensumständen sowie im Wechselspiel von Jahreszeit, Umwelt, Klima und Lebensphas.“

Info

Zum Weiterlesen: Michaela Hauptmann, “Temperamentvoll essen„, Ennsthaler Verlag, 2020, 375 Seiten, 29,90 Euro

Vier Temperamente

Die Traditionelle Europäische Medizin (TEM) teilt die Charaktere in vier Temperament-Typen ein, denen jeweils Farben, Prinzipien und besondere Eigenschaften zugewiesen werden, ohne diese zu bewerten: Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker. Jeder Mensch trage allerdings alle vier dieser Typen in sich, es gebe aber meist jeweils eine Haupttendenz, die es auch bei der Ernährung zu berücksichten gelte. Mitunter ändern sich laut TEM die Temperamente auch je nach Lebenssituation, Alter, Tages- und Jahreszeit. Expertin Michaela Hauptmann empfiehlt daher immer wieder, vor allem darauf zu achten, was einem in der jeweiligen Situation gut tut. Um die Unterschiede zwischen den Temperamenten zu verdeutlichen, gibt Autorin Michaela Hauptmann ein Beispiel-Szenario. Bei einer Wanderung über die Alm versperrt ein Zaun den Weg ...

Sanguiniker

Element Luft, Geschmack süß, Tageszeit Morgen, Jahreszeit Frühling, Planet Jupiter, begeisterungsfähig, jugendlich dynamisch, fröhlich. Der Sanguiniker werde in seiner ungetrübten Art heiter über den Zaun hinweghüpfen. Er habe den dahinterliegenden See entdeckt und freue sich auf die Erfrischung.

Choleriker

Element Feuer, Geschmack scharf/bitter, Tageszeit Mittag, Jahreszeit Sommer, Planet Mars, engagiert, zielstrebig, leidenschaftlich, ungeduldig. Der Choleriker werde, weil der Zaun ihm als unerwartetes Hindernis Zeit raubt, in Rage geraten und womöglich versuchen, ihn aus dem Weg zu räumen. Mindestens aber werde er sich nach der Wanderung an der zuständigen Stelle beschweren.

Melancholiker

Element Erde, Geschmack sauer/scharf, Tageszeit Abend, Jahreszeit Herbst, Planet Saturn, nachdenklich, planend, gewissenhaft. Der Melancholiker werde beim Anblick des Zauns seine komplette Reise in Frage stellen, darüber grübeln, warum hier ein Zaun ist, und seinen Weg reflektieren, nicht ohne dabei gedankenverloren die schöne Landschaft zu bewundern und als Erinnerung zu skizzieren.

Phlegmatiker

Element Wasser, Geschmack salzig/süßlich, Tageszeit Nacht, Jahreszeit Winter, Planet Mond, gemütlich, gesellig, ruhig und beständig. Der Phlegmatiker gehe Konflikten aus dem Weg, auch wenn es unnötig großen Aufwand erfordere. Er werde einen weiten Bogen um den Zaun machen und einen großen Umweg in Kauf nehmen. „Das macht ihm aber bestimmt nicht sonderlich viel aus, gibt es doch auf diesem zweiten Weg eine feine Einkehrmöglichkeit“, so Autorin Michaela Hauptmann.

Laut TEM kann die Ernährung auf die Temperamente befeuernd oder ausgleichend wirken. Wichtig sei auch, dass die Nahrung stets möglichst alle Temperamente in Zubereitungsart, Zutaten und Geschmacksrichtung berücksichtige.

Rezepttipps nach der Traditionellen Europäischen Medizin

Grünes Omelett mit Fenchel

In der Ernährung mit Blick auf den Jahreslauf nach der Traditionellen Europäischen Medizin ist das Omelett ein frisches Frühlingsrezept.

Zutaten für 1 Person:

1 Frühlingszwiebel, ½ Fenchelknolle, Öl, 1 Prise Rohrohrzucker, 100-150 ml klare Gemüsebrühe, 1 Handvoll gemischte Frühlingskräuter (Brennnessel, Bärlauch, Löwenzahn, Giersch ...), Blattspinat nach Belieben, 2 Eier, Salz, Pfeffer, Kurkuma, Zitronensaft und -schale, ½ bis 1 TL Honig, Gänseblümchen für die Dekoration

Zubereitung:

Frühlingszwiebel in feine Ringe schneiden, Fenchel achteln. In etwas Öl mit etwas Zucker andünsten. Mit Gemüsesuppe aufgießen und zugedeckt weich kochen. Währenddessen die Kräuter waschen und hacken, in etwas Öl auf kleiner Flamme ziehen lassen. Sobald das Fenchelgemüse gar ist, Eier mit Salz, Pfeffer und Kurkuma verquirlen und über die Wildkräuter gießen. Frisch geriebene Zitronenschale, einen Spritzer Zitronensaft und Honig zum Fenchel geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Omelett mit dem Gemüse auf einem Teller anrichten, nach Belieben Gänseblümchen darüber streuen. (Quelle: Buch „Temperamentvoll essen“)

Birnencreme

Die Birnencreme schmeckt als Dessert oder zum Frühstück (Zucker durch eingeweichte Trockenfrüchte ersetzen).

Zutaten für 4 Personen:

1 bis 2 Fäden Safran, Saft und Schale von ½ Zitrone, 500 g geschälte Birnen, 70 ml Wasser, 30-50 g Zucker, ½ TL Lebkuchengewürz, 50 g Butter oder Mandelmus, 1 Prise Salz, 2 versprudelte Eier, geröstete Haselnüsse oder ungesüßtes Kakaopulver

Zubereitung:

Safran mit Zitronenschale- und saft vermischen. Birnenstücke mit Wasser, Zucker sowie Lebkuchengewürz weich dünsten. Vom Herd nehmen. Butter oder Mandelmus, Salz und Safran-Zitronen-Mischung dazugeben und cremig rühren. Nach und nach die verquirlten Eier einrühren. Nicht mehr erhitzen, damit die Masse cremig bleibt, und am besten lauwarm genießen. (Quelle: Buch „Temperamentvoll essen“)

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