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»Ohne Spaß kann’s nicht klappen«

Interview: Peter Zürker über den World Klapp in Schopp und seinen Pfälzer Klappverein

Peter Zürker (Mitte), Vorsitzender des Pfälzer Klappvereins, mit Teamkollegen beim World Klapp in Berlin vorm Brandenburger Tor. ( | Fotos: frei)

Zur Weltmeisterschaft im Klapprad-Fahren, einem 24-Stunden-Rennen auf der Radrennbahn in Schopp, lädt der Pfälzer Klappverein ein: Die Veranstaltung beginnt am Freitag, 1. Mai, um 14 Uhr und soll nonstop bis Samstag, 2. Mai, um 23 Uhr dauern. Das Rennen selbst läuft von Freitag 18 Uhr bis Samstag 18. Uhr. Einige skurril benannte Starterteams stehen noch auf der Warteliste, andere schon fest, darunter die vier Radler vom Team Klabba, die im 70er-Jahre-Glamour-Outfit mit Alfons V. als Team-Captain starten. LEO-Redakteurin Gisela Huwig hat dem Ersten Vorsitzenden des Pfälzer Klappvereins, Peter Zürker, geheime Hintergrundinformationen zur Klapprad-Bewegung allgemein und den Wettkämpfen im Speziellen bei einem Kaffee und Schmandtorte entlockt.  

Klappen wir mal das erste Kapitel auf: Das ist ja ein richtiges Klapprad-Universum, eine kultige Parallelwelt mit vielen Fans und unglaublichem Wortwitz, die der Pfälzer Klappverein da erzeugt hat. Wie hat das denn angefangen?

Vor 24 Jahren mit dem Kalmit-Klapprad-Cup. Wir sind mal zu viert mit den Rennrädern auf die Kalmit gefahren, eine kleine Gruppe aus Dudenhofen. In Dudenhofen gab es damals ein Dorforiginal, den Horst. Der Horst hatte ein Klapprad und versorgte seine Kollegen vom Bauhof mit Bier, das er damit transportierte. Das brachte uns auf die Idee, die Kalmit doch mal mit dem Klapprad anzugehen. Wir hatten dabei so viel Spaß, dass wir es jedes Jahr wiederholt haben. Und von Jahr zu Jahr gesellten sich mehr Klapprad-Fahrer dazu. Irgendwann hatte dann Frank Leibeck, der heutige Verbandsbürgermeister von Lingenfeld, die Idee, sich dabei zu verkleiden. So kamen wir drauf, den Kalmit-Klapprad-Cup jedes Jahr unter ein bestimmtes Motto zu stellen. Seit über zehn Jahren schreiben wir dazu im Vorfeld immer einen Wettbewerb aus. Die Leute entwickeln da unglaublich viel Fantasie.

Was war denn so Ihr Lieblingsmotto bisher?

„Wer’s klappt wird seelisch". Ich ärgere mich heute noch darüber, dass mir das nicht selbst eingefallen ist. Mir gefallen Mottos, die schräg sind und gerne auch provozieren, das muss nicht „politisch korrekt" sein.

Darauf gab es keine Reaktionen?

Die hohen Herren der Amtskirche fanden das gar nicht lustig. Es gab da zum Beispiel einen Fahrer, der ein zwölf Kilo schweres Holzkreuz auf dem Rücken mit dem Rad die Kalmit hochhievte. Das war eine Riesenleistung, ist denen aber sauer aufgestoßen. Wir mussten damals ein ernstes Gespräch mit dem Bischof führen.

Aber gestoppt wurde der Kalmit-Klapprad-Cup deshalb nicht?

