Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 08. November 2018 Drucken

Museen & Galerien

Unwirkliche Welten: »Art Imaginär« in Neustadt-Mußbach

Von Roland Happersberger

Surreale Erscheinung: Lithographie des Fabius von Gugel.

Surreale Erscheinung: Lithographie des Fabius von Gugel. (Foto: frei)

Erotisches Sinnbild: Gemälde von Elke Wassmann.

Erotisches Sinnbild: Gemälde von Elke Wassmann. (Foto: frei)

(Foto: frei)

Das Seltsame ist hier Programm: Traumhaftes, Phantastisches, Surreales gestalten die Künstler, die sich auf der „Art imaginär“ im Mußbacher Herrenhof ein Stelldichein geben, knapp 40 an der Zahl, so dass wir hindurcheilen müssen, um nur einiges knapp hervorzuheben.

Man hat sich eines großen Ahnherrn verpflichtet, Piranesis nämlich, der im 18. Jahrhundert nicht nur herrliche Stadtansichten Roms in Kupfer gravierte, sondern auch die höchst beunruhigenden Carceri, Kerker mit endlosen Gewölben, Galerien und Treppen, schwer lastend und in jeder Hinsicht kafkaesk, die gewiss von den unterirdischen Gängen des Colosseums inspiriert waren. Neun davon sind im Zentrum der Schau zu sehen.

Darum gruppiert sich mancherlei, altmeisterlich oder naiv im malerischen Duktus, manchmal auch durchaus abstrahiert oder pop-artig bunt, mit Gestalten und Szenerien, die die sichtbare Wirklichkeit nicht bietet. Dietmar Gross malte eine lebensgroße Menschengestalt, mit drei Beinen, Penis und Vagina, acht Brüsten, sechs Armen und einem Kopf. Wie könnte das Mannweib anders heißen als „Ecce Homo“? Hanno Karlhuber konfrontiert Caspar David Friedrichs Rügener Kreidefelsen mit einer Batterie Windrädern im Meer oder malt thailändische Traumgesichter. Eberhard Marx folgt Hieronymus Bosch und malt 2018 als Triptychon einen Heuwagen, der, von einem amerikanischen Straßenkreuzer gezogen, auf einen Abgrund zufährt, aus dem Ölpipelines ragen, die das Hauptbild mit den Seitentafeln verbinden. Links Adam, wie der heilige Sebastian an einen Baum gefesselt, und Eva, rechts eine vom Krieg zerstörte Großstadt mit Soldaten und bandagiertem Kind unter glühendem Himmel.

Glenn Miller, Mozart und Peter Alexander werden zu Laubsägarbeiten, wenn ihre Platten Raymond E. Waydelich in die Hände fallen. Filigran arbeitet er Friese mit Krokodilen, Hirschen, Höllenhunden und vor allem mit Wildschweinen aus dem Vinyl.

All das und noch viel mehr ist ein kunterbuntes Potpourri. Eine eigentümliche Ruhe ergreift den Betrachter indes, wenn er ein abgegrenztes Kabinett betritt und vor den Farblithographien des Fabius von Gugel (1910 in Worms geboren, 2000 in München gestorben) steht. Dass sie an den „Struwwelpeter“ erinnern, kommt nicht von ungefähr: In Linienführung und Kolorit nimmt der Künstler Bezug auf den lapidaren Stil der frühen Illustrationslithographie. Was er zeigt, sind poetische Unwirklichkeiten, jedes Mal von neuer, eigenartiger Erfindung. Gern schaut man lange hin. Durchaus reizvoll ist auch die ausführliche Werkschau der in Dossenheim bei Heidelberg lebenden Malerin Elke Wassmann nebenan im Getreidekasten. Die schönsten ihrer traumhaften Szenarien wirken leicht, geheimnisvoll und doch geheim vertraut, andere sind allzu sehr aus vorher gefundenen Elementen zusammengeleimt.


Info

Art imaginär: Phantastische und visionäre Kunst – bis 25.11., Neustadt-Mußbach, Herrenhof, An der Eselshaut 18, geöffnet: Mi 18-20 Uhr, Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr; www.herrenhof-mussbach.de.

Pfalz-Ticker