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Donnerstag, 05. Dezember 2019 Drucken

TV & Kino

»AUERHAUS« MIT MAX VON DER GROEBEN UND LUNA WEDLER: Auf der Schwelle

Im Gefühlschaos: die „Auerhaus“-WG (von links Max von der Groeben, Luna Wedler, Devrim Lingnau, Damian Hardung).

Im Gefühlschaos: die „Auerhaus“-WG (von links Max von der Groeben, Luna Wedler, Devrim Lingnau, Damian Hardung). (| Foto: Warner/frei)

Ruf nach Freiheit: Höppners (Damian Hardung) erste Liebe Vera (Luna Wedler) ist alles andere als konventionell.

Ruf nach Freiheit: Höppners (Damian Hardung) erste Liebe Vera (Luna Wedler) ist alles andere als konventionell. (| Foto: Warner/frei)

Glück ist Auslegungssache, das Streben danach für jeden individuell. Mal ist der Weg schwermütig und ängstlich, mal lebenslustig und herausfordernd. All diese Facetten beleuchtet Neele Leana Vollmar in ihrer Verfilmung von Bov Bjergs 2015 erschienenem Bestseller „Auerhaus“ über eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft in der deutschen Provinz. Dabei zeigt sie gegenüber den Gedanken und Handlungen ihrer Figuren ebenso viel Toleranz, wie ihr Drama es seinem Publikum abverlangt.

Erwachsenwerden und -sein ist nicht einfach. Von Unsicherheiten geplagt ist Höppner (Damian Hardung, „Club der Roten Bänder“), der in einem entlegenen Dorf im Westdeutschland der Achtziger das „Gymnasium am Stadtrand“ besucht und ein absoluter Außenseiter ist. Seine einzige „Freundschaft“ gleicht einer Zweckbeziehung: Frieder (Max von der Groeben, „Fack Ju Göhte“) erledigt für Höppner die Hausaufgaben und der wiederum spielt den Aufpasser. Das Verhältnis von Höppner zu seiner Mutter (Anja Schneider) und ihrem provozierenden Freund (Milan Peschel) ist ebenso schwierig wie jenes zu seiner freiheitsliebenden Freundin Vera (Luna Wedler). Doch all diese Probleme rücken in den Hintergrund als Frieder einen Selbstmordversuch unternimmt. Nach ein paar Monaten Aufenthalt in der Psychiatrie darf er die Einrichtung zwar wieder verlassen, eine Rückkehr auf den Hof seines Vaters ist aber für ihn unvorstellbar. Kurzerhand beschließt Frieder in das leerstehende alte Haus seines Großvaters zu ziehen, und zwar gemeinsam mit Höppner, dessen Freundin Vera und der strebsamen Cäcilia (Newcomerin Devrim Lingnau).

Das „Auerhaus“ wird für die vier Freunde auf der Sinnsuche zu einem Ort der Selbstverwirklichung. In ihrem eigenen Kosmos haben Erwachsene wie der fürsorgliche Dorfpolizist (Hans Löw) zunächst keinen Platz. Doch schon bald holt auch das Quartett die Realität ein. Diesen Prozess hat Vollmar laut Kritikern als wunderbare, klischeefreie Coming-of-Age-Geschichte inszeniert, die zu Herzen geht. Dabei lässt sie vieles unausgesprochen und den Zuschauern Raum, das Spiel des durchweg überzeugenden Casts auf sich wirken zu lassen. | Carolin Keller

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