Das Ganze kann man gar nicht mehr stoppen. Wer den Kalmit-Klapprad-Cup verbieten wollte, der würde sich vermutlich viel Ärger einhandeln. Der ist so populär inzwischen. Wir legen immer ein Augenmerk darauf, dass es eine Familienveranstaltung ist. Die Jüngsten fahren im Anhänger mit, der älteste Fahrer ist 78 und schafft den Weg zum Gipfel in etwas mehr als einer halben Stunde. Das ist eine starke Leistung. Der bekommt auch immer einen Preis. Wir wollen eine große Bandbreite bieten, und es soll eine Familienveranstaltung bleiben. Wir waren 2014 auf der Kalmit fast 600 Starter, darunter auch Tandems. Es kommen jedes Jahr mehr Zuschauer. Weil das inzwischen so groß ist, mussten wir das in reguläre Bahnen lenken. Die Straße wird gesperrt. Wir haben die Organisation dem Ansturm angepasst. Wir brauchen inzwischen allein 15 Leute, die den Verkehr regeln.

Macht das dann der Verein?

Ja, den haben wir aus diesem Grund aus der Taufe gehoben. Für uns war die Idee, einen Verein zu gründen, ehrlich gesagt ein Graus. Wir haben da an Spießer und Establishment gedacht. Aber als Privatperson kann man die Haftung für eine solche Veranstaltung nicht übernehmen. Inzwischen sind wir froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben und ein buntes Vereinsleben pflegen. Fast wie ein normaler Verein ...

Wie hat der sich inzwischen entwickelt?

Wir haben jetzt 27 Mitglieder. Wir wollen keine „Karteileichen" in unseren Reihen und sind nicht unglücklich, wenn die Mitgliederzahlen überschaubar bleiben.

Und wie hat das mit diesem Erfolg geklappt? Gehört Klappern zum Handwerk?

Entscheidend ist, dass man über sich selbst lachen kann. Viele fahren nur wegen der Gaudi mit. Andere wiederum sind gute Sportler, die auch das Schräge am Kalmit-Klapprad-Cup sowie am World-Klapp mögen. Wer jedoch nur antritt, um den Siegerpokal abzustauben, verliert schnell den Spaß. Dafür sorgen schon die Kommentare der Zuschauer und der anderen Fahrer.

Klapprig darf so ein Klapprad-Profi aber wohl nicht sein, oder?

Natürlich darf man klapprig sein! Beim Kalmit-Klapprad-Cup kommt es nicht so sehr auf die Kondition oder die Konstitution, sondern vielmehr auf die Kreativität der Teilnehmer an. Wie die körperlich drauf sind oder wie fit die sind, das ist egal. Es gibt zwar einen Pokal für den Schnellsten, der schafft die 6,9 Kilometer in 19 Minuten, aber die wahren Helden sind die, die auch ohne Training ankommen, selbst wenn sie ihr Klapprad durchs Ziel schieben. Für viele ist das dann aber ein Ansporn fürs nächste Rennen zu trainieren, den kompletten Berg auf dem Rad zu schaffen und eine bessere Platzierung zu erreichen.

Klappradeln Sie auch selbst mit?

Beim Kalmit-Klapprad-Cup bin ich seit der Gründung immer am Start. Wir haben aber als zweiten Wettbewerb wie gesagt noch den World Klapp. Beim diesjährigen World-Klapp im westpfälzischen Schopp wollen Holger Gockel, der Pressesprecher des Pfälzer Klappvereins, und ich erstmals an den Start gehen. Dafür haben wir uns gerade mit dem Team Klappateros bei der Wahrheitskommission beworben. Diese wurde eigens dafür installiert, die Teilnehmerteams auszusuchen, die mit möglichst viel Originalität punkten.

Hilft die Klappstulle unterwegs oder welche Form der Ernährung und des legalen Dopings wird für den World-Klapp und den Kalmit-Klapprad-Cup empfohlen, damit niemand unterwegs zusammenklappt?

Wir sind ein Pfälzer Verein, da ist nur Riesling-Schorle als Doping erlaubt. Aber natürlich am besten erst nach dem Rennen. Wir haben immer das Rote Kreuz und einen Notarzt vor Ort. Aber zusammengeklappt ist zum Glück noch niemand. Beim World-Klapp dürfen die Starter übrigens überhaupt keinen Alkohol während des Rennens trinken. Das wäre einfach zu gefährlich. Beim letztjährigen World-Klapp in Berlin lieferte ein Caterer tatsächlich eigens Klappstullen für unser Orga-Team.

