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Donnerstag, 28. Februar 2019 Drucken

Museen & Galerien

Üppiges und Witziges: »Modern Baroque« in Landau

Von Roland Happersberger

Eigenwilliges Form- und Linienspiel: ein titelloses Wandwerk von Benjamin Bronni, 2014.

Eigenwilliges Form- und Linienspiel: ein titelloses Wandwerk von Benjamin Bronni, 2014. (Foto: VG Bild-Kunst Bonn/frei)

Ornamentik der Folterqualen: Digitalzeichnung von Parastou Forouhar.

Ornamentik der Folterqualen: Digitalzeichnung von Parastou Forouhar. (Foto: Forouhar/frei)

Iris Bouwmeester nimmt aus dünnem, gefaltetem Aluminiumblech bestehenden Isolierrohre, bricht sie auf und verformt sie, so dass die vorgefertigte Rundung stellenweise erhalten, vor allem aber gestört wird.

Man kann dabei an Berninis verdrehte Tabernakelsäulen im Petersdom oder an üppige Rubensleiber denken. Aber man tut das wahrscheinlich nur, insofern man sich in einer Ausstellung befindet, deren Titel Barockes erwarten lässt – ansonsten würde man diese mit Kunstharz ausgesteiften Wandwerke vielleicht eher läppisch finden.

Der Hang zum Üppigen

„Modern baroque“ heißt die aktuelle Schau in der Landauer Villa Streccius. Mit 14 internationalen künstlerischen Positionen will sie Barockisierendes in der Gegenwartskunst aufzeigen: einerseits den Hang zu üppigen, pompösen Formen, Windungen und Drehungen, raumgreifender Dynamik, anderseits ironisierend-verfremdendes Spiel mit barocken Formen, etwa wenn Reiner Seliger aus Ziegelbrocken exakte runde Körper aufschichtet, die – wenigstens im gegebenen Kontext – an streng in Form geschnittene Buchsbäume in Barockgärten erinnern.

Barocke Rauminszenierung in historischer Villa

So unterschiedlich man zu den einzelnen Werken Stellung nehmen mag, anregend und wunderschön in die Säle der dazu bestens geeigneten historistischen Villa komponiert – also in ihrem Sinn für Rauminszenierung ganz barock – ist die Schau auf jeden Fall. Man beginnt am besten unten ganz rechts und schaut zur Einstimmung ein Video, in dem sich in einem Barockpark zwei maskierte und bepelzte Gestalten tanzend verlustieren und an trompetenförmigen Blüten und alten Pilzen riechen („Born to be wild“ von Klaudia Stoll und Jacqueline Wachall). Nebenan der vielleicht schönste Raum: Hier sind wunderhübsch vier 2,60 Meter hohe filigrane Scherenschnitte mit vegetabilen Motiven von Gabriele Pasch und irisierend glasierte tönerne Vögel von Beate Höing kombiniert, die prächtig zu flattern scheinen, bei näherem Hinsehen aber wirken, als seien sie rücklings an die Wand genagelt worden. Nebenan hat Alke Reeh barocke Kuppelformen transformiert in steife gipserne Röcke, die im Raum stehen.

Digitale Blumenstillleben

Ungemein faszinierend sind monumentale, leuchtend-farbige Blumenstillleben. Es sind Computerdrucke, die dem Betrachter Rätsel aufgeben, weil Dagmar Hugk auf ihnen raffiniert Gewachsenes und künstlich Gebildetes auf bei näherem Hinsehen beunruhigend unauflösliche Weise verbunden hat. Auch mancher Barockmaler hat ähnlich mit der Nature morte gespielt. Witzig mit Barockem spielen Installationen von Sakir Gökcebag aus Wäscheklammern und halben Putzeimern im Obergeschoss. Unheimlich schön: Symmetrische Ornamente, die sich, was man nur aus der Nähe sieht, aus Folterszenen zusammensetzen – von Parastou Forouhar.


Info

»Modern baroque« – bis 17.3., Landau, Städtische Galerie Villa Streccius, Südring 20, Di, Mi, 17-20 Uhr, Do-So 14-17 Uhr. Näheres: www.villa-streccius.de.

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