Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Zum Einzelverkauf der Ausgabe als PDF
Freitag, 23. Februar 2018

4°C

Donnerstag, 25. Januar 2018 Drucken

Museen & Galerien

So schön bewölkt: Heike Negenborn und Anne Kuprat in der Galerie Upart in Neustadt

Von Kai Scharffenberger

Von Heike Negenborn: „Schlucht des Lagamas“, 2014.

Von Heike Negenborn: „Schlucht des Lagamas“, 2014. (Foto: frei)

Von Anne Kuprat: „Springende Ziege“, 2017.

Von Anne Kuprat: „Springende Ziege“, 2017. (Foto: Galerie/frei)

Heike Negenborn liebt tiefe Horizontlinien, weite Perspektiven, die über deutlich beackerte Kulturlandschaften hinweg nichts weiter fokussieren als die großen Wolkendramen, die sich am Himmel abspielen.

Weiß bis grau, oft auch schwärzlich düster ballt es sich dort zusammen, Gewitter kündend, Schnee verheißend oder jenes abendliche Zwielicht filternd, das sich nach Sommerregengüssen einstellt.

Sky-Scapes

Manchmal legt Negenborn, die im Ahrtal aufwuchs, hernach an der Mainzer Kunstakademie bei Peter Lörincz studierte und ihr Atelier von 2009 bis 2013 in Südfrankreich hatte, lineare Rasterzeichnungen über die schmalen Landstriche ihrer Acrylgemälde. „Sky-Scapes“ nennt sie diese Bilder gerne, die den Eindruck erwecken, als ob technische Planskizzen landwirtschaftlicher Nutzung und Flurbereinigung die romantische Weltbetrachtung überlagerten. Und selbst dort, wo Negenborn auf diese offensichtliche Brechung der malerischen Illusion verzichtet und stattdessen mit naturalistischer Akribie Felswände oder Wingertreihen auf Holzplatten „ziseliert“, hat ihre Malerei etwas Grafisches und Uneigentliches. Offensichtlich geht es der Künstlerin, deren Arbeiten aktuell in der Galerie Upart in Neustadt zu sehen sind, weniger um eine wahrheitsgemäße Erfassung eines bestimmten Ortes und atmosphärischen Augenblicks als vielmehr um die Konstruktion von Landschaft, um eine ideale Fiktion, die durch ebenso berückende wie irritierend unzeitgemäße Virtuosität hergestellt wird. Was wiederum erklärt, warum Negenborns „Weitblicke“, bei allem Realismus, irgendwie unwirklich wirken.

Wolkenmacht und Tiergeflüster

Galeristin Ingrid Bürgy hat Negenborns geballte „Wolkenmacht“ mit Anne Kuprats „Tiergeflüster“ kombiniert. Was die Positionen miteinander verbindet, ist die Tatsache, dass beide Künstlerinnen letztlich von der Zeichnung herkommen. Bei Kuprat, die neben Kunst Biologie und wissenschaftliche Illustration studierte, wird das Primat der Linie fast noch deutlicher als bei Negenborn: Viele ihrer Skulpturen – oft sind es Tiergestalten – bestehen lediglich aus gebogenem, mit Papierfetzen umwundenem Draht oder aus Ästchen. Die Volumen sind extrem reduziert, was sowohl an Alberto Giacometti als auch an schematische Höhlenmalerei denken lässt. Insbesondere verblüfft, wie Kuprat mit ein paar gefundenen, in Bronze nachgegossenen Zweigen ein „scheinbares Pferdchen“ aufs Podest zaubert.


Info

Heike Negenborn, Anne Kuprat: »Wolkenmacht und Tiergeflüster« – bis 25.2., Neustadt, Galerie Upart, Villa Knoeckel, Quellenstraße 32, geöffnet: Mi, Do, So 14-18 Uhr; Info: Telefon 0171-6702651.

Pfalz-Ticker