Der World-Klapp ist ja sozusagen die Weltmeisterschaft der Klappradfahrer, die in Schopp jetzt zum vierten Mal ausgetragen wird. 2012 und 2013 war sie in Ludwigshafen-Friesenheim, 2014 in Berlin. In diesem Jahr wird sie als 24-Stunden-Rennen mit großem Showprogramm unter dem Motto „Rock und Pop(p) in Schopp" organisiert. Kein Alkohol, das klingt bei dem ganzen Klamauk drumherum ja geradezu ernsthaft. Auch das Reglement klingt über weite Strecken sehr ernsthaft. Wie kommt das denn?

Der World-Klapp hat zwar einen sportlicheren Rahmen als der Kalmit-Klapprad-Cup, aber auch hier wird Wert auf Originalität gelegt. Die Teams müssen sich zum Beispiel bei der Wahrheitskommission mit einem originellen Motto bewerben. Gaudi muss einfach sein. Nicht nur, weil uns allen das so einfach viel mehr Spaß macht. Das zieht auch die Zuschauer an. Der Zuspruch ist nicht von ungefähr größer als bei normalen Bahnrad-Rennen. Wir haben etliche Highlights, die wir jedes Mal verwenden. Wichtig ist uns der Bezug zu Ludwigshafen, der Geburtsstätte des World-Klapp. In Berlin haben wir zum Beispiel die Hymne „Kennst du Ludwigshafen" zur Eröffnung vor dem Brandenburger Tor gesungen. Und die steht jetzt auch wieder auf dem Programm. Die hat der ehemalige Box-Europameister und Hobbysänger Hannes Freistadt geschrieben, der jetzt die Gaststätte im Vogelpark in Böhl-Iggelheim betreibt. Als Moderator haben wir die Radiomoderatorin Steffi Tücking und Stadionsprecher Udo Scholz. Und der König Bansah, der in Ludwigshafen lebt und mit seiner Frau auch Mitglied im Pfälzer Klappverein ist, vereidigt die Fahrer. Die müssen ihre Liebe zu Ludwigshafen schwören und dass sie ohne Schaltung fahren.

Stimmt, der Klappverein kämpft ja stets um die Schaltungsfreiheit. Wie gestaltet sich der Kampf derzeit?

Wir sind auf einem guten Weg. Das Ziel rückt näher…

Wie kommen Sie eigentlich auf all diese schrägen Ideen?

Bei uns dreht sich alles ums Klappradfahren. Wir denken rund um die Uhr nur an unsere Veranstaltungen. Jede Idee wird aufgeschrieben und besprochen. Es kann passieren, dass ich nachts aufwache und mir ein Gag einfällt. Wir hatten zum Beispiel die Idee, unseren König Bansah nach Schopp mit dem Helikopter einfliegen zu lassen. Es hat drei Monate gedauert, bis wir einen gefunden haben, der auch unseren Preisvorstellungen entsprochen hat. Der Pilot bietet jetzt in Schopp gegen Bezahlung auch Rundflüge für Zuschauer an. Wir haben noch ganz viele Ideen für Schopp, dazu brauchen wir aber noch Sponsoren. Wenn es mit den Geldgebern nicht klappt, wird es auch toll, aber eben nicht die Luxusvariante.

Ein wiederkehrendes Element des World Klapp ist ja die Regel „Ohne Bart kein Start".

Ja. Das heißt, dass alle Teilnehmer einen Oberlippenbart haben müssen. Der Vereinsfriseur Rainer Klapp testet diesen auf Echtheit und darf – etwa für Frauen – Ausnahmegenehmigungen ausstellen. In diesem Fall ist dann ein aufgeklebter Schnauzer Pflicht.

Ohne Bart kein Start – das reimt sich. Kennen Sie auch Klapphornverse und wenn ja welche?

Klapphornverse? Was ist das denn?

Das ist laut Duden „ein Scherzvers in Form eines Vierzeilers, beginnend mit Zwei Knaben"…

Nein, davon habe ich noch nichts gehört. Aber das ist eine witzige Idee, das könnte man irgendwie aufgreifen.

So klappt das also mit den Ideen… Und wie fühlen Sie sich dabei, dass etwas, das so klein angefangen hat, irgendwann so große Kreise zieht?

Ich kann den Boom noch gar nicht fassen. Auch, dass das schon so lange anhält. Wir sind bundesweit für viele Veranstaltungen angefragt, in Leipzig, in Hamburg. Wir genießen das.

Nicht zu vergessen, dass der Klappverein jetzt sogar einen Schönheitspreis gewonnen haben soll…

Es gab eine Sendung „Unsere schönsten Vereine" im SWR. Das ist zwar ein seltsamer Titel, aber die war wirklich gut. Da wurden lauter kuriose Vereine vorgestellt, und wir sind denen auch aufgefallen. Der SWR filmt regelmäßig bei unseren beiden Rennen, also beim Kalmit-Klapprad-Cup und beim World Klapp.

Erfolgreiche und solcherart vom Fernsehen preisgekrönte Klappradler mit Oberlippenbart – Hand aufs Herz: Klappt’s da auch mit der Nachbarin?

Man wird schon interessant in dem Moment, wo man in der Öffentlichkeit steht. Da kommt schon ab und zu mal eine E-Mail von einem weiblichen Fan. Mancher Fahrer ist da mehr oder weniger exponiert. Sie werden zwar alle beim World-Klapp von Cheerleaders und den Zuschauern gefeiert, aber Alfons V. ist zum Beispiel bei den Damen besonders begehrt. Er ist eine Rampensau, eine Kultfigur. Er darf mit seinem Team Klabba deshalb auch bei keinem World-Klapp fehlen.

Aber bei allem Spaß, ist das nicht aber doch ziemlich stressig, so Großveranstaltungen zu managen?

Wir sind ein kleines Team, haben Jobs, Familie, Kinder. Wir kommen schon an die Belastungsgrenze. Aber wenn man sieht, was alles dabei rauskommt und wie groß die Begeisterung ist, dann wissen wir: Wir müssen das machen. Wir knüpfen dadurch auch viele interessante Kontakte, sind inzwischen zum Beispiel mit Schauspieler Bürger Lars Dietrich befreundet. Ich bin im realen Leben Beamter, da kann ich mich nicht so kreativ austoben. Das kann ich dann in diesem Rahmen. Es ist interessant. Man trifft viele Leute. Es ist einfach toll.

Ich wollte ursprünglich bei meinen Fragen im Interview das mit der verbalen „Klappkonstruktion" durchhalten. Das hat leider nicht so ganz geklappt. Es gibt im Duden nur 33 Begriffe, die mit „klapp" anfangen. Aber ein paar entsprechende Fragen hätte ich noch: Mögen Sie auch Klapperschlangen, Klappstühle und Menschen, die die Klappe halten?

Bei uns sind alle Sorten von Menschen gefragt, ob sie die Klappe aufreißen oder still ihren Spaß haben. Es muss aber auf jeden Fall das Klapprad sein, sonst nix.

Darf man zu Ihnen ungestraft sagen: Halt mal die Klappe – oder gibt’s dann einen Klapf, also eins auf die Mütze?

Dazu kann ich eine schöne Anekdote erzählen: Es kam eine Anfrage für Dreharbeiten mit mir. Ich ziehe aber lieber die Fäden im Hintergrund. Mich drängt es nicht so vor die Kamera. Der Klappverein hat für repräsentative Aufgaben ja auch eigens einen Präsidenten. Ich wollte die Anfrage daher absagen. Da musste ich dann den sch(m)erzhaften Kommentar lesen: Erst eine große Klappe haben und dann den Rückzieher machen.

Klipp und klapp zum Schluss: Hat angesichts von verkleideten Menschen, die auf Klapprädern den höchsten Gipfel des Pfälzerwalds erklimmen, schon mal jemand gemutmaßt, der ein oder andere Vertreter dieser Sportart könnte der Klapsmühle entsprungen sein?

Auf den Gedanken könnte man schon kommen. Ich schließe auch nicht aus, dass der ein oder andere Teilnehmer der Klapsmühle entsprungen ist oder kurz vor dem Absprung steht. Man muss schon ein bisschen verrückt sein.

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